Techem wird erneut an Private Equity verkauft
Techem wird erneut verkauft. Der Private-Equity-Fonds TPG Rise Climate und der Staatsfonds GIC aus Singapur haben eine Vereinbarung zum Kauf des Unternehmens unterzeichnet. Der Transaktionswert beläuft sich auf 6,7 Milliarden Euro. Der Kaufpreis wird in zwei Tranchen gezahlt; ein Teil bei Abschluss und der Rest im Juli 2027.
TPG und GIC übernehmen Techem von einem Investorenkonsortium unter der Führung der Partners Group, zu dem auch CDPQ und der Ontario Teachers‘ Pension Plan gehören. Das Konsortium hatte Techem vor sechs Jahren für 4,6 Milliarden Euro von Macquarie übernommen.
Techems CEO Matthias Hartmann begrüßt die neuen Partner und betont das Ziel, die Position von Techem als führende Plattform für die Digitalisierung und Dekarbonisierung des Gebäudesektors in Europa auszubauen zu wollen.
Ein Börsengang von Techem ist damit zunächst vom Tisch. Nach monatelangen Verhandlungen und der Vorbereitung eines Dual-Track-Verfahrens wurde der Verkaufsprozess priorisiert. TPG und GIC wurden bei der Übernahme von Linklaters beraten.
Covestro beschließt Milliardenübernahme durch Adnoc
Dass Gespräche über eine Übernahme des Chemiekonzerns Covestro durch den arabischen Ölmulti Adnoc laufen, war bereits bekannt. Nun steht der Deal. Covestro hat eine Investitionsvereinbarung mit der Adnoc Gruppe unterzeichnet, nach der Adnoc ein öffentliches Übernahmeangebot für alle Aktien des Dax-Konzerns zu einem Preis von 62 Euro pro Anteilsschein unterbreiten will. Damit legt der arabische Staatskonzern 11,7 Milliarden für Covestro auf den Tisch, die aus vorhandenen Barmitteln finanziert werden sollen.
Die Investitionsvereinbarung läuft bis Ende 2028 und sieht eine Kapitalerhöhung um 10 Prozent vor, die Covestro 1,17 Milliarden Euro an frischem Kapital einbringen soll. Damit der Deal vollzogen werden kann, brauchen die Araber eine Mindestannahmequote von 50 Prozent plus einer Aktie.
Der Covestro-Vorstand unterstützt das Angebot und empfiehlt seinen Aktionären voraussichtlich, es anzunehmen, wie die Leverkusener erklären. „Die Unterstützung von Adnoc sichert uns ein noch stärkeres Fundament für nachhaltiges Wachstum in hochattraktiven Branchen“, betonte Covestro-CEO Markus Steilemann. Eine Dividendenausschüttung wird bis es zum Abschluss des Übernahmeangebots nicht geben. Linklaters stand dem Chemieriesen beratend zur Seite.
Springer Nature feiert Börsendebüt
Springer Nature hat den Sprung aufs Parkett gemacht: Der erste Kurs der Aktie des Wissenschaftsverlags lag Freitagmorgen bei 24 Euro und damit über dem Ausgabepreis von 22,50 Euro. Der Ausgabepreis lag bereits in der oberen Hälfte der angepeilten Spanne von 21 bis 23,50 Euro. Zu dem Ausgabepreis kommt Springer Nature auf einen Börsenwert von fast 4,5 Milliarden Euro.
Der Börsengang hat ein Volumen von bis zu 602 Millionen Euro, wovon 200 Millionen an das Unternehmen selbst gehen. Dies ermöglicht dem Finanzinvestor BC Partners, seinen Ausstieg bei Springer Nature einzuleiten. BC Partners ist seit 2013 bei Springer Science engagiert und fusionierte das Unternehmen 2015 mit Macmillan. Holtzbrinck hält seither 53 Prozent, BC Partners 47 Prozent.
Beim Börsengang verkauft BC Partners bis zu 17,9 Millionen Aktien, während die Erlöse aus einer Kapitalerhöhung um 8,9 Millionen Papiere an Springer Nature selbst gehen. Nach dem IPO sind etwa 13 Prozent der Aktien im Streubesitz. Der Private-Equity-Investor wollte das Unternehmen bereits im Jahr 2018 an die Börse bringen, musste die Pläne aber absagen. Um Springer Nature länger halten zu können, transferierte der Finanzinvestor den Verlag 2021 in ein Continuation-Vehikel.
Weitere M&A-Deals
Ein österreichischer Investor übernimmt sämtliche Geschäftsanteile an Freesort von Francotyp-Postalia (FP). Freesort bildet bei Francotyp Postalia das Segment „Mail Services“ und bietet die Frankierung und Konsolidierung von Ausgangspost für Geschäftskunden an. Die Tochter kommt auf einen Jahresumsatz von 66,8 Millionen Euro und ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 2,1 Millionen Euro. Mit dem Verkauf fokussiert sich der FP-Konzern auf die Geschäftsbereiche „Mailing & Shipping Solutions“ sowie „Digital Business Solutions“ mit dem Ziel, die Transformation weiter voranzutreiben.
Die Unternehmensberatung Mercer übernimmt die deutsche HKP Group. HKP ist ebenfalls in der Beratung tätig und hat sich vor allem auf die Bereiche Human Resources und Corporate Governance spezialisiert. Die Unternehmensberatung ist vor allem in Deutschland und den Niederlanden tätig. Mit der Übernahme will sich das Unternehmen als führender „People–Berater“ in Deutschland positionieren. Über die Details der Übernahme vereinbarten beide Parteien Stillschweigen.
