Zuverlässig, aber noch nicht sehr effizient: Der Schuldscheinmarkt bietet bei vielen Schritten noch Potential für eine Digitalisierung.

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14.01.19

Digitaler Schuldschein: Spielwiese für Banken und Fintechs

Der Schuldscheinmarkt zeigt eindrucksvoll, wie Banken und Fintechs darum ringen, einen digitalen Markt in einer frühen Phase zu verteilen. Dabei wird offenbar, wie unterschiedlich die Strategien sein können.

Wenn sich ein Markt für die Digitalisierung eignet, dann der Markt für Schuldscheine. Darüber herrscht weitgehende Einigkeit. Die Anzahl potentieller Emittenten ist übersichtlich, es dürfte sich um eine niedrige dreistellige Zahl handeln. Der Emittent spricht eine etwa ebenso große Anzahl möglicher Investoren für ein weitgehend standardisiertes Finanzierungsinstrument an. Die Koordination der Ansprache wird bislang von einer überschaubaren Zahl an Banken, den sogenannten Arrangern, übernommen.

Die Prozesse sind bei allen Marktspielern eingespielt und funktionieren zuverlässig, doch beim Thema Effizienz ist noch Luft nach oben. Damit ist der Schuldscheinmarkt ein nahezu perfektes Plattform- und Digitalisierungsthema: Plattformen können Nachfrage (Emittenten) und Angebot (Investoren) effizient zusammenführen. Über Schnittstellen angebundene digitale Lösungen können darüber hinaus die Abwicklung deutlich verschlanken.

Die Bandbreite der Strategien

Doch wie soll der digitalisierte Schuldscheinmarkt strukturiert sein? Wer wird ihn organisieren? Sowohl Banken als auch Fintechs verfolgen unterschiedliche Ansätze.


Bei den Fintechs herrschen zwei unterschiedliche Strategien vor: Plattformen wie Firstwire und CredX setzen auf den informierten Emittenten, der den direkten Kontakt zum Investor sucht und mit diesem eigenständig einen Vertrag aushandelt. 


Die Plattform VC Trade setzt auf die Kooperation mit den Banken. Emittenten können Schuldscheine nicht selbst über die Plattform begeben, diese Aufgabe übernimmt immer eine Bank.


Die Banken zeigen sogar vier verschiedene Ansätze: Einige Banken haben sich für die Plattform VC Trade entschieden. Mit der Helaba und der BayernLB waren zwei Platzhirsche im Schuldscheinmarkt Vorreiter, einige kleine Marktspieler – vor allem Auslandsbanken – haben mittlerweile nachgezogen. 


Andere Häuser wie die LBBW und HSBC setzen mit Debtvision und Synd-X auf eigene Schuldscheinplattformen. Mit Finpair ist zudem eine von der NordLB angeschobene Plattform auf dem Markt, die sich als unabhängiges, für Beteiligungen weiterer Banken offenes Fintech positioniert. 


Einige Banken verweigern sich dagegen explizit der Digitalisierung, weil sie sie auf einer digitalen Plattform keine Rolle mehr für sich sehen.

Ein Rennen mit offenem Ausgang

Die Zukunft des digitalen Schuldscheinmarkts ist offen, fest steht allerdings: Ein Nebeneinander zahlreicher Plattformen wird der Markt auf Dauer nicht akzeptieren. Der Schuldscheinmarkt könnte für Banken und Fintechs eine interessante Vorlage werden: Die unterschiedlichen Optionen zur Zusammenarbeit lassen sich in ähnlicher Form auch auf andere Marktsegmente übertragen. 

Dieser Artikel ist Teil der Studie „Liebe auf den dritten Blick: Wie Firmenkunden-Fintechs und Banken zusammenfinden“, die FINANCE gemeinsam mit ING und CMS veröffentlicht. Die Ergebnisse veröffentlichen wir in drei Teilen in unserem Online-Themenspecial Fintechs.

Die Vorgängerstudie „Gegner, Helfer, Partner: Fintechs und das Firmenkundengeschäft der Banken“ können Sie hier beziehen. Ab Ende Januar 2019 finden Sie dort auch die vollständigen Ergebnisse der Studie „Liebe auf den dritten Blick: Wie Firmenkunden-Fintechs und Banken zusammenfinden“.