Beim bayrischen Wohnmobilhersteller Knaus Tabbert übernimmt Wim de Pundert die Konzernführung und die Verantwortung über die Finanzen. Am Freitag gab das Unternehmen bekannt, de Pundert sei mit sofortiger Wirkung zum CEO und CFO ernannt worden.
Bisher war de Pundert Mitglied des Aufsichtsrates. Brisant: In der Mitteilung wird er auch als „bedeutender“ Aktionär bezeichnet. Denn de Pundert ist Geschäftsführer der Private-Equity-Firma HTP Investments, die noch mit 41 Prozent an Knaus Tabbert beteiligt ist. „Ich bin ein großer Kenner und großer Aktionär der Knaus Tabbert AG und unterstütze das Unternehmen seit über 15 Jahren“, so de Pundert. HTP Investments hatte die Anteile an Knaus Tabbert 2009 erworben und den Hersteller 2020 an die Börse gebracht.
Gleichzeitig mit den Neuerungen im Top-Management ernannte der Wohnmobilhersteller Radim Ševčík zum neuen Financial Director. Auch er kommt von HTP Investments. Dort ist er seit vier Jahren als Investment Officer tätig. Davor war er unter anderem Vice President Investment Banking für Merrill Lynch und von 2004 bis 2007 Senior Associate bei der Boston Consulting Group, wie aus seinem „Linkedin“-Profil hervorgeht.
Damit besetzen jetzt zwei Manager des Großaktionärs HTP wichtige Positionen bei Knaus Tabbert und können damit aktiv auf die Unternehmensentwicklung einwirken – kein gutes Zeichen für die bisherige Performance der Bayern.
CFO-Posten war trotz operativer Probleme lange unbesetzt
Seit diesem Frühjahr war die Position des Finanzvorstands unbesetzt, seit Oktober agierte das Unternehmen außerdem ohne CEO. Vorstandsvorsitzender Wolfgang Speck, der das Unternehmen im Oktober verließ, hatte im April das Finanzressort zusätzlich übernommen, nachdem CFO Carolin Schürmann nach nur eineinhalb Jahren in der Position ausgeschieden war.
Die Ernennung de Punderts geschieht im Rahmen des „strategischen Ziels, eine nachhaltige und profitable Zukunft zu sichern“, heißt es nun vom Unternehmen. Denn genau dort hapert es bei Knaus Tabbert seit einiger Zeit. Während der Corona-Pandemie profitierte der Hersteller von der hohen Nachfrage bei Wohnmobilen und erhöhte deshalb die Produktion. Allerdings brach die Nachfrage nach der Pandemie deutlich ein.
Im Zeitraum von Juli bis September schrumpfte der Umsatz um mehr als ein Drittel. Der operative Verlust belief sich auf 33 Millionen Euro. Nun werden auch die hohen Lagerbestände zum Problem. Erst in der Vorwoche hatte der Hersteller bekannt geben müssen, die Produktion in den Hauptwerken in Bayern und in Ungarn bis Ende des Jahres einzustellen.
2021 hatte die Aktie nach dem Börsengang ihren Hochstand bei über 70 Euro erreicht, seitdem ging der Kurs bergab. Durch die Ernennung von de Pundert hatte sich der Aktienkurs zuletzt leicht erhöht und war von 11 Euro auf derzeit rund 13,50 Euro gestiegen.