Geld & Liquidität
26.10.16

2015er-Verlust holt Airline ein

Air Berlin muss Kredit refinanzieren

Von Desirée Backhaus

Air Berlin steht mit dem Rücken zur Wand: Die Airline verbrennt Cash, die geplante Zerschlagung stockt und der schwierige Winter steht bevor. Jetzt wird auch noch ein Kredit fällig.

Air Berlin

Air Berlin hat viele Baustellen. Für den neuen CFO Dimitri Courtelis kommt jetzt noch eine hinzu.

Eine Finanzverbindlichkeit bringt Air Berlin in Bedrängnis. Anfang kommenden Jahres muss die hochverschuldete Fluggesellschaft einen Teil ihrer Kredite zurückzahlen, mit denen sie die Löcher des Geschäftsjahres 2015 stopfte. Mit den Darlehen hatte sich die Airline erst vor wenigen Monaten Zeit gekauft – nicht genug, wie sich jetzt zeigt: Mindestens 75 Millionen Euro dieser Mittel werden im April fällig. Eine Anfrage von FINANCE, wie man den Kredit refinanzieren wolle, ließ Air Berlin zunächst unbeantwortet.

Medienberichte: Air Berlin braucht halbe Milliarde für den Winter

Es dürfte der Airline schwerfallen, das Geld aus dem Cash zurückzuzahlen: Zwar verfügten die Berliner zum Halbjahr über liquide Mittel von 398 Millionen Euro. Allerdings kalkulieren Insider den Liquiditätsbedarf der Airline für die kommenden Monate auf eine halbe Milliarde Euro, wie das Handelsblatt kürzlich berichtete. Air Berlin verbrenne weiterhin viel Geld im operativen Geschäft, zudem hielten sich Kunden mit Buchungen zurück, so das Blatt. Im Winter verdienen Fluggesellschaften üblicherweise ohnehin weniger Geld.

Das erhöht den Druck, denn bereits im ersten Halbjahr war die Performance schlecht: Zum 30. Juni stand ein Verlust von 271,5 Millionen Euro zu Buche – bei einem negativen Eigenkapital von fast 1 Milliarde Euro  und Nettoschulden, die mit 927 Millionen Euro ebenfalls nur knapp unter der Milliardengrenze liegen.

Kredite zur Verlustdeckung laufen aus

Die Lage ist damit noch verzwickter als im abgelaufenen Geschäftsjahr. Damals schrieb Air Berlin 447 Millionen Euro Verlust. Weil die Airline dieses Minus nicht aus dem operativen Geschäft abfangen konnte, sicherte der damalige CFO Arnd Schwierholz  Darlehen über insgesamt 325 Millionen Euro. Angesichts der kurzen Laufzeiten – ein bis zwei Jahre –hatten sie von Anfang an einen klaren Überbrückungscharakter.

Die 75 Millionen, die im April fällig werden, hatte die National Bank of Abu Dhabi im Rahmen eines revolvierendes Darlehens zur Verfügung gestellt. Gesichert wird der Kredit durch Großaktionär Etihad Airways, der 29,1 Prozent der Anteile an Air Berlin halt.

Die staatliche arabische Airline steht – entweder direkt oder als Garant – hinter sämtlichen Mitteln, die Air Berlin Anfang diesen Jahres zur Verlustdeckung aufnahm: Dazu gehört auch ein Kredit der Abu Dhabi Commercial Bank über 726 Millionen Dirham (umgerechnet 180 Millionen Euro), der im April 2018 fällig wird. Im Januar gewährte Etihad zudem selbst ein Darlehen über 75 Millionen Euro. Welche Laufzeit dieser Kredit hat, ließ Air Berlin offen.

Hilft Etihad erneut mit einer Finanzspritze?

Mit ihren regelmäßigen Geldspritzen haben sich die Araber in eine diffizile Lage gebracht, da sie anderen Finanzierungspartnern die Möglichkeit gegeben haben, ihr Engagement zu beenden. Über diverse Finanzierungsinstrumente haben die Scheichs insgesamt 1 Milliarde Euro bei den Berlinern im Feuer, wie FINANCE berechnete.

Verweigern sie Air Berlin die nächste Finanzspritze, droht das Aus und den Arabern damit der Verlust ihrer Investments. Stocken sie ihr Engagement aber noch weiter auf, droht Air Berlin früher oder später deutsche Verkehrsrechte zu verlieren, wenn unbestreitbar ist, dass ein ausländische Investor das Unternehmen dominiert. Selbst ein neuer, einfacher Shareholder-Loan dürfte deshalb schwierig werden, schreibt das Handelsblatt.

Alle Hoffnung ruht daher auf der Zerschlagung der Berliner: Das Management um CEO Stefan Pichler und den neuen CFO Dimitri Courtelis will durch den geplanten Verleih von 40 Flugzeugen mitsamt Crew an die Lufthansa-Billigtochter Eurowings Entlastung schaffen. Zudem laufen Verhandlungen über eine Kooperation mit Tuifly. Doch just diese harsche Restrukturierung hat die Position jener gestärkt, die der Ansicht sind, dass Air Berlin de facto längst vom Golf aus gesteuert wird. Das Auslaufen der Überbrückungskredite könnte die Schwierigkeiten von Air Berlin daher noch einmal deutlich vergrößern.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

Schwer angeschlagen und am Tropf von Großaktionär Etihad: Alles Wichtige zur Krise von Deutschlands zweitgrößter Airline finden Sie auf der FINANCE-Themenseite Air Berlin.