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BC Partners findet kreative Lösung für Springer Nature

BC Partners will (oder muss?) Springer Nature länger halten. Um das zu bewerkstelligen, hat der Private-Equity-Investor eine kreative Lösung gefunden.
Cozine - stock.adobe.com

Sogenannte GP-led Secondaries halten Einzug in der Private-Equity-Welt – bei diesen Transaktionen setzt der Private-Equity-Investor ein neues Fondsvehikel auf, um ein Unternehmen aus einem auslaufenden Fonds länger zu halten. Diesen Weg geht BC Partners nun auch bei Springer Nature: Der Finanzinvestor hat einen Single-Asset-Acquisition-Fonds über 1 Milliarde Euro aufgelegt und seine Anteile an dem Wissenschaftsverlag dorthin verlagert.

Leadinvestor der Sekundärtransaktion ist der institutionelle Investor Neuberger Berman. Ebenfalls an dem neuen Fonds beteiligt haben sich nach Angaben von BC Partners bestehende Investoren des neunten Fonds – in dem auch Springer Nature steckte – sowie des aktuellen elften Fonds. Wie hoch der Anteil der Investoren ist, die ihr Engagement bei dem Verlag fortführen, gab der Finanzinvestor nicht bekannt. BC Partners ließ sich bei der Transaktion von der Investmentbank Evercore beraten, J.P. Morgan erstellte eine Fairness Opinion.

Springer Nature ist rund 7 Milliarden US-Dollar wert

Im Rahmen der aktuellen Transaktion wird Springer Nature nach FINANCE-Informationen mit 7 Milliarden US-Dollar (umgerechnet 5,75 Milliarden Euro) bewertet. An den Beteiligungsverhältnissen ändert sich durch den Deal nichts: Zuletzt belief sich der Anteil von BC Partners auf 47 Prozent, die restlichen 53 Prozent gehören dem Holtzbrinck Verlag.

BC Partners hatte den Verlag Springer Science im Jahr 2013 von EQT und dem Staatsfonds von Singapur GIC für 3,3 Milliarden Euro übernommen. Zwei Jahre später gründete der Finanzinvestor mit Holtzbrinck ein Joint Venture und gab im Rahmen der Transaktion die Mehrheit an Springer Science ab. Holtzbrinck hatte dafür Teile der eigenen Wissenschafts- und Bildungssparte in das Gemeinschaftsunternehmen eingebracht. Seitdem firmiert der Verlag unter dem Namen Springer Nature.

BC Partners wollte Springer Nature an die Börse bringen

Als offiziellen Grund für den GP-led Secondary-Deal führt BC Partners „zahlreiche Möglichkeiten für weiteres Wachstum und zusätzliche Wertschöpfung“ an. Man sei von der Stärke des Geschäftsmodells überzeugt und habe nach einer Strategie gesucht, die es ermöglicht, die Beteiligung aktiv zu managen um langfristigen Wert für die Anleger zu schaffen. Einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge will BC Partners den Verlag über das neue Fondsvehikel weitere drei bis fünf Jahre halten. Wie es danach weitergeht, ist noch nicht bekannt.

Tatsächlich dürfte aber auch der geplatzte Börsengang von Springer Nature in die Überlegungen des Finanzinvestors hineingespielt haben. Bereits im Jahr 2018 wollte BC Partners den Wissenschaftsverlag an die Börse bringen. Erhoffter Emissionserlös damals: 1,2 Milliarden Euro, bei einer Unternehmensbewertung von rund 5 Milliarden Euro. Doch der Finanzinvestor blies den IPO aufgrund des damaligen Marktumfelds ab.

Im März vergangenen Jahres soll der Finanzinvestor erneut kurz davor gewesen sein, den Börsengang von Springer Nature bekanntzugeben, schrieb Bloomberg im März 2021. Doch aufgrund der Corona-bedingten wirtschaftlichen Unsicherheiten wurde das Vorhaben dem Bericht zufolge auf Eis gelegt. Im Herbst 2020 soll der Finanzinvestor dann einen neuen IPO-Anlauf genommen haben – zugleich aber auch einen Verkauf oder einen SPAC-Merger in Betracht gezogen zu haben. Warum BC Partners sich nun dazu entschieden hat, Springer Nature doch zu behalten, ist nicht bekannt.

GP-led Secondaries sind bei Private Equity beliebt

Die Gründe für GP-led Secondaries sind vielfältig: Das Unternehmen muss noch restrukturiert werden, der Finanzinvestor sieht noch Potential in der Firma, das er heben möchte – oder ein Verkauf hat nicht geklappt. Im Hintergrund steht in der Regel ein auslaufender Fonds, und damit Investoren, die ausbezahlt werden wollen.

Diese Auszahlung ist möglich, wenn der Finanzinvestor das Unternehmen in einen neuen Single-Asset-Fonds schiebt. Investoren, die aussteigen möchten, erhalten ihr eingesetztes Kapital plus Rendite zurück – und Investoren, die weiterhin an dem Unternehmen beteiligt bleiben wollen, können in den neuen Fonds investieren. Zudem ist der Fonds offen für gänzlich neue Investoren.

Am Private-Equity-Markt werden GP-led Secondary-Deals immer mehr zum Trend. Auch der schwedische Finanzinvestor EQT, der hierzulande unter anderem an dem Prothesenhersteller Ottobock beteiligt ist, hat in dieser Woche den Spezialisten für Schädlingsbekämpfung Anticimex in einen neuen Fonds überführt. Den ersten Deal dieser Art in Deutschland machte der Finanzinvestor Capiton mit der Portfoliofirma KD Pharma. Der französische Finanzinvestor Ardian hat sogar einen eigenen Fonds speziell für diese Sekundärmarkttransaktionen.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

Info

Noch mehr Hintergrundinformationen zu Finanzinvestoren finden Sie auf der FINANCE-Themenseite Private Equity.

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Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.

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