Goldman Sachs hat versucht, die WM-Ergebnisse richtig vorherzusagen. Das ist nicht wirklich gut gelungen.

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26.07.18
Wirtschaft

FINANCE-Resterampe: WM, Cannabis, CFO-Kündigung

WM-Fehlprognosen, Verwirrung um Cannabis-Wertpapiere – und ein Unternehmen, das vergeblich versucht, seinen CFO loszuwerden: die kuriosesten News aus der Finanzwelt der vergangenen Wochen.

Goldman Sachs verliert beim WM-Tippspiel

Predictive Analytics, Machine Learning, Artificial Intelligence: All diese Buzzwords hören Finanzexperten beinahe täglich. Die Banker von Goldman Sachs nutzten die modernen Analyse-Werkzeuge vor der Fußballweltmeisterschaft, um den Weltmeister zu ermitteln. Ein praxisorientiertes Anwendungsbeispiel.

Der digitale Aufwand war immens: 1 Million WM-Spiele simulierten die Goldmänner, 200.000 Muster von Team- und Spielerdaten wurden durch die Maschinen gejagt. Zum Schluss kam heraus: Brasilien besiegt Deutschland im Finale in einer Revanche für die historische 1:7-Niederlage vier Jahre zuvor im eigenen Land.

Am Ende gewann bekanntermaßen Frankreich. Gegen Kroatien. Brasilien unterlag den Belgiern schon im Viertelfinale. Die deutsche Nationalelf verabschiedete sich bereits in der Vorrunde und sucht seitdem nach Sündenböcken. Goldman aktualisierte seine Prognosen während des Turniers zwar mehrfach, lag jedoch immer wieder daneben.

Fairerweise muss man sagen, dass auch andere Banken und Analysten Kroatien nicht als Finalteilnehmer auf dem Zettel hatten. Die Fehlprognose von Goldman Sachs zeigt aber: Maschinen können Menschen bei der Entscheidungsfindung nur unterstützen, sind aber kein Allheilmittel, wie auch die Studienautoren einräumen. Denn die Realität hat immer noch Überraschungen parat, die Computer nicht mit einberechnen können. Und gerade der Fußball ist unberechenbar.

Deutsche Börse verwirrt Cannabis-Aktionäre

Bei den sonst vermutlich entspannten Besitzern von Cannabis-Aktien herrschte in den vergangenen Wochen helle Aufregung. Die Deutsche Börse hatte verkündet, dass ihre Tochter Clearstream den Handel mit Cannabis-Papieren ab dem 28. September einstellt. Grund war, dass die Luxemburger Börsenaufsicht den Handel mit allen Hanf-Aktien als illegal einstufen wollte. Betroffen waren 145 Unternehmen.

Aktionäre dürften beruhigt auf Luxemburgs Legalisierung von medizinischem Cannabis reagiert haben.

Darauf folgte ein wildes Hin und Her: Zunächst kam heraus, dass deutsche inländische  Wertpapiere künftig nicht von der luxemburgischen SA gehalten würden, sondern von der deutschen AG, und von den Restriktionen daher nicht betroffen seien.

Wenige Tage später entschied Luxemburg wiederum, die medizinische Verwendung von Cannabis zu legalisieren. Die Deutsche-Börse-Tochter Clearstream reagierte prompt: Die Aktien von 73 Unternehmen erhielten grünes Licht für den Handel, 51 sind weiter von den Restriktionen betroffen, bei 21 ist noch keine Entscheidung gefallen. Zumindest ein Teil der Inhaber von Cannabis-Aktien dürfte sich nach dieser Meldung erst einmal eine Tüte gedreht haben.

KOB beschäftigt unfreiwillig zwei Finanzchefs

Im rheinlandpfälzischen Wolfstein versucht der medizinische Textilhersteller Karl Otto Braun (KOB) derweil seit Monaten seinen (früheren) Finanzchef Michael Gottschalk loszuwerden. Die Tochter des Heidenheimer Pflegeprodukteherstellers Hartmann hatte seinem CFO im vergangenen September betriebsbedingt gekündigt. Später folgten nochmal zwei fristlose Kündigungen, weil Finanzchef Gottschalk die Entlassung nicht akzeptieren will.

Nun streiten sich die Parteien vor dem Arbeitsgericht in Kaiserslautern. Im April hatte das Gericht die Entlassung Gottschalks verworfen und KOB dazu verpflichtet, den CFO weiter zu beschäftigen, bis die Abfindungsmodalitäten geklärt seien, berichtete die „Rheinpfalz“, die den Fall verfolgt.

Auf eine Abfindung können sich der CFO und KOB aber offenbar nicht einigen: Gottschalk fordert dem Vernehmen nach mehr als 350.000 Euro, KOB will weniger als 200.000 Euro zahlen. Ende Juni scheiterte ein Gütetermin vor dem Arbeitsgericht, wo sich die Anwälte der beiden Parteien Berichten der „Rheinpfalz“ zufolge regelrecht angifteten. Gottschalk hat derweil erneut eine betriebsbedingte Kündigung erhalten.

KOB und CFO Gottschalk streiten sich um die Abfindungsmodalitäten.

Dass KOB mittlerweile seit Juli mit Klaus-Magnus Junginger wieder einen Finanzchef beschäftigt, mutet seltsam an. Es könnte die Verhandlungsposition des Unternehmens sogar schwächen. Immerhin hatte KOB bei der betriebsbedingten Kündigung im September 2017 den Berichten zufolge „unternehmerische Umstrukturierungen“ geltend gemacht, weshalb der Posten des Finanzchefs ersatzlos wegfallen müsste. Jetzt haben die Wolfsteiner sogar zwei CFOs.

Denn Jungingers Vorgänger Gottschalk arbeitet immer noch für KOB, darf das Werkgelände seinem Anwalt zufolge aber nicht betreten. Zu Hause müsse er eine Marktstudie für das erfolgreiche Kanalsanierungssystem Brawoliner erstellen. Vielleicht bringt ihn diese Tätigkeit letztlich doch zum Einlenken.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

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