Produktion von Zylinderkopfdichtungen bei Elring Klinger: Der starke Fokus auf Komponenten für Verbrennungsmotoren setzt den Autozulieferer unter Druck. Auch auf der Finanzierungsseite?

Bern Weissbrod/dpa-picture alliance

17.10.18
Wirtschaft

Finanzierungsgefahr für Elring Klinger?

Wegbrechende Margen und steigende Schulden könnten die Finanzierung von Elring Klinger ins Wanken bringen. Benötigt der Autozulieferer frisches Eigenkapital?

Eine kritische Analyse der Berenberg Bank hat den Druck auf Elring Klinger weiter erhöht. Die Aktie des börsennotierten Autozulieferers gab am gestrigen Dienstag, nachdem die Analyse veröffentlicht wurde, 3 Prozent nach. Schon in den Tagen davor war es zu einer Verkaufswelle gekommen: In den vergangenen fünf Handelstagen verlor die Aktie – von 9,40 Euro aus startend – damit fast 15 Prozent an Wert.
 
„Das Verbrennen von Cash erreicht ein kritisches Level“, warnt Berenberg und verweist auf die Entwicklung des Free Cashflows. In den zurückliegenden vier Geschäftsjahren belief sich der Free Cashflow von Elring Klinger kumuliert auf minus 160 Millionen Euro, und eine Besserung scheint nicht in Sicht zu sein: Berenberg prognostiziert für dieses und die nächsten drei Jahre Cash-Abflüsse in Höhe von weiteren 160 Millionen Euro.

Nach Aussage von Elring-Klinger-Chef Stefan Wolf „resultiert der negative operative Free Cashflow auch aus der Ausweitung unserer globalen Aufstellung in den letzten Jahren. Diesen notwendigen Investitionszyklus haben wir nun durchschritten und sehen uns für die Herausforderungen und Chancen des Transformationsprozesses gut positioniert“, sagte Wolf auf Anfrage von FINANCE.

Jahres-Chart der Elring-Klinger-Aktie: Klarer Abwärtstrend

Scharfer Margenrückgang bei Elring Klinger

Elring Klinger hat zwei Grundprobleme: auf der einen Seite hartnäckige Kostenprobleme, auf der anderen die hohe Abhängigkeit vom Verbrennungsmotor. 70 Prozent der Umsätze erwirtschaften die Schwaben mit Produkten, die ausschließlich in Benzin- und Dieselmotoren eingesetzt werden können, schätzt die Berenberg Bank. Dazu gehören etwa Zylinderkopfdichtungen und Hitzeschilde. Der für die Zukunft erwartete Absatzrückgang bei Verbrennungsmotoren dürfte die Margen von Elring Klinger „strukturell unter Druck setzen“.

Elring-Klinger-Chef Wolf weist diese Sichtweise gegenüber FINANCE zurück: „Elring Klinger befindet sich in einer ausgeprägten Wachstumsphase. Unsere klassischen Produkte werden sehr stark nachgefragt, während wir uns gleichzeitig mit unseren Batteriekomponenten und Brennstoffzellensystemen erfolgreich für die Märkte der Zukunft positioniert haben.“

„Die Bilanz ist in kritischem Maße schwach.“

Analyse der Berenberg Bank zu Elring Klinger

Dennoch scheinen die Zeiten vorbei zu sein, in denen Elring Klinger deutlich zweistellige Gewinnmargen vor Zinsen und Steuern (Ebit) erwirtschaftete. In den vergangenen drei Jahren fiel die Ebit-Marge spürbar ab und erreichte 2017 nur noch 8,5 Prozent. Für das laufende Geschäftsjahr steht ein weiterer Rückgang auf 6 bis 7 Prozent bevor. 

Leverage von Elring Klinger wächst weiter an

Dies könnte CFO Thomas Jessulat – seit Januar 2016 im Amt – in eine schwierige Position bringen. Denn schon jetzt ist Elring Klinger netto mit über 650 Millionen Euro verschuldet, Tendenz steigend. Bis zum Jahr 2020 rechnet Berenberg mit einem Anstieg auf 773 Millionen Euro, während der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) bis dahin auf dem für dieses Jahr geplanten Niveau von rund 210 Millionen Euro stagnieren dürfte. Damit läge das Ebitda rund 10 Prozent niedriger als 2016 und 2017. 

