Techem ist derzeit vor allem im Gespräch wegen möglicher Verkaufspläne oder einem Börsengang. Nun hat CFO Carsten Sürig eine Refinanzierung aufgesetzt, die insgesamt ein Volumen von 2,3 Milliarden Euro hat, und hat somit etwas Luft vor einem möglichen Eigentümerwechsel geschaffen. Damit ist er unser CFO des Monats Mai.
Für den Finanzchef, der 2019 zu Techem kam und davor bei Mckinsey als Unternehmensberater im Energiesektor tätig war, ist es schon die zweite große Refinanzierung bei Techem. „Als promovierter Ingenieur musste ich mich zwar in das Themenfeld Finanzierungen einarbeiten, aber meine Problemlösungskompetenz kam mir da zugute“, erklärt Sürig.
Die Vorbereitung für die Refinanzierung habe schon 2023 begonnen, berichtet er im Gespräch mit FINANCE. „Wir haben bereits im vergangenen Jahr mit unseren Gesellschaftern und Finanzberatern den Markt kontinuierlich beobachtet, um einen geeigneten Zeitpunkt für die Refinanzierung auszuwählen.“
Techem mit Refinanzierung
Dieses Frühjahr war die Zeit nun reif und Sürig und sein Team konnten zur Tat schreiten. Die Refinanzierung, die maßgeblich von Goldman Sachs und JP Morgan begleitet wurde, lief in zwei Schritten ab. Zunächst verlängerte Techem im Februar den Senior Term Loan und stockte diesen auf. „Die Refinanzierung haben wir innerhalb von einer Woche in der Form eines Amend & Extend durchgeführt“, sagt der CFO. Die Finanzabteilung habe sich aufgrund der geringeren Transaktionskosten sowie höheren Flexibilität im Sinne von Tilgungsmöglichkeiten für diesen Weg entschieden.
Der Loan wurde um vier Jahre verlängert, das Volumen von 1,145 Milliarden Euro auf 1,8 Milliarden Euro erhöht. „Ursprünglich hatten wir ein Volumen von 1,5 Milliarden Euro angepeilt, wir haben aber gemerkt, dass beim Volumen im Gegensatz zum Pricing mehr Spielraum gegeben war.“ Im Mai wurde das Volumen um 50 Millionen Euro aufgestockt. Die Zinsmarge hat sich dabei von aktuell 2,375 Prozent auf 3,750 Prozent erhöht.
CFO Sürig im Austausch mit Investoren
Für CFO Sürig bedeutete das zahlreiche Gespräche mit Investoren. Am Loan beteiligten sich rund 100 Investoren, davon etwa 70 bestehende und 30 neue. „Nach dem globalen Investoren-Call fanden in den nächsten 36 Stunden etwa zehn Meetings mit jeweils bis zu fünf potentiellen Kreditgebern statt“, berichtet Sürig.
Zusätzlich stockte Techem seinen bestehenden revolvierenden Kredit in Höhe von 275 Millionen Euro um 100 Millionen Euro auf, unter Beibehaltung der alten Zinsmarge von 1,750 Prozent. „Den benötigen wir vornehmlich aufgrund der Saisonalität unseres Geschäftes, mit dem Gros an Heizkostenabrechnungen Anfang des Jahres“, sagt er.
Techem mit Tender Offer
Der zweite Schritt der Refinanzierung waren Bonds. Im April hat das Team rund um den CFO Senior Secured Notes in Höhe von 1,145 Milliarden Euro abgelöst. Ein Volumen von 786 Millionen Euro wurde im Rahmen eines Tender Offers zurückgekauft.
Die übrigen 359 Millionen Euro sollen in einem Jahr abgelöst werden. „Eine entsprechende Rücknahmeanzeige ist schon publiziert worden, und ein gleichlautender Geldbetrag wurde bereits auf ein Zinsertrag-generierendes Treuhandkonto eingezahlt, wodurch wir bis dahin idealerweise zusätzlich eine Zinsarbitrage erzielen“, so der Finanzchef.
