Carillion

28.07.17
Finanzierungen

Scope: Schuldscheine werden teurer

Schuldscheinemittenten sollten sich im zweiten Halbjahr auf höhere Risikoaufschläge einstellen. Das prognostiziert die Ratingagentur Scope – und nennt zwei Gründe.

Beim Schuldschein ist der absolute Tiefpunkt in Sachen Pricing erreicht. Das sagt Sebastian Zank, Analyst bei der Ratingagentur Scope. „Wir werden im zweiten Halbjahr höhere Spreads sehen.“ Seiner Prognose zufolge könnte der durchschnittliche Risikoaufschlag für fünfjährige Euro-Schuldscheine in den kommenden Monaten leicht auf 130 Basispunkte, also 1,3 Prozentpunkte, steigen.

Scope hatte kürzlich errechnet, dass Emittenten in den ersten sechs Monaten dieses Jahres im Schnitt einen Risikoaufschlag von gerade einmal 118 Basispunkten zahlen mussten. 2016 waren es laut der Ratingagentur im Schnitt 138 Basispunkte.

Bereits damals konnten sich Marktbeobachter – inklusive Scope – nicht vorstellen, dass die Konditionen für Emittenten noch besser werden. Doch das Niedrigzinsumfeld hat den Anlagedruck auf die Investoren weiter erhöht.

Carillion als Weckruf für Schuldschein-Investoren?

Als Grund für den von ihm prognostizierten leichten Aufwärtstrend führt Zank vor allem die höhere Verschuldung der Emittenten an: „30 Prozent der Unternehmen, die im ersten Halbjahr dieses Jahres einen Schuldschein platziert haben, lagen gemessen an ihrem Leverage im High-Yield-Bereich“, sagt Zank. Angesichts der Rekordkonditionen könne man daher im Schnitt nicht von einem risikoadäquaten Pricing sprechen, so der Ratinganalyst.

Doch warum sollte die Wende ausgerechnet jetzt kommen? Was sollte Investoren und arrangierende Banken zum Umdenken bewegen? Zank sieht den Fall des britischen Baukonzerns Carillion als „Weckruf“ für die Akteure am Schuldscheinmarkt: Das Unternehmen, das erst vor fünf Monaten einen Schuldschein platziert hatte, musste kürzlich eine massive Gewinnwarnung verkünden. Jetzt denken die Briten angeblich über einen Tausch von Schulden in Aktien nach (Debt-Equity-Swap).

Kleine und ausländische Emittenten verwässern die Kreditqualität

Im Kern hält Scope den Schuldscheinmarkt zwar weiterhin für gesund. Bei genauerer Betrachtung der Analyseergebnisse zeigt sich jedoch, wo die Probleme liegen: Es sind vor allem kleinere und ausländische Unternehmen, die die Kreditqualität des Marktes verwässern. Lag der durchschnittliche Leverage der deutschen Neuemittenten im ersten Halbjahr 2017 bei 2x Ebitda, betrug der Verschuldungsgrad ausländischer Emittenten 3,2x. Große Unternehmen kamen im Schnitt auf 2,5x Ebitda, kleine Firmen auf 3,4x.

Die Zahl ausländischer Unternehmen, die den Schuldscheinmarkt anzapfen, dürfte weiter steigen: Nach europäischen Firmen entdecken inzwischen auch US-amerikanische und asiatischen Emittenten das urdeutsche Finanzierungsinstrument. Dieser zunehmenden Heterogenität trägt der Markt heute noch nicht ausreichend Rechnung.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

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