Die Energiewende und die Atom-Rückstellungen bringen Eon (hier der Sitz in Düsseldorf) mächtig unter Druck.

Eon SE

29.07.15
Wirtschaft

Brechen E.on und RWE unter Atom-Rückstellungen zusammen?

Die Atom-Rückstellungen von RWE und E.on liegen schon heute im zweistelligen Milliardenbereich. Ein neues Gutachten nährt die Zweifel, dass die Energiekonzerne diese Verpflichtungen stemmen können. Der Lösungsvorschlag dürfte den CFOs gar nicht gefallen.

Können RWE und E.on ihren Milliardenverpflichtungen für den Rückbau von Atomanlagen nachkommen? Ein Gutachten im Auftrag der Grünen zweifelt daran. In der Studie der Hochschule Ruhr West (HRW), die FINANCE vorliegt, schreiben die Autoren: „Sowohl bei E.on als auch bei RWE ist festzustellen, dass die vorhandene materielle Substanz derzeit höchstens annähernd ausreicht, um die Gesamtheit langfristiger Verpflichtungen decken zu können.“

E.on würde nach Berechnung der Autoren mehr als 76 Jahre, RWE mehr als 35 Jahre benötigen, um aus dem derzeitigen Cashflow die Zahlungsverpflichtungen aus den Atomrückstellungen begleichen zu können.

Atomgutachter: RWE droht negatives Eigenkapital

Eine Finanzierung aus dem Verkauf von Beteiligungen oder Sachanlagen sehen die Gutachter ebenfalls kritisch: „Der Wert der technischen Anlagen und Maschinen sowie der Beteiligungen von E.on und RWE ist in 2014 gegenüber dem Vorjahr zum Teil deutlich gesunken. Es bestehen Risiken, dass sich dieser Trend fortsetzen wird.“

Die Autoren machen folgende Rechnung auf: Müssten RWE und E.on in den kommenden zehn Jahren Abschreibungen vornehmen, die sich in der gleichen Höhe bewegen wie der Durchschnitt der Jahre 2011 bis 2014, wird spätestens im Jahr 2024 der Wert der wesentlichen Vermögenswerte und Beteiligungen der Konzerne nur noch weniger als halb so hoch liegen wie die langfristigen Verpflichtungen. Bei RWE stünden in diesem Szenario einem Vermögen von 19 Milliarden Euro Verbindlichkeiten von 51 Milliarden Euro gegenüber. Mit anderen Worten: Das Eigenkapital droht deutlich negativ zu werden.

Die Konzerne weisen die Kritik mit einer eher formalen Antwort zurück: Die Höhe der Rückstellungen werde regelmäßig von unabhängiger Stelle daraufhin geprüft, dass sie für die anstehenden Aufgaben ausreichend seien, zitiert Reuters Sprecher der beiden Energiekonzerne. Bei E.on summierten sich die Atomrückstellungen zum Ende des Geschäftsjahres 2014 auf rund 19 Milliarden Euro. RWE-CFO Bernhard Günther hat Rückstellungen über 10,4 Milliarden gebildet – und erst kürzlich wieder eine Hybridanleihe begeben, um das Eigenkapital zu stärken.

Ex-E.on-CFO Klaus Schäfer muss mit Rückstellungen kämpfen

Für den früheren E.on-CFO Klaus Schäfer dürften die Zweifel an den Rückstellungen zu einem großen Problem werden: Schäfer ist der neue Chef des E.on-Altgeschäfts, das der Energieversorger bis Ende nächsten Jahres abspalten und unter dem Namen Uniper an die Börse bringen will. Uniper wird zwar netto ohne Finanzschulden starten, soll aber die gesamten Rückstellungen zum Rückbau von Kraftwerken in Höhe von 19 Milliarden Euro mitnehmen – eine schwere Last für Schäfer.

Auch der frischgebackene E.on-CFO Michael Sen wird genau hinschauen, ob Uniper der Politik demonstrieren wird, dass die Erträge hoch genug sind, um den Verpflichtungen nachzukommen: Laut des HRW-Gutachtens können die Düsseldorfer nach derzeitiger Rechtslage bis zu fünf Jahre nach der Abspaltung von Uniper noch zur Finanzierung herangezogen werden.

Ein anderer Deal als der der Atomkonzerne

Der Vorschlag, den die Hochschulprofessoren unterbreiten, dürfte den CFOs gar nicht gefallen: Sie schlagen vor, Vermögenswerte der Konzerne innerhalb der kommenden fünf Jahre in einen öffentlich-rechtlichen Fonds zu übertragen. Damit verlören die Konzerne den Zugriff auf zentrale Assets, die  Autoren denken sowohl an finanzielle Vermögenswerte als auch an Sachwerte wie Kraftwerke, Immobilien und Beteiligungen. Diese Werte sollten genutzt werden, um den Verpflichtungen nachzukommen.

Ihre Verpflichtungen würden die Konzerne in dieser Art Treuhandlösung hingegen nicht los werden. Sie haben ihrerseits der Politik vorgeschlagenen, eine Art Atomfonds zu gründen, der ebenfalls wesentliche Assets übernehmen soll, aber eben auch die gesamten Verpflichtungen, die aus der nuklearen Hinterlassenschaft der deutschen Energiekonzerne entstehen.

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