Carillion

15.01.18
Finanzierungen

Schuldscheinemittent Carillion ist insolvent

Der britische Baukonzern Carillion ist pleite, mehrere Rettungsversuche konnten das in Bedrängnis geratene Unternehmen nicht vor dem Untergang bewahren. Die Pleite mit Ansage ist ein Warnschuss für den Schuldscheinmarkt.

Der Baukonzern Carillion hat Insolvenz angemeldet. Teure Verzögerungen bei Großprojekten und extrem hohe Abschreibungen brachten das Unternehmen in finanzielle Nöte – nun wird Großbritanniens zweitgrößter Infrastrukturdienstleister abgewickelt. 

Den Insolvenzverwaltern bietet sich nun ein erschreckendes Bild. Carillion hatte Bloomberg zufolge im Juni 2017 bereits langfristige Schulden von 900 Millionen Pfund angesammelt. Zudem habe der Konzern ein Defizit von fast 600 Millionen Pfund in der Pensionskasse zu verzeichnen. Erst vor einem Jahr hatte das Unternehmen noch einen Schuldschein über 112 Millionen Pfund platziert. Die Investoren werden sich nun auf herbe Verluste einstellen müssen.

Carillions Pleite kam mit Ansage

Die Insolvenz trifft das Unternehmen hart, kommt aber nicht unerwartet. Im vergangenen Jahr kündigte sich der Abstieg bereits an: Carillion musste innerhalb kurzer Zeit drei Gewinnwarnungen aussprechen. Die ersten Probleme waren bereits wenige Monate nach der Schuldschein-Emission offenbar geworden, als der kriselnde Emittent Abschreibungen in Höhe von über 845 Millionen Britische Pfund bekanntgeben musste.

Die Folge: Carillion riss seine Convenants und musste seine Bilanzen restrukturieren. Die internen Probleme bei den Briten drückten gewaltig auf den Aktienkurs. Seit Juli 2017 fiel dieser um rund 90 Prozent.

Carillion-Aktienkurs: Vorbote der Pleite

Carillion Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Carillion wollte Talfahrt stoppen

Um die sich abzeichnende Pleite doch noch abzuwenden, hätte Carillion Expertenmeinungen zufolge eine Kapitalerhöhung von rund 500 Millionen Pfund benötigt. Bloomberg zufolge liefen noch am Wochenende Verhandlungen mit der Britischen Regierung über eine Finanzspritze von 300 Millionen Pfund. Diese Summe hätte Carillion weiteren Aufschub gewährt, doch der Deal kam nicht zustande.

Lange galt als zweifelhaft, dass Carillion tatsächlich in die Pleite gehen würde. Das Unternehmen ist an sehr vielen Infrastrukturprojekten beteiligt, die sich aus öffentlichen sowie auch aus privaten Aufträgen zusammensetzten. „Too big to fail“ lautete bis zuletzt die Devise.

Carillion beschäftigt weltweit 43.000 Mitarbeiter, darunter 20.000 im Vereinigten Königreich. Nachdem der Schuldscheinmarkt in den vergangenen Monaten einen Boom erlebt hat, ist die Zerschlagung des Baukonzerns Carillion nur knapp ein Jahr nach der Schuldschein-Emission nun ein harter Warnschuss. Carillion ist derzeit nicht der einzige Krisenfall am Schuldscheinmarkt. Auch der von einem Bilanzskandal erschütterte Möbelkonzern Steinhoff hat Schuldscheine emittiert.
 
andreas.mehring[at]finance-magazin.de