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Wandel durch Insolvenz?

Eine Krise kann auch eine Chance bedeuten. Warum, erklärt dieser Gastbeitrag. Foto: freshidea - stock.adobe.com

Die Unternehmensinsolvenzen im Oktober 2022 lagen 15 Prozent über dem Wert des Vorjahresmonats, wie das Leibniz Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) in seinem monatlichen Insolvenztrend mitteilte. Im Vergleich zum September sei dies zwar ein Rückgang, dieser stellt laut den IWH-Experten allerdings kein Zeichen der Entspannung dar. Die Wirtschaftsforscher erwarten in den kommenden Monaten weiter steigende Insolvenzzahlen.

Angesichts der fortwährenden ökonomischen Unsicherheiten eine nachvollziehbare Auffassung: Die Konjunktur trübt sich ein, im nächsten Jahr wird eine Rezession erwartet und die Preise für Material, Energie und Löhne steigen. Zudem verringert die Inflation die Kaufkraft und Konsumneigung bei den Konsumenten; auch die Investitionsbereitschaft von Unternehmenskunden sinkt.

Produzierendes Gewerbe und Einzelhandel unter Druck

Gerade das produzierende Gewerbe und insbesondere energieintensive Branchen wie die Baustoff-, Papier-, und Glasherstellung oder die chemische Industrie stehen unter Druck. Exportabhängige Sektoren wie der Maschinenbau leiden unter der zurückhaltenden Auslandsnachfrage. Laut dem Münchner ifo-Institut sind die Erträge der Automobilhersteller im Oktober eingebrochen, auch bei ihren Zulieferern sind Auftragsbestand und Nachfrage weiterhin rückläufig.

Der Einzelhandel ist ebenfalls gefährdet: Laut ifo-Institut berichten fast 46 Prozent der Einzelhändler von weniger Kunden in ihren Läden – bei den Möbelhändlern sind es sogar annähernd 80 Prozent.

Die Insolvenz bedeutet nicht das wirtschaftliche Ende

Die aktuelle Krise erhöht den Transformationsdruck auf Unternehmen. Manche Geschäftsmodelle dürften sich aufgrund der vielen Herausforderungen als nicht mehr rentabel und konkurrenzfähig erweisen. Ein Gang vor das Insolvenzgericht wird sich oftmals nicht vermeiden lassen.

„Das HEUTIGE Insolvenzrecht bietet die Chance, sich dem wandel anzupassen.“

Carl-Jan von der Goltz

Doch das heutige Insolvenzrecht bedeutet nicht das Ende eines Unternehmens. Stattdessen bietet es mit Instrumenten wie dem Schutzschirm oder der Eigenverwaltung ein Chance für Firmen, sich in überschaubarer Zeit an den Wandel anzupassen. Unrentable Verträge können kurzfristig gekündigt oder neu verhandelt werden. Zudem werden die Unternehmen in die Lage versetzt, sich finanziell, strukturell und angebotsseitig zu transformieren.

Das Netzwerk an Partnern und Lieferanten lässt sich neu aufstellen, Verwaltung und Management-Methoden können optimiert werden, die Geschäftsbereiche lassen sich verschlanken, neue Technologien können die Organisation und Effizienz erhöhen. Eine Herausforderung in der Insolvenz bleibt allerdings die Kapitalbeschaffung.

Sale & Lease Back: Finanzierung trotz Zahlungsunfähigkeit

Die gewohnten Bankpartner stehen im Insolvenzverfahren meist nicht als Kapitalgeber zur Verfügung. Sie sind oft Hauptgläubiger und stellen selten zusätzliche Kreditlinien für den Sanierungsfall bereit. Selbst wenn andere Banken zu einer Finanzierung bereit wären, verhindern sowohl die Basel-Regulatorik, Stichwort Risikovermeidung, als auch der Bonitätsfokus der Häuser ein solches Engagement in der Regel. Das Risikomanagement der Banken hat sich durch die unsichere Wirtschaftslage ohnehin verändert, die Geldhäuser agieren mittlerweile vorsichtiger.

Für Transformations-Vorhaben innerhalb der Insolvenz gibt es aber Alternativen. Dazu gehören Modelle der objektbasierten Finanzierung wie Sale & Lease Back oder Asset Based Credit. Zwei zentrale Eigenschaften machen diese Konzepte auch in der Insolvenz nutzbar: Beide Modelle fokussieren sich auf die Vermögensgegenstände eines Unternehmens und sind damit bonitätsunabhängig. Außerdem bieten sie Lösungen innerhalb weniger Wochen – eine für Krisen unverzichtbare Geschwindigkeit.

Maschinenpark als Backup für die Transformation

Sale & Lease Back unterstützt insolvente Unternehmen dabei, Liquidität durch reine Innenfinanzierung zu erhalten. Dazu werden Maschinen-, Anlagen- oder Fuhrparks in einem ersten Schritt an einen Finanzierer verkauft und dann in einem zweiten Schritt unmittelbar zur Weiternutzung zurückgeleast. Der Vorteil für das Unternehmen: Die Produktion wird nicht unterbrochen. Durch das Sale-and-Lease-Back-Verfahren hebt das Unternehmen stille Reserven und erzeugt Liquidität – das frische Kapital kann wiederum für notwendige Anpassungen oder die Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs genutzt werden.

Auch der Finanzierungsansatz Asset Based Credit ist in einer Unternehmenskrise aussichtsreich. Er bietet sowohl Industriebetrieben, Händlern und Dienstleistern als auch Start-ups eine Lösung. Dabei steht im Fokus, das Unternehmen werthaltige und marktgängige Anlage- und Umlaufvermögen zu besichern. Dafür kommen Maschinen, Handels- und Fertigwarenlager, Sachwerte oder Immobilien in Frage. Da der Fokus auf dinglichen Sicherheiten liegt, kann der Spezialkredit in der Insolvenz auch als Massedarlehen fungieren.

Carl-Jan von der Goltz ist geschäftsführender Gesellschafter von Maturus Finance, einem Anbieter für objektbasierte Finanzierungslösungen.