Geld & Liquidität
18.01.16

Prime Capital setzt Singulus unter Druck

Singulus: Hedgefonds will mehr Geld

Von Philipp Habdank

Der Hedgefonds Prime Capital fordert beim geplanten Hair-Cut der Singulus-Anleihe mehr Geld für die Bondholder. Für CFO Markus Ehret kommt es am 15. Februar zum großen Showdown.

Gegenwind für Singulus bei der Bond-Restrukturierung: Der Hedgefonds Prime Capital fordert deutlich mehr Geld.

Singulus

Singulus bekommt auf der Zielgeraden seiner Bond-Restrukturierung noch einmal Gegenwind: Der Hedgefonds Prime Capital fordert deutlich mehr Geld und könnte bei der Gläubigerversammlung in einem Monat zum Zünglein an der Wage werden.

Der Maschinenbauer Singulus um CFO Markus Ehret muss bei dem geplanten Debt-to-Equity-Swap unter Umständen nochmal nachbessern, um den überlebenswichtigen Deal über die Ziellinie zu bringen. Grund: Der Hedge-Fonds Prime Capital fordert mit der Unterstützung des gemeinsamen Gläubigervertreters One Square Advisory mehr Geld für die Bondholder.

Zwar unterstützt der Fonds den Debt-to-Equity-Swap und den geplanten Tausch in eine 12 Millionen Euro schwere neue Anleihe, jedoch fordert er anstatt der von Ehret angebotenen 3 Prozent Zinsen pro Jahr eine deutlich höhere Staffelung: Das erste Jahr startet mit 3 Prozent. Für das zweite Jahr fordert Prime Capital aber schon 6 Prozent und mit jedem Folgejahr 1 Prozent mehr – im fünften sogar einen Aufschlag von 2 Prozent, sodass am Ende der fünfjährigen Laufzeit ein 10-Prozent-Kupon stünde. Bei einem Anleihevolumen von 12 Millionen Euro ergäbe sich für Singulus dadurch – im Vergleich zu Ehrets Angebot – ein zusätzlicher Zinsaufwand von rund 2,3 Millionen Euro.

Prime Capital wird bei Singulus zum Zünglein an der Waage

Dies wäre eine mehr als doppelt so hohe Zinslast wie geplant. Für Singulus wäre das bitter. Die höhere Verzinsung könnte jedoch weitere Bondholder zur Gläubigerversammlung locken. Die heutige Gläubigerversammlung war laut Singulus nicht beschlussfähig, da die notwendige Präsenzquote von 50 Prozent nicht erreicht wurde. Das liegt unter anderem daran, dass sich Prime Capital laut eines Unternehmenssprechers nicht registriert hat. Der Fonds hält schon länger Anteile der Anleihe und stockte seine Position erst unlängst mit Hilfe der Wertpapierbank Schnigge weiter auf.

Der Singulus-Sprecher geht deshalb davon aus, dass Prime Capital inzwischen mehr als 5 Prozent hält. Bei der zweiten Gläubigerversammlung am 15. Februar könnte Prime Capital dann zum Zünglein an der Wage werden. Um beschlussfähig zu sein, reicht Singulus dann die Anwesenheit von 25 Prozent des Anleihevolumens aus. Aber davon müssen auch 75 Prozent einen der verschiedenen Lösungsvorschläge durchwinken, damit Singulus unter seiner Schuldenlast nicht zusammenbricht. Ohne die Zustimmung von Prime Capital dürfte das schwer werden.

Am 15. Februar kommt es für Singulus zum Showdown

Sollte es wie erwartet zur zweiten Versammlung im Februar kommen, wäre das für Singulus ein echter Showdown. Zwar haben die Aktionäre die Restrukturierung einmal bereits grundsätzlich durchgewunken. Doch sie müssen nun noch einmal zustimmen, und das, obwohl sie im Zuge der Restrukturierung die Kontrolle über das Unternehmen verlieren werden – durch den Debt-to-Equtiy-Swap würden die Anleihegläubiger in Zukunft 95 Prozent von Singulus kontrollieren.

Der Auslöser der nun bald ein Jahr andauernden Restrukturierungsbemühungen, war der verheerende Nettoverlust in Höhe von 51,6 Millionen Euro aus dem Geschäftsjahr 2014, der das Eigenkapital auf 20 Millionen Euro schrumpfen ließ. Auch 2015 dürfte ein hoher Jahresverlust angefallen sein, weil das einstige Kerngeschäft mit Blu-Ray-Maschinen auch 2015 am Boden lag. Aktuell notiert die Anleihe bei rund 21 Prozent.

Die harte Gangart von Prime Capital bei Singulus könnte ein Vorgeschmack dessen sein, was in den kommenden Monaten auch CFOs besser als Singulus dastehender Emittenten drohen könnte. Denn die Investoren ziehen die Zügel zu Beginn des wegweisenden Jahres für den Mini-Bondmarkt an. Dutzende Emittenten, deren Anleihen 2017 und 2018 auslaufen, müssen in den nächsten Monaten die Weichen für die Refinanzierung stellen. Ihnen steht ein heißer Tanz ins Haus: „Diese Unternehmen brauchen unser Geld, um ihre auslaufenden Anleihen zu refinanzieren. Sie können keine Zinsen von unter 5 Prozent erwarten und werden wieder einige Schritte auf die Investoren zugehen müssen. Sonst kommt es zum Käuferstreik“, warnte heute Morgen Ralf Meinerzag, Manager des Mini-Bond-Fonds der Steubing Bank.  

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Wie es zu der schweren Schieflage gekommen ist und welche Rettungsbemühungen bislang schon gescheitert sind – lesen Sie die Chronologie der Ereignisse und viele Hintergründe auf unserer FINANCE-Themenseite zu Singulus.