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Resilienz finanzierbar machen

Unternehmen müssen resilient sein, um für Krisen wie den Ukraine-Krieg gewappnet zu sein. Foto: Eduardo - stock.adobe.com
Unternehmen müssen resilient sein, um für Krisen wie den Ukraine-Krieg gewappnet zu sein. Foto: Eduardo - stock.adobe.com

Transformation ist für Unternehmen kein Prestigeobjekt, sondern eine lebenserhaltende Maßnahme – das haben die vergangenen Monate gezeigt: Zur hartnäckigen Corona-Pandemie mit Zwangsschließungen, Homeoffice-Pflicht und Kurzarbeit kamen vor mehr als einem Jahr branchenübergreifende Lieferengpässe hinzu. Lieferanten stellten auf Tagespreise um, die Beschaffungskosten schossen in die Höhe – Produktionsstaus, stillstehende Bänder und eine steigende Inflation waren die Folge. Bis heute hat sich die Lage nicht beruhigt: Der Sachverständigenrat Wirtschaft erwartet lediglich ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 1,8 Prozent für 2022 – vorausgesetzt, Russland stoppt in den nächsten Monaten seine Gaslieferungen nicht. Die Inflationsrate hingegen steigt weiter an, das ifo-Institut erwartet eine Inflation von bis zu 6 Prozent.

Angeheizt durch den Ukraine-Krieg sind dabei die Energiepreise zu einer großen Belastung für die deutsche Wirtschaft geworden. In einer Blitzumfrage des DIHK haben 78 Prozent der Unternehmen erklärt, von den Auswirkungen des bewaffneten Konflikts betroffen zu sein – 87 Prozent von ihnen spürten die Folgen des Kriegs in Form von höheren Energiekosten. Besonders prekär: Laut DIHK hatten viele Unternehmen Anfang des Jahres noch bei der Energiebeschaffung gezögert – angesichts der Ende 2021 stark gestiegenen Preise hatten sie auf eine Entspannung am Markt gehofft. Nun müssen sie mit noch höheren Preisen umgehen.

Transformationsdruck kommt auch von staatlicher Seite

Unternehmen stehen folglich aktuell unter Druck, sich in Energiefragen widerstandsfähig aufstellen und ihren Bedarf abzusichern. Der staatliche Schutzschirm, den die Regierung im April vorgestellt hat, kann dabei helfen. Allerdings wird der Schutzschirm nicht die gesamte Last von den Betrieben nehmen können. Diese müssen auch mittel- und langfristig planen. Mögliche Ansätze sind hier, sich alternative Bezugsquellen für Energieträger zu erschließen, neue Versorgungsnetzwerke zu knüpfen und die eigenen Prozesse und Technologien energieeffizienter zu gestalten.

Doch nicht nur die aktuelle Situation, sondern auch der gesetzliche Rahmen verlangt von den Unternehmen, umsichtiger mit Energie, Ressourcen und Umwelt umzugehen. So hat sich die Regierung im vergangenen Jahr in ihrem Klimaschutzgesetz das Ziel gesetzt, dass Deutschland bis 2045 klimaneutral werden soll; das Lieferkettengesetz verpflichtet große Unternehmen ab 2023, keine Umweltschädigungen oder Menschenrechtsverletzungen entlang ihrer Lieferketten zuzulassen; und die EU-Taxonomie legt seit Beginn dieses Jahres Standards für ökologisches Wirtschaften fest.

Finanzer sollten resiliente Finanzierungsoptionen überdenken

All das zeigt: Unternehmen müssen die Transformation aktiv angehen und pragmatische Lösungen finden, die sie unabhängiger von einer Ressource oder einem Anbieter machen. Das gilt auch für die Finanzierung. Denn um sich den aktuellen Herausforderungen anzupassen, benötigen die Unternehmen auch kurzfristig liquide Mittel. Finanzer sollten neben den etablierten Finanzierungswegen wie Bankkrediten auch alternative Optionen überdenken. Eine dieser Möglichkeiten sind bonitätsunabhängige, objektbasierte Finanzierungen.

“UNTERNEHMEN MÜSSEN SICH UNABHÄNGIGER VON EINER RESSOURCE ODER EINEM ANBIETER MACHEN.”

Objektbasierte Kredite als alternative Finanzierung

Objektbasierte Kredite (Asset Based Credit) ermöglichen es Unternehmen, harte Assets wie Maschinen, Fuhrparks, Rohstoff- und Warenlager, Sachwerte, Immobilien sowie anderes Anlage- und Umlaufvermögen als Sicherheit einzusetzen. Die Asset-Based-Finanzierung ist eine Möglichkeit für Hersteller, Händler, Dienstleister und Start-ups, kurz- bis mittelfristig Liquidität zu erhalten, beispielsweise für Betriebsmittel, Investitionen oder Neustrukturierungen.

Besonders für industrielle Mittelständler kann dabei die Möglichkeit des Sale-and-Lease-Back attraktiv sein. Dazu verkaufen die Betriebe ihre werthaltigen, mobilen und fungiblen Maschinen-, Anlagen- oder Fuhrparks und mieten sie unmittelbar wieder zurück. So werden umgehend Mittel frei. Dadurch, dass Unternehmen die Assets nahtlos zurückleasen können, können sie diese ununterbrochen weiternutzen. Somit lässt sich ein Wandel vollziehen, ohne die Geschäftsbasis zu stören.

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Carl-Jan von der Goltz ist geschäftsführender Gesellschafter von Maturus Finance, einem Anbieter für objektbasierte Finanzierungslösungen.

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