Der Maschinenbauer Singulus will sich mit Haircut retten: Die Gläubiger der Mittelstandsanleihe sollen einem Debt-Equity-Swap zustimmen.

Singulus

24.04.15
Finanzierungen

Mittelstandsanleihe: Singulus will sich mit Haircut retten

Der Maschinenbauer Singulus befindet sich in bedrohlicher Lage. Nun soll ein Debt-Equity-Swap der Anleihegläubiger für Stabilität sorgen. Für CFO Markus Ehret wäre das die optimale Lösung – ob Aktionäre und Gläubiger zustimmen, bleibt aber ungewiss.

Mit einer Reihe von Kapitalmaßnahmen will Singulus die Basis für eine radikale finanzielle Neuausrichtung schaffen. Das Unternehmen, das FINANCE bereits seit längerem als Wackelkandidat ausgemacht hat (Print-Ausgabe Dezember 2014), möchte deshalb die Anleihegläubiger durch einen Debt-Equity-Swap zu Eigenkapitalgebern machen.

„Zunächst wollen wir das Grundkapital in Höhe der aufgelaufenen Verluste herabsetzen, außerdem möchten wir die Möglichkeit haben, das Eigenkapital zu stärken und unsere Bilanz um das Fremdkapital zu bereinigen“, erklärt CFO Markus Ehret gegenüber FINANCE.

Hintergrund: Im März hatte der Maschinenbauer aus Kahl am Main eine verheerende Bilanz für das Jahr 2014 vorgelegt. Nach einem Nettoverlust von 51,6 Millionen Euro war das Eigenkapital auf gut 20 Millionen Euro geschrumpft. Neben erheblichen Einbrüchen im Solar- und Optical-Disc-Segment kämpft Singulus vor allem mit einer massiven Zinslast für seine Anleihe: Der 60-Millionen-Euro-Bond, der im März 2017 zurückgezahlt werden muss, ist mit satten 7,75 Prozent verzinst – viel zu viel für das angeschlagene Unternehmen. Zwar hat Singulus bereits im Rahmen eines Rückkaufprogramms Papiere im Volumen von 4 Millionen Euro zurückgekauft, nun soll der radikale Schritt mehr Stabilität bringen. 

Singulus-CFO Markus Ehret: „Debt-Equity-Swap optimale Lösung“

Die Position der Altaktionäre würde sich nicht verschlechtern, meint Ehret. Sie müssten zwar eine Verwässerung ihrer Stimmrechte hinnehmen, wirtschaftlich betrachtet bliebe der Unternehmenswert jedoch gleich. Ziel sei, die Anleihe vollständig umzuwandeln, sagt der Finanzvorstand, um damit eine Eigenkapitalquote von 100 Prozent zu erreichen. „Wir brauchen im Solarbereich und für das zukünftige Wachstum eine stabile Bilanz. Der Schritt wäre deshalb für alle Beteiligten die beste Lösung“, ergänzt der CFO.

Voraussetzung ist, dass sowohl die Aktionäre auf der Hauptversammlung am 9. Juni als auch die Anleihegläubiger auf einer späteren Gläubigerversammlung dem Vorstand ihr Vertrauen aussprechen. Das ist allerdings ungewiss: Weder sind die maßgeblichen Bondgläubiger bekannt noch die Aktionäre. Letzteres soll sich durch eine ebenfalls geplante Umwandlung der bisherigen Inhaberaktien in Namensaktien ändern. Ehret: „Wir haben einen sehr hohen Freefloat und können im Moment etwa 9 Prozent unserer Aktionäre direkt adressieren. In Zukunft wollen wir aber auch den Streubesitz erreichen.“

Damit ist die Situation wesentlich prekärer als etwa bei Solarworld, wo Hauptaktionär Frank Asbeck und Teile der Gläubiger um den Fonds Strategic Value Partners die Restrukturierung unterstützt hatten. Erst durch einen vereinten Kraftakt gelang die Rettung des Bonner Solarkonzerns.

CFO Ehret will Vertrauen der Märkte zurück

Sollten die Aktionäre und Anleihegläubiger den Debt-Equity-Swap nicht absegnen, stellt das Unternehmen als Alternative eine Umwandlung der Anleihe in einen Pflichtwandler mit angepasstem Kupon und längerer Laufzeit zur Debatte. Auch eine weitere Ausnutzung des Rückkaufprogramms oder eine erneute Anpassung wäre denkbar – aber laut Ehret nur eine Notlösung: „Unser Ziel ist der vollständige Debt-Equity-Swap.“

Auf dieser Basis möchte Singulus die Konzentration auf die Kernbereiche Oberflächenbeschichtung weiter vorantreiben. „Damit haben wir schon in den letzten Jahren angefangen, aber der massive Umsatzeinbruch im Bereich Optical Discs hat uns die Umstellungszeit drastisch verkürzt“, sagt Ehret. Ein erstes positives Signal ist das Ergebnis des ersten Quartals 2015, in dem das Unternehmen mit Auftragseingängen von 60 Millionen Euro die zuvor von Analysten ausgegebene Prognose von 50 Millionen übertraf.

Ob die Märkte dem Vorstand ihr Vertrauen aussprechen, ist aktuell aber noch nicht absehbar. Der Anleihekurs befindet sich derzeit im freien Fall, von 62 Prozent am Vortag rutschte das Papier zeitweise auf 36 Prozent ab. Auch der Aktienkurs brach von 1,14 Euro auf derzeit 0,93 Euro ein. Der Markt zeigt wenig Zuversicht, dass die Rettung gelingen kann.

„Dass die Aktie so stark an Wert verloren hat, überrascht mich ein wenig“, sagt Ehret gegenüber FINANCE. „Kurzfristig mag das nachvollziehbar sein, aber langfristig bringen wir mit diesem Schritt wieder Stabilität in die Finanzierung und das Geschäft.“

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de

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