Spekulationen über einen Wechsel an der Spitze des FC Bayern München lassen seit dem Wochenende die Gerüchteküche brodeln. Laut Informationen des „Manager Magazins“ soll der Vorstandsvorsitzende Jan-Christian Dreesen bei den Münchnern in Ungnade gefallen sein, eine Verlängerung seines im Juni 2025 auslaufenden Vertrags sei unwahrscheinlich, heißt es in einem Bericht.
Demnach sollen einige Aufsichtsratsmitglieder unzufrieden mit Dreesen sein, auch weil er als Mitglied des Präsidiums der Deutschen Fußball Liga (DFL) mit für das Debakel bei der jüngsten TV-Rechteauktion verantwortlich gemacht wird. Dabei hatte der Bezahlsender Sky den Zuschlag für ein Rechtepaket bekommen, obwohl der Streaminganbieter Dazn ein höheres Angebot abgegeben hatte. Das daraufhin eingeschaltete Schiedsgericht hatte schließlich entschieden, dass die Auktion wiederholt werden muss.
Auch ein mittlerweile drei Jahre zurückliegender Vorfall mit einer ehemaligen Mitarbeiterin, die Dreesen beschimpft und mit einer Zeitschrift beworfen haben soll, wird als Grund für eine baldige Ablösung angeführt.
Bericht über Bayern-Chef Dreesen bewusst lanciert?
Mittlerweile gibt es jedoch Zweifel an der Korrektheit des „Manager Magazin“-Berichts. Wie der „Kicker“ herausgefunden haben will, sei „die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass der Vorstandsvorsitzende auch in der nächsten Saison Dreesen heißt, sein Vertrag also verlängert wird“. Auch wird die Vermutung geäußert, dass die Informationen zu dem Vorfall mit der Mitarbeiterin „von interessierter Seite“ bewusst platziert worden sein könnten. Immerhin sei der damalige Vorfall dem Aufsichtsrat schon lange bekannt und habe bei dessen Berufung zum Bayern-Chef keine Rolle gespielt.
Sky-Experte Lothar Matthäus hatte bei dem TV-Sender zuvor ähnliche Vermutungen geäußert: „Die Zeitung ist vor drei Jahren geschmissen worden. Das ist bekannt. Sein Vertrag läuft im kommenden Sommer aus. Dass dieses Thema jetzt hochkommt, ist vielleicht auch etwas, was man platziert.“
Der FC Bayern München verwies auf Anfrage von FINANCE auf die Aussagen von Aufsichtsratschef Herbert Hainer, die dieser gegenüber „Bild“ getätigt hat. Diese zitiert ihn so: „Generell sind wir mit unserem Vorstand um den Vorsitzenden Jan-Christian Dreesen absolut zufrieden: Wir sind sportlich erfolgreich und werden auch auf der anstehenden Jahreshauptversammlung erneut wirtschaftlich hervorragende Zahlen präsentieren.“ Darüber hinaus wollte sich Hainer nicht zu den Schlagzeilen der vergangenen Tage äußern: „Der FC Bayern äußert sich grundsätzlich nicht zu internen Angelegenheiten – genauso wenig zu Spekulationen in der Öffentlichkeit.“
CFO Michael Diederich als möglicher Nachfolger im Gespräch
Im Zuge der Berichte vom Wochenende wurde bereits über mögliche Anwärter für Dreesens Nachfolge spekuliert. Genannt wurde dabei auch der amtierende CFO des FC Bayern München, Michael Diederich. Dieser hatte seinen CEO-Posten bei der Unicredit-Tochter Hypovereinsbank Ende Februar 2023 an Marion Höllinger übergeben und dann beim Klub Jan-Christian Dreesen als CFO beerbt, als dieser zum Vorstandschef aufstieg.
Wie es tatsächlich weitergeht, wird der Aufsichtsrat voraussichtlich bei seiner Sitzung am 11. November entscheiden. Dabei ist laut FINANCE-Informationen auch ein Anschlussvertrag für Dreesen weiterhin eine plausible Option. Der ehemalige Banker war im Frühjahr 2023 Bayern-CEO geworden, nachdem sein Vorgänger Oliver Kahn entlassen worden war. Bis dahin hatte er zehn Jahre lang als Finanzvorstand die Finanzen des deutschen Rekordmeisters verantwortet.
Lena Scherer ist Redakteurin bei FINANCE. Sie hat Publizistik, Anglistik und Komparatistik an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz studiert und nebenbei für verschiedene Redaktionen gearbeitet. Bevor sie zu FINANCE kam, war sie mehr als acht Jahre lang beim Branchen-Fachdienst buchreport aktiv, zuletzt als Co-Chefredakteurin. Dort hat sie unter anderem Marktanalysen vorgenommen sowie die Bereiche Fachinformation, Recht/Wirtschaft/Steuern und Digitales betreut.
