Continental verschlankt sich weiter
Die Sparte Original Equipment Solutions ist künftig kein Teil mehr von Contitech. Die Einheit entwickelt und produziert mit rund 16.000 Mitarbeitern Schlauchleitungen und Lagerelemente für die Automobilindustrie. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2024 betrug der Umsatz 1,9 Milliarden Euro.
Käufer ist Regent aus den USA. Die Industrieholding ist neben dem Bereich Automobil auch in den Bereichen Konsumgüter, Technologie und Medien investiert. Pläne über den Verkauf der Sparte waren bereits im April aufgekommen, nachdem der Unternehmensbereich Contitech vom Hauptkonzern abgespalten worden war.
Mit dem Verkauf verfolgt Continental den Plan, Contitech noch stärker auf Industriekunden zu konzentrieren. Künftig wird Contitech rund 80 Prozent seines Umsatzes mit Industriekunden erwirtschaften, teilte Continental mit.
Der Dax-Konzern ist gerade dabei, mit Automotive, Tires, Contitech und Contract Manufacturing vier unabhängige Unternehmensbereiche zu etablieren. Nachdem Contitech im April vom Hauptkonzern abgespalten wurde, gab es vermehrt Berichte darüber, dass ein Verkauf der Sparte als wahrscheinlich gelte. Dieser soll jedoch erst stattfinden, wenn der Unternehmensbereich Automotive ebenfalls vom Konzern abgespalten wurde.
PPF steigt aus dem M&A-Poker um ProSiebenSat.1 aus
Der Investor PPF zieht die Reißleine und sich aus dem Übernahmekampf um ProSiebenSat.1 zurück. Die Tschechen haben sich dazu entschieden, ihre Anteile in Höhe von 15,68 Prozent an die Berlusconi-Holding MFE abzutreten. PPF kann aufgrund der geringen Annahmequote die ursprünglich geplante Rolle als strategischer Investor mit dem Anspruch, auf Augenhöhe mit MFE zusammenzuarbeiten, nicht fortführen.
Die beiden Investoren hatten sich bis zuletzt einen Kampf um die Übernahme des TV-Konzerns geliefert. Während PPF nach dem Ablauf der ersten Angebotsfrist auf etwa 43,6 Prozent der Anteile kam, konnte PPF die eigenen Anteile nur geringfügig ausbauen. Die zweite Annahmefrist, innerhalb derer Aktionäre von ProSiebenSat.1 ihre Anteile noch andienen können, startete am 19. August und endet am 1. September. Einer Übernahme von ProSiebenSat.1 durch die Berlusconi-Holding steht nun nicht mehr viel im Weg.
Übernahmekampf um Commerzbank geht in die nächste Runde
Unicredit hat ihren Anteil an der Commerzbank auf 26 Prozent erhöht und plant, diesen auf 29 Prozent auszubauen. Eine aufsichtsrechtliche Genehmigung für einen Anteil von 29,9 Prozent liegt seit März 2025 vor. Unicredit ist somit der größte Aktionär, während der Bund etwas mehr als 12 Prozent hält. Trotz der signifikanten Beteiligung verzichtet Unicredit bislang auf Sitze im Aufsichtsrat, beobachtet jedoch die Geschäftsentwicklung der Commerzbank genau.
Seit dem Einstieg im Herbst 2024, als der Aktienkurs unter 13 Euro lag, hat sich der Kurs auf über 36 Euro erhöht. Die Italiener sehen die Investition daher weiterhin als finanziell vorteilhaft für ihre Anteilseigner und kommunizieren den schrittweisen Einstieg bei der Commerzbank unverändert als lukratives Finanzinvestment.
Weitere M&A-Deals
Die Konsolidierung auf dem Wirtschaftsprüfermarkt geht weiter. In der Rhein-Neckar-Region und übernimmt die Mannheimer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Delta Revision. Einen großen Einfluss auf den Umsatz von Nexia wird der Zukauf wohl nicht haben, jedoch erhofft sich Nexia, die eigene Präsenz in der Rhein-Neckar-Region auszubauen.
Voltabox, das bald als Voltatron firmieren wird, hat die vollständige Kontrolle über EKM Elektronik übernommen. Der Anbieter von Batteriesystemen und anderen Elektroniklösungen hat den bisherigen Minderheitsgesellschafter David Franke, zugleich Geschäftsführer des auf Elektroniklösungen für Energiespeicher und Medizintechnik spezialisierten Unternehmens, abgelöst und die eigenen Anteile von 99 auf 100 Prozent erhöht. Mit dem Vollzug kann EKM nun weiter wirtschaftlich und steuerlich in Voltabox integriert werden, wie das Unternehmen mitteilte.
