Die Kooperation des Batteriespezialisten Leclanché mit Eneris wird neu bewertet. Finanziell muss Gesellschafter Fefam einspringen.

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15.09.20

Leclanché erleidet Rückschlag bei Restrukturierung

Der neue Partner Eneris sollte dem Schweizer Unternehmen Leclanché bei der Neuausrichtung auch finanziell unter die Arme greifen. Doch daraus wird nun nichts, der Hauptgesellschafter muss einspringen.

Der auf Energiespeicherlösungen spezialisierte Konzern Leclanché muss bei seiner Restrukturierung einen Rückschlag verkraften: Eine Anfang Juni mit der Eneris Gruppe gegründete Vereinbarung, mit der sich Leclanché im Zuge einer Industriepartnerschaft mit Eneris neu ausrichten wollte, wurde ausgesetzt – und mit ihr auch die finanziellen Absprachen.

Ein Ziel des Abkommens war es, über Joint-Ventures, die mehrheitlich Eneris gehören, Produkte von Leclanché herzustellen. So sollte Leclanché von Investitionskosten entlastet werden. Neben der Gründung zweier Produktions-Joint-Ventures sollte Eneris Leclanché-Technologien gegen eine Gebühr von bis zu 32 Millionen Schweizer Franken lizenzieren. Zudem sollte Eneris dem neuen Partner eine Betriebskapitalfinanzierung von bis zu 42 Millionen Franken zur Verfügung stellen, um den Geschäftsplan bis Juni 2021 vollständig zu finanzieren.

Nun haben sich die Unternehmen entschlossen, die Vereinbarung einschließlich der Technologie-Lizenzvereinbarungen, dem Abkommen über die industrielle Zusammenarbeit und dem Darlehensvertrag „neu zu bewerten“. Das hat direkte finanzielle Folgen: Der Darlehensvertrag über bis zu 42 Millionen Franken ist ebenfalls ausgesetzt. Eine erste 5-Millionen-Tranche ist bereits geflossen. Noch ist unklar, ob diese zurückerstattet werden muss. Es sei derzeit zudem offen, ob Leclanché über diesen oder einen weiteren Darlehensvertrag zusätzliche Finanzmittel von der Eneris Gruppe erhalte, teilten die Schweizer mit. 

Leclanché-Gesellschafter springt erneut ein

In der Not springt nun der Leclanché-Hauptaktionär, eine Gruppe mehrerer Fonds unter dem gemeinsamen Namen Fefam, wieder einmal ein. Fefam gewährt einen Brückenkredit von 34 Millionen Franken, mit dem das Unternehmen sein Betriebskapital decken kann.

Bereits im ersten Halbjahr 2020 hatte Fefam dem Unternehmen mit einem Debt-Equity-Swap unter die Arme gegriffen und zugestimmt, Schulden über 50,9 Millionen Franken in Eigenkapital zu wandeln. Auch weitere Schulden über 10,7 Millionen Franken bei dem Investor Golden Partner will Leclanché in Eigenkapital umwandeln. Im Zuge der Debt-to-Equity-Swaps hat Leclanché eine Kapitalerhöhung unter Ausschluss des Bezugsrechts bestehender Aktionäre angekündigt.

Der Schuldenstand des Unternehmens soll durch die Transaktionen auf etwa 15 Millionen Franken sinken. Fefam hatte bereits Ende 2018 Leclanché-Schulden in Aktienanteile gewandelt und hielt danach 64,3 Prozent der Anteile. Wie genau die Anteilsverhältnisse nach den nun geplanten Transaktionen aussehen werden, teilte Leclanché nicht mit. 

Leclanché schreibt rote Zahlen

Laut Fefam-Präsident Marc Lefebvre hat Fefam in den zurückliegenden Jahren bereits mehr als 240 Millionen Schweizer Franken in Leclanché investiert. Nun suchen die Fonds weitere Unterstützer, um die Entwicklung von Leclanché voranzutreiben. Mit der Neuausrichtung des Unternehmens entstehe nun „ein klarer Investitionsanreiz“ für neue Investoren als Referenzaktionäre, wirbt Lefebvre.

Leclanché befindet sich seit Jahren in der Verlustzone. Im Geschäftsjahr 2019 erzielte das Unternehmen konsolidierte Einnahmen von 16,3 Millionen Franken, gegenüber 48,7 Millionen Franken im Jahr 2018. Der Nettoverlust lag 2019 bei 83,4 Millionen Franken, im Jahr 2018 war bereits ein Verlust von 50,7 Millionen Franken angefallen.

Investoren werden bei dem kriselnden Batteriehersteller weiterhin einen langen Atem brauchen. CEO Anil Srivastava sprach von „Zuversicht“, dass man 2022 bis 2023 ein ausgeglichenes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) und danach „ein nachhaltiges profitables Wachstum“ erreichen könne.

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Eneris: Darlehensinstrument „nicht angemessen“

Leclanché hatte kürzlich angekündigt, sich in die beiden unabhängigen operativen Einheiten eTransport Solutions (Elektrifizierung von Flottenfahrzeugen) und Stationary Storage Solutions (Integration erneuerbarer Energien in das Stromnetz) aufteilen zu wollen. Das Geschäft mit spezialisierten Batteriesystemen sollte verkauft oder in ein Joint Venture mit weiteren Beteiligen überführt werden. Die ersten Feedbacks von Kunden und Marktseite auf diese Strategie waren den Schweizern zufolge positiv.

Wie es mit der Neuausrichtung und der Zusammenarbeit mit Eneris nun im Detail weitergeht, ist offen – gänzlich vom Tisch ist eine Kooperation aber offenbar nicht: „Wir glauben fest an die Zusammenarbeit mit Leclanché zum Aufbau einer fortschrittlichen europäischen Batterieproduktion“, betonte Artur Dela, Präsident der Eneris Gruppe.

Warum die Finanzierungskomponente auf Eis gelegt wurde, führte er nicht näher aus. „Das Darlehensinstrument, das zu einem bestimmten Zeitpunkt des ‚Lock-down‘ gewählt wurde, hat sich als nicht angemessen erwiesen“, heißt es in dem Statement lediglich. Man arbeite jedoch weiter an direkten Investitionen in den Bereichen Industrie, Technologie sowie Forschung und Entwicklung.

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