So handeln CFOs bessere M&A-Deals aus

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Der Finanzchef kann im besten Fall überteuerte Deals verhindern. Foto: Murrstock - stock.adobe.com
Der Finanzchef kann im besten Fall überteuerte Deals verhindern. Foto: Murrstock - stock.adobe.com

Milliardenschwere Transaktionen, die nicht wie erhofft verlaufen, überteuerte Kaufpreise, schlecht verhandelte Vertragsdetails: Immer wieder passieren im M&A-Prozess Fehler. Doch das muss nicht sein, denn bereits bei den Verhandlungen können Unternehmen Worst-Case-Szenarien verhindern und überteuerte Deals vermeiden.

Eine bedeutende Rolle spielt dabei der CFO. Speziell drei Attribute spielen den Finanzmanagern bei M&A-Transaktionen in die Karten, um am Ende bessere Deals aushandeln zu können. Das zeigt eine aktuelle Studie der WHU – Otto Beisheim School of Management mit Sitz in Vallendar und Düsseldorf.

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Generalisten-CFOs behalten den Überblick

Dabei zeichneten sich die besseren Transaktionen durch niedrigere Prämienzahlungen aus. Um zu hohe Übernahmeprämien zu verhindern, sollten CFOs in den Verhandlungen den Überblick behalten. Die Forscher der Studie kamen zu der Erkenntnis, dass Finanzchefs mit Expertise über den Finanzbereich hinaus – sogenannte Generalisten – bessere Deals aushandelten als CFOs mit reinem Finanzwissen. „Generalisten-CFOs sind eher in der Lage, das große Ganze zu sehen und strategischer zu denken. Sie können strategische Synergien besser erkennen und bringen mehr Verständnis für kulturelle Fragestellungen auf als Spezialisten“, sagt Ayse Karaevli, Professorin für Corporate Management and Change an der WHU. 

Das Ergebnis in Zahlen ausgedrückt ist erstaunlich: Unternehmen, die generalistische CFOs beschäftigten, zahlten im Schnitt 9 Prozent niedrigere Übernahmeprämien als diejenigen mit spezialisierten CFOs. Durch ihre Arbeit in anderen Bereichen, Organisationen und Branchen können diese Finanzvorstände schneller und leichter andere Perspektiven einnehmen und in den M&A-Prozess einbringen.

„Es geht darum, die transformativen Implikationen von Fusionen und Übernahmen zu verstehen und zu sehen“, so Serden Özcan, Professor für Innovation und Corporate Transformation an der WHU. „Für einen Deal zu bezahlen, ist der einfachste Teil. Der nächste Schritt ist, sich mit Integrationsthemen zu befassen: Wie kann man gemeinsam wachsen? Wie können wir gemeinsame Werte schaffen?“

Deutsche Unternehmen wollen spezialisierte CFOs

Ayse Karaevli ist Professorin für Corporate Management and Change an der WHU. Foto: WHU

Gerade in Deutschland sei dabei aber noch deutlich Luft nach oben. „In Deutschland sind die CFOs allgemein spezialisierter, denn das wird von Unternehmen mehr geschätzt“, so Karaevli. Die meisten Finanzvorstände hierzulande haben ihre gesamte Karriere in der Finanzabteilung verbracht und waren zuvor in Finanzfunktionen wie Buchhaltung, Controlling, Budgetierung, Audit, Steuern und Treasury tätig.

Generell sind die Studienergebnisse der Wissenschaftlerin zufolge nicht eins zu eins von US- auf deutsche Unternehmen und deren CFOs übertragbar. Der Grund: „US-amerikanische CFOs haben mehr informelle Macht. Sie haben dadurch mehr Einfluss auf Transaktionen und deren Finanzierung“, gibt Karaevli zu bedenken. Nichtsdestotrotz ließen sich die Ergebnisse auf einen großen Teil des deutschen Marktes übertragen.