Der Softwareentwickler JTL Software hat das niederländische Unternehmen Bringly gekauft. Bringly bietet nachhaltige Logistiklösungen für den E-Commerce-Sektor an und unterstützt Händler bei der Optimierung ihrer Lieferketten. Mit dieser Übernahme erweitert JTL-Software das Dienstleistungsportfolio im Bereich Logistiktechnologien. Das Gründerteam von Bringly bleibt dabei an Bord und hat sich an der Transaktion rückbeteiligt. Hogan Lovells (Federführung: Danielle du Bois-Buné, Jan Philipp Feigen und Marieke Plaisier) hat JTL Software bei der Transaktion beraten.
Die Ploon.it Group erweitert ihr Portfolio durch die Übernahme von Step Computer- und Datentechnik und der Schweizer Tochter Step Business Solutions. Das IT-Unternehmen aus Hannover plant mit der Übernahme, ihre Präsenz in der Region Süd-West auszubauen und ihre Kompetenzen in IT-Security, Managed Workplace und Softwareentwicklung auszubauen. Ebner Stolz (Markus Schmal und Marco Görlinger) hat Ploon.it bei der Übernahme begleitet. Hinter Ploon.it steht die Beteiligungsgesellschaft Prom12.
Pro DV übernimmt den operativen Geschäftsbetrieb und weitere Vermögenswerte des IT-Unternehmens Netfox. Der Asset Deal erfolgt im Rahmen einer übertragenden Sanierung aus der Insolvenzmasse von Netfox. Ziel des Kaufs ist es, die Marktposition im Bereich sicherheitskritischer IT-Infrastrukturen auszubauen und qualifizierte Fachkräfte sowie Kundenbeziehungen zu übernehmen.
Der Werkzeugmaschinenhersteller Heller ist künftig in koreanischer Hand. Der Wettbewerber DN Solutions kauft das Traditionsunternehmen aus Nürtingen in Baden-Württemberg. DN Solutions erweitert durch den Zusammenschluss die Präsenz in Europa und stärkt die Position im Bereich Bearbeitungszentren. Durch den Zusammenschluss entsteht ein global agierendes Unternehmen mit einem Umsatz von rund 2,5 Milliarden Euro. Rothschild & Co hat Heller beim Verkauf beraten.
Die Hamburger M&A-Beratung AC Christes & Partner erwirbt einen Minderheitsanteil am Software-Anbieter Loyos BI. Durch die Partnerschaft erhoffen sich die beiden Unternehmen, ihr Dienstleistungsspektrum für mittelständische Unternehmen, Private-Equity-Gesellschaften und Steuerberater auszubauen. AC Christes, bisher auf finanzielle und steuerliche Due Diligence spezialisiert, ergänzt mit der Übernahme das Angebot um datengetriebene Unternehmenssteuerungslösungen.
Das italienische Unternehmen Senseca erwirbt ACS Control System. Mit dem Zukauf möchte der Anbieter von Sensorlösungen das eigene Angebot erweitern und der wachsenden Nachfrage nach intelligenten, nachhaltigen Automatisierungslösungen gerecht werden. ACS mit Hauptsitz im niederbayerischen Eggenfelden wird während einer Übergangsphase unter dem bestehenden Markennamen weitergeführt. Im nächsten Schritt soll ACS schrittweise in die Geschäftstätigkeit von Senseca integriert werden. Proventis Partners (Torben Gottschau und Leon Holtmann) hat Senseca beim Zukauf beraten.
Deals in Verhandlung
The Platform Group befindet sich gerade in Verhandlungen über den Erwerb von drei Gesellschaften für einen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag. Die Übernahmeziele, die Plattformen im Pharmabereich betreiben, haben ihren Sitz in Deutschland, Österreich sowie Tschechien. Unternehmensnamen nennt die Gesellschaft nicht, aber ein Deal-Abschluss würde zu einem zusätzlichen jährlichen Umsatzvolumen im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag führen.
The Platform Group, die mit eigenen Plattformlösungen bereits in 28 Branchen aktiv ist, ist schon seit 2021 mit dem Unternehmen Aponow im Pharmabereich tätig und plant nun eine Expansion. Eine entsprechende Absichtserklärung wurde im August 2025 unterzeichnet, der Abschluss der Kaufverträge wird im September 2025 erwartet.
M&A-Gerüchteküche
Die Fondsgesellschaft DWS plant, ihre Marktposition weiter auszubauen. Neben organischem Wachstum soll dies durch Zukäufe erreicht werden, die laut CEO Stefan Hoops Zugang zu neuen Märkten, Technologien oder Vertriebskanälen ermöglichen. In Regionen wie Asien, wo die DWS bisher nicht so stark vertreten sei, prüfe die Fondsgesellschaft deshalb mehrere Optionen.
Info
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Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.
