Daimler muss wegen der „fahrlässigen Verletzung der Aufsichtspflicht“ im Rahmen des Dieselskandals 870 Millionen Euro Bußgeld bezahlen.

Daimler

24.09.19
Wirtschaft

Dieselskandal kostet Daimler 870 Millionen Euro

Der Automobilkonzern Daimler muss wegen des Dieselskandals 870 Millionen Euro Bußgeld bezahlen. An seiner Ergebnisprognose will der Konzern deswegen nicht rütteln.

Auch Daimler wird wegen des Dieselskandals zur Kasse gebeten: Der Stuttgarter Automobilkonzern muss ein Bußgeld in Höhe von 870 Millionen Euro bezahlen. Wie die Staatsanwaltschaft Stuttgart heute mitteilte, verhängt sie die Millionenstrafe gegen den Konzern wegen einer „fahrlässigen Verletzung der Aufsichtspflicht“.

Diese Fahrlässigkeit „in einer mit der Fahrzeugzertifizierung befassten Abteilung“ habe dazu geführt, dass Dieselfahrzeuge behördliche Genehmigungen erteilt bekommen haben, obwohl diese teilweise nicht den regulatorischen Anforderungen mit Blick auf den Stickoxid-Ausstoß entsprachen.

Daimler hat das Bußgeld akzeptiert und verzichtet auf die Einlegung von Rechtsmitteln. Die Zahlung des Betrags muss laut der Staatsanwaltschaft in den nächsten sechs Wochen an das Bundesland Baden-Württemberg erfolgen.

Daimler-Bußgeld besteht aus zwei Komponenten

Das Bußgeld setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: einer Ahndung für die fahrlässige Aufsichtspflichtverletzung und einer Abschöpfung der wirtschaftlichen Vorteile, die Daimler daraus gezogen hat. Der Ahndungsanteil beläuft sich auf 4 Millionen Euro. Der Abschöpfungsanteil macht den Löwenanteil aus und beziffert sich auf 866 Millionen Euro.

Auch die Daimler-Konkurrenten mussten bereits Bußgelder wegen der Verletzung der Aufsichtspflichten bezahlen. Volkswagen musste ein Bußgeld über 1 Milliarde Euro zahlen. Gegen die VW-Tochter Audi wurde eine Strafe in Höhe von 800 Millionen Euro verhängt. Auch Porsche musste rund 500 Millionen Euro zahlen.

Daimler schreibt rote Quartalszahlen

Wie Daimler mitteilte, wird das nun verhängte Bußgeld keine „relevanten zusätzlichen Auswirkungen“ auf das Ergebnis im dritten Quartal haben. Der Konzern hält an seiner Ergebnisprognose fest.

Allerdings mussten die beiden seit Mai amtierenden Vorstandsmitglieder, CEO Ola Källenius und CFO Harald Wilhelm, im Juli für das zweite Quartal des laufenden Geschäftsjahres erstmals seit zehn Jahren ein negatives Konzern-Ebit (Vorsteuerverlust) von 1,6 Milliarden Euro vermelden und die Prognose nach unten korrigieren.

Als Grund für diesen Ergebniseinbruch verweist Daimler unter anderem auch auf eine „Neueinschätzung im Zusammenhang mit laufenden behördlichen und gerichtlichen Verfahren und Maßnahmen betreffend Mercedes-Benz Dieselfahrzeuge in verschiedenen Regionen“, die zu einem Anstieg der erwarteten Aufwendungen um rund 1,6 Milliarden Euro führte.

FINANCE-Köpfe

Harald Wilhelm, Daimler AG

Wilhelm ist von 1992 bis 1993 Manager für M&A bei Daimler-Benz Aerospace. 1995 wird er zum Senior Manager für M&A befördert. Anschließend arbeitet Wilhelm bei DaimlerChrysler-Aerospace, von 1998 bis 2000 als Vice President für M&A. In dieser Funktion leitet er verschiedene Projekte, unter anderem die Verschmelzung der einzelnen Airbus-Bereiche zu einem Unternehmen.

Seit 2000 ist Wilhelm bei der EADS-Sparte Airbus tätig, zunächst als Vice President für Accounting, Tax und Financial Services, ab 2003 dann als Senior Vice President Financial Control. Im Januar 2007 wird Wilhelm zum Chief Controlling Officer und stellvertretenden CFO von Airbus ernannt. Seit Februar 2008 ist er dort CFO und Mitglied des Führungsausschusses. Diese Positionen hat er weiterhin inne, obwohl er im Juni 2012 zusätzlich zu seiner CFO-Tätigkeit bei der Flugzeugsparte auch noch die Aufgaben des Konzern-CFOs übernimmt. Im Mai 2018 kündigt er an, zusammen mit Konzernchef Thomas Enders Airbus im Frühjahr des folgenden Jahres verlassen zu wollen. Im Mai 2019 wird Wilhelm neuer CFO des Autobauers Daimler.

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Die wichtigsten Karriereinformationen zu Daimlers CFO finden Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Harald Wilhelm.