BMW steigt beim FC Bayern ein

Audi AG / Katrin Ebner

08.03.19
Wirtschaft

BMW steigt beim FC Bayern ein

BMW will für 800 Millionen Euro Audi als Sponsor und Anteilseigner bei Bayern München ablösen. Audi hat allerdings noch bis 2025 Vertrag. Eine knifflige Manager-Personalie könnte den Wechsel beschleunigen.

Der deutsche Fußballrekordmeister Bayern München hat einen großen Millionendeal an Land gezogen. Wie das „Manager-Magazin“ zuerst berichtete, wird der bayerische Autobauer BMW seinen Ingolstädter Wettbewerber Audi beim FC Bayern als Aktionär und Sponsor ablösen. Eine Absichtserklärung dafür sei Edmund Stoiber zufolge bereits Ende vergangenen Jahres unterzeichnet worden. Der ehemalige CSU-Politiker sitzt im Aufsichtsrat des FC Bayern.

FC Bayern und BMW haben ambitionierte China-Pläne

Ein zehnjähriges Sponsoring-Paket, das auch die Basketballmannschaft des FC Bayern umfasst, und die von Audi gehaltenen 8,33 Prozent der FC Bayern München AG sollen BMW insgesamt 800 Millionen Euro wert sein – verschiedenen Medienberichten doppelt so viel, wie Audi bisher bezahlt. Recherchen der FAZ zufolge hat Audi für den Kauf der 8,33 Prozent zwischen 2010 und 2011 zusammen rund 90 Millionen Euro an den FC Bayern überwiesen.

Dies lässt darauf schließen, dass der größere Teil der BMW-Finanzspritze auf das Sponsoring und nicht auf den Anteilskauf entfallen wird. Die genaue Aufteilung ist jedoch noch ebenso unklar wie der geplante Ablauf des Deals: So ist zum Beispiel unbekannt, ob der FC Bayern eine Call-Option auf die Audi-Anteile besitzt, wodurch der Klub dann nach Ausübung der Option die Anteile direkt an BMW weiterreichen könnte. Wäre dies nicht der Fall, dürfte der Kaufpreis von BMW direkt an Audi fließen, gegebenenfalls garniert mit einer Art „Signing Fee“ für den FC Bayern.

Der FC Bayern ist für die Marketing-Strategen der deutschen Autobauer auch wegen seiner China-Strategie interessant. China ist der größte Automarkt der Welt, und der FC Bayern betreibt seit März 2017 eine Niederlassung in Shanghai. In China zählen die Bayern zu bekanntesten Fußballklubs. Auch BMW hat ehrgeizige China-Ambitionen: Der Autobauer bezahlte im Oktober vergangenen Jahres 3,6 Milliarden Euro, um sich 75 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen mit dem chinesischen Brilliance-Konzern zu sichern. Bis 2021 will BMW mehr als 3 Milliarden in China investieren.

Gibt BMW jetzt Einkaufschef Duesmann frei?

Unklar ist noch, zu welchem Zeitpunkt BMW Audi beim FC Bayern ablösen wird. Der Vertrag der Ingolstädter mit dem FC Bayern läuft noch bis Juni 2025. Hinter den Kulissen wird jedoch um einen vorzeitigen Wechsel gerungen. Der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge könnte der BMW-Manager Markus Duesmann dabei eine entscheidende Rolle spielen. Audis Mutterkonzern VW möchte diesen gerne in den eigenen Vorstand holen. BMW will seinen Einkaufsvorstand aus Wettbewerbsgründen allerdings nicht vor Ablauf eines Wettbewerbsverbots freigeben. Stand jetzt ist Duesmanns Wechsel nach Wolfsburg damit bis weit ins Jahr 2020 hinein blockiert. Ein früherer Audi-Ausstieg beim FC Bayern könnte nun Teil eines umfangreicheren Deals werden, der auch die Personalie Duesmann beinhaltet.   

Nicht betroffen von der Situation sind die beiden anderen externen Aktionäre des FC Bayern, Adidas und die Allianz. Beide halten ebenfalls 8,33 Prozent. Als die Allianz 2014 einstieg, wurde der Unternehmenswert von Bayern München auf 1,3 Milliarden Euro geschätzt. Seitdem hat er sich der „Forbes“-Liste zufolge auf 2,6 Milliarden Euro verdoppelt.

Auch die Geschäfte haben sich in diesem Zeitraum gut entwickelt: Zwischen den Geschäftsjahren 2013/14 und 2017/18 kletterte der Umsatz des FC Bayern von 529 auf 657 Millionen Euro, der operative Gewinn (Ebitda) erhöhte sich von 99 auf 136,5 Millionen Euro. Zuletzt erlitt der Aufschwung jedoch einen Dämpfer: 2017/2018 legte der Umsatz des FC Bayern gegenüber Vorjahr nur noch leicht auf 657 Millionen Euro zu. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ging von 149,1 auf 136,5 Millionen Euro.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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