Der Hamburger SV und schuldenfrei: Das ist eine Kombination, die vor einigen Jahren kaum denkbar. Doch mittlerweile ist der einstige Bundesliga-Dino tatsächlich mit einem Nettovermögen unterwegs und finanziell auf eine nachhaltige Größe geschrumpft. Mitverantwortlich dafür ist Arnd Wellbrock, Finanzdirektor des HSV.
HSV-Cheffinanzer Wellbrock im FINANCE-Interview
Mit FINANCE-Redakteur Jakob Eich und Headhunter Paul Taaffe spricht Wellbrock in seinem ersten Interview überhaupt offen über seine Karriere und seine Arbeit beim HSV. Wie kam der Hamburger SV von dem riesigen Schuldenberg runter? Und wie verschlug es Wellbrock aus der niedersächsischen Provinz ins Management des Traditionsklubs? Die Antworten gibt er im Podcast „Future CFO“.
FINANCE: Wie konntet ihr euch in der Zweiten Bundesliga sanieren?
Arnd Wellbrock: Wir kamen von einer hohen Schuldenlast. Unsere Steuerungsgröße ist heute das Nettofinanzvermögen. Wir mussten uns erst daran gewöhnen, nicht mehr über Nettofinanzverbindlichkeiten oder Schulden zu sprechen, sondern über Vermögen. Der zentrale Hebel war die Kostenseite – vor allem bei den Spielerverträgen. Die Anpassung auf Zweitliganiveau war entscheidend. Gleichzeitig haben wir die Organisation leistungsfähig gehalten.
FINANCE: Wie ist bist du in den Bereich Fußballfinanzen gekommen?
Arnd Wellbrock: Eher durch Zufall. Ich habe 2014 den Bilanzbuchhalter gemacht, wollte was Neues. Mit 25 kam ich auf die Idee, mich initiativ beim FC Bayern zu bewerben – und es hat genau gepasst. So bin ich 2015 im Fußball gelandet. Fußball ist emotional – und Finanzen sind rational. Beides zusammenzubringen, ist eine spannende Herausforderung. Und ja: Ich bin auch seit klein auf HSV-Fan.
FINANCE: Wie bilanziert man Spielerwerte?
Arnd Wellbrock: Eigene Talente sind wirtschaftlich oft besonders attraktiv: Die stehen nicht als Anschaffungskosten in den Büchern. Verkaufst du so einen Spieler für 50 Millionen, ist das Ergebnis-Effekt eins zu eins 50 Millionen. Wenn du aber 50 Millionen Ablöse gezahlt hast und ein Jahr später für 50 verkaufst, hast du noch einen Restbuchwert – sagen wir 40 Millionen – und dann sind es eben ,nur‘ 10 Millionen Euro Gewinn.
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Anmerkung der Redaktion: Die Aussagen von Arnd Wellbrock wurden leicht verkürzt und bearbeitet, um die Verständlichkeit zu erhöhen.



