Bayer muss im Milliardenstreit um Schadensersatzforderungen im Zusammenhang mit Glyphosat weiter bangen.

Bayer AG

27.05.21
Wirtschaft

US-Rückschlag nährt M&A-Gerüchte um Bayer

Bayer hat die Vergleichsgespräche in den milliardenschweren Glyphosatprozessen abgebrochen und will jetzt den langen juristischen Weg gehen. Schon schießen neue Hedgefonds- und M&A-Gerüchte hoch.

Eigentlich sollte es für Bayer der Befreiungsschlag im Milliardenstreit mit geschädigten US-amerikanischen Glyphosatnutzern werden. Doch nachdem der zuständige Bundesrichter in San Francisco einen wesentlichen Teil der Vereinbarung mit den Klägeranwälten nicht akzeptieren wollte, steigt Bayer jetzt aus dem Einigungsverfahren rund um die Glyphosatprozesse der US-Tochter Monsanto aus. Knackpunkt war der Umgang mit zukünftigen Klagen, vor denen sich Bayer mit Hilfe eines 2 Milliarden Dollar schweren Finanztopfes abschirmen wollte. Der Richter sah dieses Vorhaben jedoch kritisch.

Als Reaktion präsentierte Bayer heute einen Fünf-Punkte-Plan zum Umgang mit künftigen Glyphosat-Klagen, der unter anderem Warnhinweise auf Etiketten und den Rückzug aus dem US-Konsumentengeschäft mit Glyphosatprodukten vorsieht, aber auch einen langen juristischen Marsch bis vor den Supreme Court, den obersten Gerichtshof der USA. Dieser wird sich aber wohl nicht vor Mitte nächsten Jahres mit dem Glyphosatthema auseinandersetzen.

Bayer gibt an, dass dieser Weg für den Konzern attraktiver sei als die abermalige Überarbeitung des Glyphosatvergleichs entlang der von dem Richter vorgeschlagenen Leitlinien. Mit rund 96.000 der mehr als 125.000 Kläger habe Bayer den Streit bereits beigelegt oder sei gerade dabei, teilte der Dax-Konzern mit. Die für künftige Glyphosatklagen gebildeten Rückstellungen in Höhe von 2 Milliarden Dollar bleiben auch nach der heutigen Wendung unverändert. Insgesamt hat Bayer für das Glyphosatrisiko einen Betrag von rund 11 Milliarden Dollar zur Seite gelegt.

Bayer-Aktie verliert

Die Anleger schickten die Bayer-Aktie nach Bekanntwerden der Entscheidung am heutigen Donnerstagmorgen zunächst um rund 4,5 Prozent nach unten. Dort blieb sie auch bis zum späten Nachmittag. Mit einer Marktkapitalisierung von nur noch 52 Milliarden Euro ist der Konzern inzwischen weniger wert als Bayer bei der Übernahme im Juni 2018 für Monsanto bezahlt hatte. Damals legten die Leverkusener umgerechnet 64 Milliarden Euro auf den Tisch. Seit der Übernahme hat die Bayer-Aktie rund die Hälfte ihres Werts verloren. Der Börsenaufschwung der vergangenen Jahre ging an dem Papier komplett vorbei.

Bayer gehört inzwischen zu den mit Abstand am niedrigsten bewerteten Pharmakonzernen. Auch im Vergleich mit anderen Agrarkonzernen weist Bayer eine große Bewertungslücke auf. Investoren klagen nicht nur über die ungelösten Klagerisiken, sondern auch darüber, dass die Glyphosatprozesse das Management und den Konzern zu sehr in Anspruch nähmen und die Weiterentwicklung anderer Bereiche wie etwa Pharma darunter leide.

Hohe Schulden, aber stabiles Rating

Einige Aktionäre forderten in der Vergangenheit bereits eine Aufteilung des Konzerns. Umgehend nach dem Rückzug aus dem Glyphosatvergleich kamen heute nun neue Gerüchte auf, dass Hedgefonds den niedrigen Kurs und die angeschlagene Position von Konzernchef Werner Baumann nun nutzen könnten, um ihre Vorstellungen von der Aufspaltung des Konzerns zu forcieren. Baumann hält an der integrierten Struktur als „Life Science“-Konzern aber unverändert fest.

Der Konzern ist netto mit 33,9 Milliarden Euro verschuldet. Hinzu kommen Rückstellungen, unter anderem für Rechtsfälle und Pensionen, in Höhe von rund 20 Milliarden Euro. Das Kredit-Rating liebt bei allen drei Agenturen im BBB-Bereich, teils mit stabilem, teils mit negativem Ausblick. Der operative Gewinn (Ebitda) des laufenden Jahres wird auf 11 bis 12 Milliarden Euro geschätzt.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de