US-Batteriefirma Lyten will Northvolt kaufen
Das US-Unternehmen Lyten will eigenen Angaben zufolge alle verbliebenen Standorte des insolventen schwedischen Batterieherstellers Northvolt übernehmen. Darunter ist auch die im Bau befindliche Fabrik bei Heide in Schleswig-Holstein. Insgesamt umfasst die Akquisition von Lyten Vermögenswerte im Volumen von rund 5 Milliarden Dollar, darunter bestehende Batteriefertigungskapazitäten für 16 Gigawattstunden (GWh), im Bau befindliche Kapazitäten für mehr als 15 GWh, die Infrastruktur und Pläne zur Skalierung auf mehr als 100 GWh sowie das größte und fortschrittlichste Batterie-F&E-Zentrum (Västerås) in Europa.
Lyten plant nach eigenen Angaben, einen erheblichen Teil der zuvor entlassenen Belegschaft in diesen Einrichtungen wieder einzustellen, und wird den Personalbedarf von Standort zu Standort ermitteln. Die schwedische Muttergesellschaft hatte im März Insolvenz angemeldet. Die deutschen Tochtergesellschaften sind bisher stabil geblieben.
Ein Team um die Noerr-Partner Thomas Hoffmann und Volker Land berät zu den aktuellen Übernahmeverhandlungen mit dem US-amerikanischen Investor. Am Bau der Gigafactory mit einer Anfangskapazität von 15 GWh will Lyten weiterhin festgehalten. Erst Anfang Juli hatte das Unternehmen einen Produktionsbetrieb für Batterie-Energiespeichersysteme von Northvolt in Danzig erworben. Die Transaktion der verbliebenen Standorte steht noch unter Vorbehalt der zuständigen Behörden.
H&S Schuhhandelsgesellschaft saniert sich unter Schutzschirm
Die H&S Schuhhandelsgesellschaft in Laufach hat ein Schutzschirmverfahren eingeleitet, um ihre finanzielle Lage zu stabilisieren. Unterstützt wird das Unternehmen von den Kanzleien BCLP und White & Case. Die Geschäftsführung bleibt mit Eike Schmidt und Oliver Hauk im Amt, ergänzt durch Katrin Schröder (BCLP) als Generalhandlungsbevollmächtigte. Nicolai Fischer (White & Case) wurde zum vorläufigen Sachwalter bestellt. Ziel sei es, H&S zukunftsfähig aufzustellen und Arbeitsplätze zu sichern, so die Berater.
Das Unternehmen war durch gestiegene Kosten für Energie, Personal und Miete sowie einen ausbleibenden Aufschwung nach der Corona-Pandemie in die Krise geraten.
Zwei Lizenznehmer von Engel & Völkers sind insolvent
Zwei Lizenznehmer der Marke Engel & Völkers haben Insolvenz beantragt. Bei den Unternehmen handelt es sich um die Engel & Völkers Venture Management, einen Growth-Investor, der Unternehmen jeder Größe von der ersten Idee bis zur internationalen Expansion unterstützt, sowie um die EV Work Edition, einen Betreiber von Coworking-Spaces. Bei letzterer ist Engel & Völkers minderheitsbeteiligt, während erstere ausschließlich die Marke nutzt. Sven Hentschel (White & Case) wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter für beide Unternehmen bestellt.
Übertragene Sanierung bei der Urban Gruppe
Die Urban Gruppe, bekannt für ihre Expertise in der Verarbeitung hochfester Stähle im Defence-Bereich, geriet durch Investitionen und verzögerte Auftragsvergaben in finanzielle Schwierigkeiten. Nun ist sie an eine Schwestergesellschaft der Telemond Holding verkauft worden. Dies sichert den Fortbestand des Standorts Hagen. Die Insolvenzverwalter Jan Janßen und Mike Westkamp (Görg) sowie M&A-Berater Daniel Grube (GO & Company) waren in diesem Prozess tätig. RSM Ebner Stolz beriet die Insolvenzverwaltung der Urban Gruppe.
Mtec-Gruppe geht in die USA
Die Insolvenzverfahren von drei Unternehmen aus der auf Metallchemie spezialisierten Mtec-Gruppe haben einen bedeutenden Fortschritt erzielt. Der Insolvenzverwalter Alexander Fridgen (Baker Tilly) hat in einem Asset Deal den wesentlichen Teil des Geschäftsbetriebs an das Chemie- und Metallunternehmen Opta Group verkauft. Die Opta Group und ihre Tochter Affival übernehmen Kunden- und Lieferbeziehungen sowie einen Teil der Mitarbeitenden am Standort Wesel. Der Gläubigerausschuss stimmte dem Verkauf zu.
Modemarke Closed stellt Insolvenzantrag
Die in Hamburg ansässige Modemarke Closed hat Anfang August einen Insolvenzantrag gestellt. Unterstützt wird sie dabei von Christian Mikolajczak (SJPP). Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Stefan Denkhaus (BRL) ernannt. Closed, bekannt für seine Jeans, beschäftigt 450 Mitarbeiter und erzielte im Geschäftsjahr 2022/23 einen Umsatz von 120 Millionen Euro. Ziel sei der schnelle Einstieg eines Investors im Rahmen eines M&A-Prozesses.