Abhängigkeit zwischen CFO und CEO entscheidend

Doch nicht nur ein Generalist hat Vorteile beim Unternehmenskauf. Auch CFOs, die weitestgehend vom CEO unabhängig agieren, konnten den Studienergebnissen nach bessere Deals aushandeln. Das heißt, dass Finanzchefs, die vom Vorstand und nicht direkt vom amtierenden CEO bestimmt wurden, öffentlich realistischere Einschätzungen gegenüber der geplanten Firmenübernahme äußern. Sie sollen mögliche emotional aufgeladene Entscheidungen des CEO rational und realistischer entgegentreten.

Karaevli rät zu einer gesunden kritischen Haltung des CFOs gegenüber seinem CEO: „Eine gute Zusammenarbeit bedeutet nicht immer, dass man sich in allem einig ist. Es geht darum, sich gegenseitig herauszufordern, aber auch zu respektieren“, sagt die Professorin. „Finanzchefs sollten im M&A-Prozess sowohl als Sparringspartner als auch als kritischer Denker fungieren“, fügt Özcan hinzu. Und auch hier spricht das Untersuchungsergebnis für sich: Die Prämien, die Unternehmen für Akquisitionen zahlten, waren bei unabhängigeren Finanzchefs im Schnitt 18 Prozent niedriger.

Dabei muss man die deutschen CFOs differenziert von den US-amerikanischen Finanzmanagern betrachten. Den beiden Experten zufolge ist das Machtgefälle in den USA zwischen den beiden Managerpositionen deutlich größer als in Deutschland – was auch durchaus deren Beziehung zueinander beeinflusst.

Bessere Deals durch hohes Ansehen des CFO

Serden Özcan ist Professor für Innovation und Corporate Transformation an der WHU. Foto: WHU

Zudem profitieren CFOs von einem hohen Ansehen im Unternehmen und im Vorstand. Mit diesem dritten Attribut konnten die Finanzchefs ebenfalls im Schnitt bessere Deals abschließen und Preisaufschläge auf den tatsächlichen Marktwert des Übernahmeobjekts geringer halten. Die Prämien, die Unternehmen für Übernahmen zahlten, waren 7 Prozent niedriger, wenn sie einen hochrangigen CFO hatten.

Den Status des CFOs machten die Forscher anhand einer geringeren Diskrepanz zwischen CEO- und CFO-Vergütung fest. Durch einen hohen Status im Management traten viele Finanzchefs selbstbewusster auf und vertraten ihre Ansichten verstärkt, was wiederum wieder zu einem ausgeglicheneren Machtverhältnis zwischen CFO und CEO führte.

Soziale Fähigkeiten wichtig bei M&A-Deals

Die Wissenschaftler haben aus den Ergebnissen zudem abgeleitet, dass Finanzchefs möglichst alle drei Charakteristika erfüllen sollten, um überteuerte und unwirtschaftliche M&A-Transaktionen zu vermeiden. Doch was ist, wenn ein CFO keine der Eigenschaften erfüllt?

„Wichtig ist, dass der CFO das Geschäftsmodell versteht und reflektieren kann, wie sich aktuelle Trends am Markt auf dieses auswirken“, sagt Özcan. Dazu gehöre auch, dass der CFO sich die Zeit nimmt, verschiedene Perspektiven anzuhören, um sich dann final ein Bild von der Situation machen zu können – wie etwa vor einem geplanten M&A-Deal.

„Der CFO muss sich mit einem Transaktionsteam umgeben, das in der Lage ist, provokante Fragen zu dem geplanten M&A-Deal zu stellen. Der CFO sollte dem Team Raum und Bedingungen geben, sich so zu verhalten. Er sollte nicht versuchen, das Team zu einer schnellen Entscheidung zu drängen oder es zu seinen eigenen Vorlieben zu zwingen.“ Dabei spielen besonders soziale und persönliche Fähigkeiten eine Rolle.

Jasmin Rehne ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die Themen Controlling, Gehalt und Personal. Sie hat in Marburg Sprache und Kommunikation studiert. Neben ihrem Studium arbeitete Jasmin Rehne bereits als studentische Hilfskraft bei FINANCE.