Debt-to-Equity-Swap ante portas: Beim Maschinenbauer Singulus werden wohl bald die Gläubiger das Zepter übernehmen.

Singulus

10.06.15
Finanzierungen

Singulus-Aktionäre winken Bondrestrukturierung durch

Hoffnung beim angeschlagenen Maschinenbauer Singulus: Die Aktionäre stehen einem Debt-to-Equity-Swap nicht im Weg. Nun kann CFO Markus Ehret die Bondrestrukturierung angehen – mit erheblichen Folgen für die Machtverteilung bei Singulus.

Der angeschlagene Hightech-Maschinenbauer Singulus hat eine wichtige Zwischenetappe auf dem Weg seiner Bilanzrestrukturierung genommen. Auf der gestrigen Hauptversammlung stimmte eine große Mehrheit von über 90 Prozent des anwesenden Stimmkapitals für die Vorratsbeschlüsse, die Singulus-CFO Markus Ehret eine Restrukturierung der ausstehenden Mittelstandsanleihe ermöglichen.

Singulus hatte Ende April angekündigt, diverse Optionen zu prüfen, um seine Schuldenlast zu reduzieren. Als „Mittel der Wahl“ bezeichnete Ehret einen Debt-to-Equity-Swap. In diesem Fall dürften die Gläubiger der rund 55 Millionen Euro schweren Mittelstandsanleihe das Sagen bei Singulus übernehmen, schließlich wird das Eigenkapital an der Börse derzeit mit weniger als 40 Millionen Euro bewertet. Als Alternative haben die Aktionäre dem Management auch die Ausgabe einer Pflichtwandelanleihe genehmigt, die an die Bondholder im Tausch gegen ihre Forderungen ausgegeben werden könnte.

Singulus hat Eigenkapital weitgehend aufgezehrt

Ehret wird nun voraussichtlich zügig die nächsten Schritte einleiten. Gegenüber FINANCE-TV hatte er angekündigt, dass er die Bondrestrukturierung  bis Jahresende abschließen will. Dann soll Singulus schuldenfrei sein. Als erstes wird Ehret aber wohl eine Kapitalherabsetzung einleiten, um den Aktienkurs von derzeit gut 85 Cent wieder nachhaltig über die 1-Euro-Marke zu hieven, was die Voraussetzung für einen späteren Debt-to-Equity-Swap ist. Auch dieser Maßnahme haben die Singulus-Aktionäre zugestimmt.

Außer der Mittelstandsanleihe hat Singulus keine Finanzschulden. Dennoch hat ein drastischer Einbruch des Geschäfts im vergangenen Jahr die Bilanz so ausgezehrt, dass inzwischen auch Kunden des Anlagenbauers die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens kritisch hinterfragen. Dies droht vor allem das gerade erst wieder in Fahrt gekommene Solargeschäft des fränkischen Maschinenbauers zu bremsen.   

Nachdem Singulus 2014 vor Zinsen und Steuern einen Verlust von 49,1 Millionen Euro ausgewiesen hat, hofft das Management, in diesem Jahr wieder in die Nähe der Gewinnzone zu kommen. Doch ohne Bondrestrukturierung käme ein Turnaround vermutlich zu spät. Vorgestern gab Singulus bekannt, dass Ende Mai das Grundkapital des Unternehmens zur Hälfte aufgezehrt worden ist.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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