Freudenberg erweitert das Geschäft mit beschichteten technischen Textilien. Dafür übernimmt der Industriezulieferer maßgebliche Teile der Heytex–Gruppe. Der Deal umfasst das Kerngeschäft von Heytex mit drei Produktionsstandorten in Deutschland und China und allen Zentralfunktionen, einschließlich Vertrieb sowie Forschung und Entwicklung. Freudenberg aus Weinheim bietet die Übernahme die Möglichkeit zur Erweiterung der eigenen Technologieplattform, der Marktpräsenz und von Kapazitäten bei Forschung und Entwicklung. Heytex gehört nach eigenen Angaben zu den führenden Produzenten hochwertiger und funktionalisierter technischer Textilien weltweit. Der Verkäufer ist der Private-Equity-Investor Bencis Capital Partners. Gleiss Lutz hat die Weinheimer bei der Übernahme beraten.
Der Bau-, Logistik- und Entsorgungsspezialist Viktor Kewitz fusioniert im Rahmen einer Nachfolgeregelung mit Willi Meyer Bauunternehmen. Durch die Fusion entsteht in der norddeutschen Region ein neuer, führender Bauspezialist, betonen die Firmen. Im Fokus steht dabei die Nutzung von Synergien rund um den Kundenstamm, das Produktportfolio und die Baustoffkreisläufe. Nachfolgekontor und Sonntag Corporate Finance haben die Gesellschafter von Kewitz beraten.
Cargogate Munich Airport wechselt den Besitzer. CHI Aviation Handling übernimmt rund 75 Prozent an dem Frachtdienstleister. Die restlichen 25 Prozent der Anteile liegen weiterhin bei dem vorherigen Hauptaktionär, dem Flughafen München. Mit dem Einstieg von CHI Aviation Handling soll sowohl das Frachtgeschäft als auch das Frachtvolumen gesteigert werden, wie das Unternehmen mitteilte. Die Übernahme der Anteile soll unter dem Vorbehalt der behördlichen Freigaben im Januar 2025 erfolgen. Die Kanzlei Noerr stand dem Käufer während des Deals beratend zur Seite. KPMG wiederum stand Cargogate Munich zur Seite.
Der Kadewe-Besitzer Central Group schluckt nun auch die Warenhauskette Globus vollständig. Zusammen mit der kriselnden Signa Gruppe des österreichischen Immobilien-Investors René Benko gehören dem thailändische Mischkonzern bereits Teile von Globus. Nun hat die Central Group das operative Geschäft der Schweizer Kette ganz übernommen, teilte das Unternehmen mit. Zum Kaufpreis machte sie keine Angaben. Die Central Group hatte von Signa bereits den Betrieb der Warenhäuser Kadewe in Berlin, das Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München übernommen. Für die britische Warenhausgruppe Selfridges steht eine Einigung noch aus.
Blick in den M&A-Markt
Der M&A-Markt in Deutschland zieht wieder an. Im dritten Quartal 2024 wurden Deals mit deutscher Beteiligung in Höhe von 111,2 Milliarden US-Dollar (umgerechnet rund 100 Milliarden Euro) angekündigt, was einem Zuwachs von 39 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Laut Daten von LSGE ist das der höchste Quartalswert seit 2021.
68,7 Milliarden US-Dollar (rund 61,5 Milliarden Euro) betrug das Volumen von Deals mit einem deutschen Target. Inbound-M&A-Transaktionen, bei denen ein ausländischer Käufer beteiligt war, stiegen um 38 Prozent auf ein Dreijahreshoch von 55,9 Milliarden US-Dollar (knapp 50 Milliarden Euro). Der Wert der rein inländischen Deals verdreifachte sich gegenüber dem Vorjahr auf insgesamt 12,8 Milliarden US-Dollar (knapp 11,5 Milliarden Euro).
Besonders beliebt für entsprechende Deals waren dabei der Industrie- sowie der Technologiesektor. Nach den vorläufigen Ergebnissen der Untersuchung wurden die meisten Deals von Goldman Sachs begleitet.
M&A-Berater-News
Novaerion bekommt einen Neuzugang in der Geschäftsführung. Wie die Unternehmensberatung mitteilte, ist der M&A-Spezialist Robert Neufeld am 1. Oktober bei Novaerion gestartet. Neufeld war bis zuletzt bei der Unternehmensberatung Enomyc als Head of M&A tätig. Dort war er seit 2019 unter anderem für den Ausbau des M&A-Bereichs zuständig und begleitete in dieser Zeit verschiedene Investorenprozesse. Diese Erfahrung soll er nun bei seinem neuen Arbeitgeber einbringen und mit André Schröer, der ebenfalls Teil der Geschäftsführung ist, das M&A-Geschäft weiter ausbauen. Novaerion ist insbesondere auf die Beratung von Distressed-Unternehmen fokussiert.
Ein weiteres Team von Goetzpartners verlässt das Beratungshaus. Zum 1. Oktober hat ein fünf-köpfiges Team unter der Leitung von Uli Kinzel zur Tech-Investmentbank Bryan, Garnier & Co. gewechselt. Uli Kinzel wird Partner der Bank und soll als Head of Healthcare Europe vom Münchner Büro aus die weitere Expansion der europäischen Healthcare-Practice begleiten. Mit Kinzel wechseln auch seine bisherige Team-Kollegen Josefine Böhm, Youchen Xin, Alexandra Walsh und Edoardo Nappi zu der Investmentbank.
Info
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Melanie Ehmann ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen am M&A- und Private-Equity-Markt. Sie hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Melanie Ehmann sechs Jahre in der Redaktion des Platow Verlags, zunächst als Volontärin, später als Wirtschaftsjournalistin im Platow Brief und den Sonderpublikationen.