Techem setzt auf neuen Bond
Zusätzlich emittierte Techem einen neuen Bond in Höhe von 500 Millionen Euro, der bis Juli 2029 läuft und einen Kupon in Höhe von 5,375 Prozent aufweist. Insgesamt beteiligten sich rund 90 Investoren. Es stehen noch Senior Unsecured Notes in Höhe von 364 Millionen Euro aus. „Diese haben eine Laufzeit bis Juli 2026 und somit haben wir aktuell noch Zeit, bevor wir auch hier rechtzeitig eine adäquate Lösung finden werden“, sagt der CFO.
Ein Wermutstropfen bleibt: Durch die Zinswende sind die Kosten für den Loan und die Senior Secured Notes gestiegen. Statt 94 Millionen Euro zahlt das Unternehmen jetzt 167 Millionen Euro jährlich. Die durchschnittlichen Zinskosten haben sich von 4,4 Prozent auf 7 Prozent erhöht, „liegen aber deutlich unter denen vergleichbarer High-Yield-Unternehmen und unterstreichen die Attraktivität von Techem als Fremdkapitalnehmer“, wie Sürig betont.
Techem vor Verkauf oder Börsengang
Damit setzt Techem nun mehr auf Loans statt auf Bonds: „Dadurch haben wir uns mehr Flexibilität bei den Zinsen gesichert und sind auf einen Gesellschafterwechsel vorbereitet, wie auch immer dieser aussehen wird“, sagt der Finanzchef.
Techem ist seit Juli 2018 in Hand einer Gruppe von Private-Equity-Investoren unter Führung der schweizerischen Partners Group (PG) als Mehrheitsgesellschafter sowie der kanadischen Pensionsfonds Caisse de dépôt et placement du Québec (CDPQ) und Ontario Teachers‘ Pension Plan (OTPP). Diese stellten das Unternehmen im vergangenen Jahr zum Verkauf – gleichzeitig ist auch ein Börsengang im Gespräch. Medienberichten zufolge ist KKR vor Kurzem als Käufer abgesprungen, dafür sollen derzeit die Texaner TPG interessiert sein.
„Wir sind ein großes Asset, dementsprechend dauert ein solcher Verkaufsprozess auch seine Zeit, die unsere Gesellschafter aber auch haben.“
Carsten Sürig, CFO von Techem
„Wir sind ein großes Asset, dementsprechend dauert ein solcher Verkaufsprozess auch seine Zeit, die unsere Gesellschafter aber auch haben“, sagt der CFO. Er hatte sich bei seinem Wechsel von McKinsey zu Techem spezifisch ein Unternehmen in Private-Equity-Hand ausgesucht. „Die aktuellen Gesellschafter passen sehr gut zu unserem Wachstumsfokus, da wir unsere Gewinne zur konsequenten Digitalisierung der Energiewende in Gebäuden reinvestieren können.“
Techem als Profiteur der Energiewende?
Techem positioniert sich als Teil der Energietransformation. „Die Energiewende beginnt im Keller bei der Strom- und Wärmeversorgung, geht über das Verteilsystem bis hin zu den Verbrauchern in den Wohnungen. Dieses hochkomplexe System ist selten optimal abgestimmt und mit unserer minimal investiven Messtechnik können wir erheblich zur Reduzierung von Energiekosten und CO2-Ausstoß beitragen“, sagt der CFO.
Hierfür gibt es bereits einen regulatorischen Rahmen: Die europäische Energieeffizienz-Richtlinie sieht vor, dass bis 2027 die komplette Messinfrastruktur digitalisiert, fernauslesbar und funkfähig sein muss. Damit sollen Bewohnerinnen und Bewohner durch mehr Verbrauchstransparenz animiert werden, bewusster mit Ressourcen wie Heizenergie oder Wasser umzugehen. Techem zielt genau auf diese Schnittstelle aus Digitalisierung und Dekarbonisierung ab.
Finanzchef Sürig stellt gerade einen besonders großen Transformationswillen fest: „Was die Politik in den vergangenen zwei Jahren auf den Weg gebracht hat, gab es so an Veränderungen in den vergangenen zwei Jahrzehnten nicht.“ Dementsprechend warten eine Menge Aufgaben auf den promovierten Ingenieur.
Eva Brendel ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat Kommunikationswissenschaft, VWL und Politik in Bamberg und Jena studiert. Neben dem Studium arbeitete Eva Brendel als freie Nachrichtenmoderatorin bei einem Lokalsender und moderierte eine eigene Podcast-Reihe.