Die logische Folge wäre ein steigender Leverage (Nettoverschuldung/Ebitda). Berenberg prognostiziert für das Jahr 2020 ein Verhältnis von 3,7x Ebitda, Ende 2017 stand dieser Wert noch bei 2,7x Ebitda. „Die Bilanz ist in kritischem Maße schwach“, glauben die Analysten, weshalb die  Refinanzierung „zunehmend herausfordernd“ werden könnte: „Wir befürchten, dass das Unternehmen schon in der nahen Zukunft eine Kapitalerhöhung benötigen könnte.“

Konsequenz: Berenberg hat das Kursziel der Elring-Klinger-Aktie von 12,50 auf 6,50 Euro gesenkt. Das wären nochmal rund 20 Prozent weniger als die Aktie aktuell wert ist. Größter Aktionär des Automobilzulieferers, der mehr als 1,6 Milliarden Euro umsetzt, ist die Unternehmerfamilie Lechler. Sie hält 52 Prozent. 

FINANCE-Köpfe

Thomas Jessulat, ElringKlinger AG

Seine berufliche Laufbahn startet Thomas Jessulat 1995 bei Daimler-Benz Aerospace. Drei Jahre später geht er in die USA. Als Programm Manager ist er für DaimlerChrysler MTU Aero Engines in Cincinnati tätig. 2002 kommt der studierte Maschinenbauer zurück nach Deutschland und wechselt zu dem Flugzeughersteller Fairchild Dornier nach München. Dort arbeitet Jessulat zunächst als Finance Manager Aircraft Programs, später als kaufmännischer Leiter.

Beim Automobilzulieferer ElringKlinger steigt Jessulat 2005 als Leiter im Bereich Beteiligungen ein. Ab 2012 leitet er den Bereich Finanzen und Beteiligungen. Im Januar 2016 wird Jessulat zum Finanzvorstand berufen. ElringKlinger erweitert damit den Vorstand um ein eigenständiges Finanzressort.

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Elring-Klinger-Chef Wolf weist Spekulationen zurück

Elring-Klinger-Chef Wolf versucht, die Spekulationen um eine Kapitalerhöhung einzudämmen: „Das vergleichsweise hohe Net Debt zu Ebitda ist in erster Linie eine Folge der schwächeren Ergebnisentwicklung. Sobald die ergebnissteigernden Maßnahmen ihre volle Wirkung zeigen, wird sich auch dieses Verhältnis wieder erkennbar verbessern. Daher ist für uns eine Kapitalerhöhung kein Thema.“

Der seit zwölf Jahren an der Spitze des Unternehmens stehende Manager stellt in Aussicht, dass sich nicht nur das Verhältnis von Schulden zu Ertrag verringern wird, sondern auch die Verschuldung selbst.

FINANCE-Köpfe

Dr. Stefan Wolf, ElringKlinger AG

Nach seiner Promotion arbeitet Wolf zunächst als Rechtsanwalt in der Kanzlei Thümmel, Schütze & Partner. 1997 tritt er als Syndikusanwalt dem Automobilzulieferer Elring Klinger bei und ist bis 2004 Bereichsleiter für Recht und Personal.

Den durch juristische Verschmelzung realisierten Börsengang im Jahr 2000 übernimmt Wolf gleich selbst und wird Leiter Investor Relations. 2004 erhält er die Generalvollmacht des Vorstands und wird 2005 in den Vorstand berufen und zugleich dessen Sprecher. Seit 2006 ist Wolf Vorstandsvorsitzender und verantwortete dabei bis 2016 unter anderem auch den Finanzbereich. Bis Mai 2018 war Wolf außerdem Aufsichtsratschef der Norma Group, wurde von der Hauptversammlung aber nicht mehr wiedergewählt.

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Wolf: „Die Verschuldungssituation beobachten wir sehr sorgfältig und genau. Mit den Umsätzen der bestehenden und der anlaufenden Projekte sind wir gut gerüstet, um unser Ergebnis wieder zu steigern, den Cashflow zu verbessern und die Verschuldung schrittweise zurückzuführen.“

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Bei Elring Klinger könnte es bald auf den CFO ankommen. Erfahren Sie mehr über ihn im FINANCE-Köpfe-Profil von Thomas Jessulat.