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Structured Finance
03.07.17

Creditshelf-CEO Thabe: „Unser Fintech ist günstiger als Factoring“

Das 2014 gegründete Fintech Creditshelf will über seine Plattform in diesem Jahr schon Working-Capital-Finanzierungen über 100 Millionen Euro an Mittelständler ausreichen. Trotz Zinskosten zwischen 7 und 10 Prozent hält Creditshelf-Gründer Tim Thabe das Modell des Online-Kreditmarktplatzes für attraktiv: „Die Finanzierungen über die Plattform sind für CFOs günstiger und einfacher zu handhaben als Factoring oder Lieferantenkredite“, sagte er im Interview mit FINANCE-TV. Wie Creditshelf funktioniert, woher das Geld kommt, und ob er seine Ziele für 2017 erreichen wird – der FINANCE-TV-Talk mit Gründer und Ex-Investmentbanker Tim Thabe.

Online-Kreditmarktplätze: Der neue heiße Trend am Finanzierungsmarkt?

Weil die Banken sich tendenziell aus kleinteiligem Kreditgeschäft zurückziehen, das  hohe Anforderungen an die Eigenkapitalunterlegung stellt, wittern Online-Plattformen ihre Chance, in die Mittelstandsfinanzierung einzusteigen. Manche – wie etwa Firstwire – zielen mit ihren Lösungen auf Langfristfinanzierungen, andere wie das 2014 von zwei Ex-UBS-Bankern und anderen Finanzexperten gegründete Start-up Creditshelf auf den Kurzfristbereich.

Creditshelf hat eine Plattform aufgebaut, über die sich Mittelständler mit einer Bonität im Single-B-Bereich Working-Capital-Linien von 100.000 bis 2,5 Millionen Euro besorgen können. Als Kreditgeber können sich Investoren registrieren. Creditshelf setzt dabei auf Family Offices, Finanzinvestoren und sogar auf liquiditätsstarke Industriekonzerne, deren Treasurer vor der Herausforderung stehen, kurzfristig Gelder anlegen zu müssen, ohne dafür Negativzinsen hinzunehmen. Die Laufzeit der Finanzierungen über Creditshelf soll 36 Monate nicht übersteigen, die Kreditmargen beziffert Creditshelf auf 7 bis 12 Prozent.

In diesem Jahr peilt das Start-up an, Finanzierungen mit einem Volumen von 100 Millionen Euro abzuwickeln. Dies wäre nur ein mikroskopisch kleiner Teil des maßgeblichen deutschen Firmenkreditmarkts, dessen Größe Creditshelf mit 110 Milliarden Euro beziffert. Für Online-Plattformen sieht Creditshelf langfristig das Potential, sich im Idealfall ein Viertel dieses Marktes zu sichern.

Der Optimismus stützt sich auch auf eine Vorhersage des Analysehauses Liberum: Demnach könnte sich der europäische Online-Kreditvergabemarkt von 2017 bis 2025 verfünfzigfachen. Allerdings wird für dieses Jahr lediglich ein Marktvolumen von 5 Milliarden Euro erwartet. 90 Milliarden Euro des langfristigen Marktpotentials sollen auf die Mittelstandsfinanzierung entfallen. Das nötige Kapital für das Creditshelf-Geschäft soll ausschließlich von Großinvestoren kommen: „Wholesale-Funding durch Banken und große Institutionelle ist die Zukunft der Kreditmarktplätze“, erklärte Creditshelf-Gründer Tim Thabe gegenüber FINANCE-TV. Das gesamte Interview sehen sie hier.

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Nach den B2C-Fintechs im Banking- und Anlagebereich stehen nun auch die B2B-Fintechs für Banken und Firmenkunden vor dem Durchbruch, zeigt sich der Banker Jörg Diewald von Targo Commercial Finance überzeugt: „Die B2B-Fintechwelle rollt“, sagte Diewald gegenüber FINANCE-TV. Warum er Fintechs wie CRX Markets den großen Durchbruch vorhersagt und warum der Siegeszug der Fintechs das Hausbankenprinzip aushöhlen wird – die aktuelle Sendung von FINANCE-TV.

Fintechs können Banken als Kooperationspartner mit neuen Technologien versorgen. Sie können aber in bestimmten Bereichen auch Wettbewerber sein und den Banken mit eigenen Angeboten die Kunden streitig machen. Im Umgang mit den neuen Herausforderungen setzt die Großbank ING weniger auf Beteiligungen an Start-ups, sondern auf Kooperationen. Dies erlaube es besser, die Vorteile eines Fintechs zu bewahren, glaubt Andreas Becker, Leiter Kunden & Produkte bei der ING: „Ein Kauf kann den Geist des Fintechs zerstören“, sagte er gegenüber FINANCE-TV.

 

Wo seiner Meinung nach die Stärken und Schwächen der Fintechs liegen und in welchen Bereichen des Firmenkundengeschäfts sich besonders viele Fintechs tummeln, verrät Becker im Talk bei FINANCE-TV.

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Von der App bis zum online abschließbaren Produkt: Mittelständler sind gegenüber digitalen Angeboten ihrer Banken offener als gemeinhin angenommen, beobachtet Marc Jochims, Executive Partner bei der auf Finanzdienstleister spezialisierten Unternehmensberatung Kampmann, Berg & Partner. „Viele Firmenkunden würden Unterlagen gern noch stärker online austauschen, dort liegen auch Chancen für neue Bankenservices“, sagt er. Worin sich die Bedürfnisse der Mittelständler von denen der großen Firmenkunden unterscheiden und in welchen Fällen nach wie vor der persönliche Kontakt zum Bankberater gefragt bleibt, sehen Sie hier im heutigen Talk bei FINANCE-TV.