Bildungsinstitut Nestor stellt sich neu auf
Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg hat das Insolvenzverfahren des Bildungsanbieters Nestor Ende Juli aufgehoben. Dank der Sanierung in Eigenverwaltung bleiben 68 von 71 Standorten und mehr als 480 Arbeitsplätze erhalten, teilte das Unternehmen mit. Nestor ist ein Anbieter von Aus- und Fortbildungsleistungen nach dem Ausbildungsförderungsgesetz, wie Arbeitsvermittlung, Profiling, Coaching und Beschäftigungsmaßnahmen, sowie nach dem Aufenthaltsgesetz beziehungsweise der Integrationskursverordnung.
Zuletzt litt das Unternehmen unter ausbleibenden Zahlungen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge. Mit der Sanierung wurde die Kostenstruktur angepasst sowie eine inhaltliche und strategische Neuausrichtung vorgenommen. Die Geschäftsführung wurde von Christoph von Wilcken (Schultze & Braun) beraten, Sachwalter war Sven Kirchner (Münzel & Böhm).
Metallbauer Ambros Schmelzer & Sohn saniert sich
Die Gläubiger des nordbayerischen Metallbauers Ambros Schmelzer & Sohn haben dessen Sanierungskurs zugestimmt. Damit kommt das Unternehmen mit seiner Sanierung voran. Anfang Mai hatte Ambros Schmelzer ein Eigenverwaltungsverfahren beantragt. Unterstützt wird das Unternehmen von dem Sanierer Joachim Walterscheid (Walterscheid Rechtsanwaltsgesellschaft). Als Sachwalter wurde Harald Schwartz (Schwartz Rechtsanwälte) bestellt. Der Geschäftsbetrieb läuft weiter, das Team bleibt vorerst an Bord. Die Geschäftsführer betonen die Bedeutung der Kundenbindung und Mitarbeiterunterstützung.
Hamburger Robotics-Unternehmen in Eigenverwaltung
Die Ek Robotics aus Hamburg, ein Hersteller für fahrerlose Transportsysteme und autonome mobile Roboter, hat ein Eigenverwaltungsverfahren beantragt, um sich nach verlustreichen Großaufträgen finanziell zu sanieren. Das Unternehmen wird von Grub Brugger rechtlich begleitet, Kanzlei-Partner Jochen Sedlitz ist Generalbevollmächtigter der Eigenverwaltung. Stefan Denkhaus (BRL Boege Rohde Luebbehuesen) fungiert als vorläufiger Sachwalter. Wichtige Gläubiger unterstützen den Prozess, der bis Jahresende abgeschlossen sein soll, heißt es in der Mitteilung. Die betriebswirtschaftliche Beratung übernimmt Nexpert.
Kunststoffhersteller Boryszew Oberflächentechnik verkauft
Im Eigenverwaltungsverfahren der Boryszew Oberflächentechnik Deutschland hat der Energieversorger Enertrag das Grundstück in Prenzlau erworben. Die Boryszew-Gesellschaften, die auf beschichtete Kunststoffteile für die Automobilindustrie spezialisiert waren, befanden sich seit April 2024 in einem Verfahren in Eigenverwaltung und mussten ihren Betrieb einstellen, da sich kein Investor fand. Nun werden die Vermögenswerte veräußert. Dieser Verkauf sichere nicht nur den Sozialplan für die Mitarbeiter, sondern auch eine gute Quote für die Gläubiger, so Ingo Thurm (Pluta), der mit Oliver Liersch zuletzt als Sanierungsgeschäftsführer tätig war. Sachwalter ist Silvio Höfer von Anchor. Der Käufer will auf dem Grundstück eine Wasserstoffproduktion mit einer Kapazität von 130 Megawatt etablieren.
Conen geht an Wesemann-Gruppe
Zentrale Teile des seit Februar insolventen Möbelherstellers Conen-Gruppe wurden an die Wesemann-Gruppe verkauft, die für Laboreinrichtungen bekannt ist. Die neu gegründeten Gesellschaften übernehmen den Betrieb in Morbach-Gonzerath und Niesky, wodurch 126 Arbeitsplätze gesichert werden konnten. Als Insolvenzverwalter war Tobias Wahl (Anchor) für die Conen-Gruppe aktiv. Unterstützt wurde das Team von Falkensteg Corporate Finance und Runkel Rechtsanwälte. Die Wesemann-Gruppe plant eine langfristige Weiterentwicklung der Standorte und sieht Potenzial in der Integration der neuen Betriebe.
Autozulieferer Hofer überlebt dank Asset Deal
Der international tätige Automobilzuliefere Hofer war seit Ende April dieses Jahres im Eigenverwaltungsverfahren. Nun konnten wesentliche Teile nach der Zustimmung des Gläubigerausschusses durch einen Asset Deal gerettet werden. Seit Anfang August arbeitet das Unternehmen in neuer Struktur weiter. Alle Projekte und Mitarbeiter wurden übernommen. Die Transaktion umfasst zentrale Technologiefelder wie Batteriesysteme, elektrische Antriebssysteme sowie Elektronik und Software. Unterstützt wurde die Restrukturierung von einem Team um Maximilian Pluta (Pluta) als Generalbevollmächtigte sowie Nora Sickeler (Grub Brugger) als Sachwalterin.
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Esra Laubach ist Redakteurin bei FINANCE und widmet sich schwerpunktmäßig den Themen Transformation, Restrukturierung und Recht. Sie ist Sprach- und Kommunikationswissenschaftlerin. Vor FINANCE war sie rund fünf Jahre als Legal-Journalistin für den Juve Verlag in Köln tätig, wo sie auch ihr journalistisches Volontariat absolvierte. Esra Laubach arbeitete während ihres Studiums multimedial u.a. für das ARD-Morgenmagazin, mehrere Zeitungen und moderierte beim Hochschulradio Kölncampus.
