Wirecard

31.01.19
Wirtschaft

Wirecard muss erneut mit Betrugsvorwürfen kämpfen

Nach einem kritischen Medienbericht samt Betrugsvorwürfen erholt sich Aktie des Zahlungsdienstleisters Wirecard nur langsam von dem starken Einbruch. Wieder einmal tritt die Bafin auf den Plan.

Achterbahnfahrt beim Zahlungsabwickler Wirecard: Nachdem die Aktie am späten gestrigen Mittwoch um bis zu 25 Prozent eingebrochen war, hat sie sich im Laufe des heutigen Tages leicht erholt. Mit 150 Euro ist der Kurs aber immer noch deutlich unter dem gestrigen Top-Wert von 163 Euro.

Der Grund für die Talfahrt: Wirecard muss sich zum wiederholten Male mit Betrugsvorwürfen auseinandersetzen. Auslöser war ein Bericht der britischen „Financial Times“. Demnach soll ein leitender Angestellter des Konzerns in Singapur mehrere verdächtige Transaktionen verschleiert haben. Die Zeitung bezieht sich dabei auf eine interne Präsentation des Dax-Konzerns aus dem vergangenen Mai, die an das Top-Management gerichtet war. Darin sei von möglichen Verstöße gegen Singapurer Recht die Rede, darunter auch Fälschung von Konten, Verträgen und Geldwäsche.

Der Manager, der für das Rechnungswesen im gesamten asiatisch-pazifischen Raum verantwortlich sei, arbeite dem Bericht zufolge weiterhin bei Wirecard. Zugespielt wurden der FT die Dokumente von einem Informanten, der den Angaben zufolge Angst habe, dass der Aschheimer Zahlungsabwickler nichts gegen die möglicherweise kriminellen Handlungen unternehmen werde.

Wirecard: Bericht ist „falsch“ und „diffamierend“

Eine Konzernsprecherin bezeichnete den Zeitungsbericht gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters als „falsch, ungenau, irreführend und diffamierend”. Er entbehre jeder Substanz, so das harte Dementi. Dennoch geriet der Aktienkurs stark unter Druck. Der Imageschaden ist da – auch wenn sich der Kurs dieses Mal schneller zu erholen scheint als bei früheren Vorwürfen.

Wirecard ist in den vergangenen Jahren wiederholt Ziel von Shortsellers-Attacken und Betrugsvorwürfen geworden. Nachgewiesen wurde jedoch bisher nie etwas. Erst vor gut einem Jahr warf das Research-Haus „Southern Investigative Reporting Foundation“ Wirecard vor, dass Teile einer Kaufsumme einer Indien-Übernahme nicht beim Verkäufer eingegangen seien. Auch diese Anschuldigungen, die der Konzern sofort bestritt, drückten den Aktienkurs.

Wirecard-Aktie erholt sich nach Kurssturz langsam

Zatarra-Attacke war wohl Marktmanipulation

Der bislang spektakulärste Fall liegt drei Jahre zurück: Das bis dato unbekannte Research-Haus Zatarra erhob Anfang 2016 schwere, und bis heute unbestätigten Vorwürfe. Geldwäsche, illegales Glücksspiel und Betrug lauteten die Anschuldigungen. Innerhalb weniger Minuten verlor der damalige TecDax-Konzern 1,3 Milliarden Euro an Börsenwert – die Aktie brauchte mehrere Monate, um sich von der Attacke zu erholen.

Inzwischen stuft die Staatsanwaltschaft München die Betrugsvorwürfe von Zatarra als Marktmanipulation ein. Die Behörde habe einen Strafbefehl gegen den Herausgeber des Reports über Wirecard beantragt, hieß es im Dezember. Auch der aktuelle Fall rief bereits die Finanzaufsicht Bafin auf den Plan. Die Behörde untersuche, ob es sich dabei um eine mögliche Marktmanipulation gehandelt haben könnte, sagte eine Bafin-Sprecherin gegenüber Reuters.

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