Newsletter

Abonnements

M&A-Deals: RWE, Novartis, Bechtle

Artikel anhören
Artikel zusammenfassen
Teilen auf LinkedIn
Teilen per Mail
URL kopieren
Drucken
Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion will bis 2029 rund 36,4 Milliarden Euro in den Netzausbau stecken. Foto: Amprion
Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion will bis 2029 rund 36,4 Milliarden Euro in den Netzausbau stecken. Foto: Amprion

RWE bringt Amprion-Anteil in Joint Venture mit Apollo ein

Der Energiekonzern RWE integriert seinen 25,1-prozentigen Anteil am Übertragungsnetzbetreiber Amprion in ein neues Gemeinschaftsunternehmen mit Apollo. Der Private-Equity-Investor zahlt 3,2 Milliarden Euro an RWE und erhält dafür eine Beteiligung an einem neu gegründeten Joint Venture, das den 25,1-prozentigen Anteil von RWE an Amprion halten wird.

RWE will das Geld in den Netzausbau investieren. Der Abschluss der Transaktion wird für das vierte Quartal 2025 erwartet. Die restlichen 74,9 Prozent an dem Stromnetzspezialisten hält weiter die M31 Beteiligungsgesellschaft. RWE soll außerdem die operative Kontrolle über das Joint Venture behalten.

Durch die Partnerschaft mit Apollo unterstreicht RWE das Engagement für eine zuverlässige Netzinfrastruktur, wie die Essener betonen. Die Transaktion wird zudem als Vertrauensbeweis in die Strategie von Amprion gesehen. Der Übertragungsnetzbetreiber plant, bis 2029 rund 36,4 Milliarden Euro in den Netzausbau zu investieren.

Hengeler Mueller und BDO beraten RWE bei dem Deal, während Latham & Watkins Apollo bei der Investition in das Joint Venture zur Seite steht.

Novartis plant milliardenschweren Biotech-Deal

Deal-News aus dem Pharmabereich: Der Schweizer Konzern Novartis beabsichtigt, die US-Biotechfirma Tourmaline Bio zu übernehmen und bietet 48 US-Dollar je Aktie in bar. Insgesamt will sich das Pharmaunternehmen den Zukauf also rund 1,4 Milliarden US-Dollar (umgerechnet rund 1,19 Milliarden Euro) kosten lassen. Das entspricht einem Umsatz-Multiple von 4,75x – dieser liegt gemäß der aktuellen FINANCE-Multiples deutlich über den Branchendurchschnitt für Mid-Cap-Firmen aus dem Biotech-Sektor (zwischen 1,59x und 2,35x). Ergebnisseitig (Ebitda) schreibt Tourmaline Bio bisher rote Zahlen.

Doch wie für Biotech-Übernahmen nicht ungewöhnlich, dürfte Novartis die hohe Bewertung vor dem Hintergrund des Pipeline-Potentials von Tourmaline rechtfertigen. Denn durch die Akquisition erlangen die Schweizer Zugang zum Wirkstoff Pacibekitug, der sich in der Entwicklungsphase II befindet und für die entscheidende dritte Testphase bereit sei, so Novartis. Der Wirkstoff habe vielversprechende Ergebnisse zur Senkung eines wichtigen Entzündungsmarkers gezeigt und ermögliche es Novartis, sein Portfolio im Bereich Herz-Kreislauf-Medikamente zu erweitern.

Die Verwaltungsräte beider Unternehmen haben der Transaktion bereits zugestimmt, das Closing wird für das vierte Quartal 2025 erwartet, vorbehaltlich der Zustimmung der Tourmaline-Aktionäre und der Aufsichtsbehörden.

Bechtle stärkt IT-Asset-Management in den Niederlanden

Bechtle erweitert die Kompetenzen im Bereich IT-Asset-Management durch die Übernahme von ITAM Solutions. Das 2007 gegründete Unternehmen aus Eindhoven wird in das Bechtle-Tochterunternehmen PQR integriert. ITAM Solutions, spezialisiert auf IT-Asset-Management und Finops, erzielte zuletzt einen Umsatz von 4,4 Millionen Euro. Die Akquisition unterstützt Bechtles internationale Wachstumsstrategie und stärkt die Marktposition in den Niederlanden. Über die finanziellen Details der Transaktion wurde Stillschweigen vereinbart.

Mit der Übernahme von ITAM Solutions setzt Bechtle auf Synergien im Bereich Software- und Cloud-Services. Die Integration soll die Zusammenarbeit mit Kunden verbessern und den Wachstumspfad der Bechtle-Gruppe nachhaltig unterstützen. Bechtle ist in den Niederlanden bereits mit mehreren Tochterunternehmen aktiv und beschäftigt dort über 800 Mitarbeiter. Die Akquisition von ITAM Solutions folgt auf den Zukauf des IT-Dienstleisters E-Storage im Juni.

Weitere M&A-Deals

Der Energiedienstleister Techem, hat die Mehrheit an Inexogy, einem der größten Messstellenbetreiber in Deutschland, übernommen. Die Partnerschaft umfasst Investitionen von 320 Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren, um die Installation und den Betrieb von Smart Metern zu erweitern. Ziel laut Techem ist es, das Energiesystem effizienter und nachhaltiger zu gestalten. Techem und Inexogy planen, neue Kundensegmente zu erschließen und die digitale Plattform von Techem auszubauen.

Die Funke Mediengruppe erweitert ihr Portfolio durch die Übernahme der Food-Plattform Chefkoch von RTL Deutschland. Mit der vollständigen Übernahme wechseln sowohl die Marke als auch das rund 100-köpfige Team zur Funke-Gruppe. Chefkoch bleibt unter der Leitung von Christine Nieland, die den Standort Bonn weiterführt. Auch das Portal „Kochbar.de“ wird integriert, während „Essen-und-trinken.de“ weiterhin von Chefkoch betrieben wird. Baker Tilly hat die Funke Mediengruppe beim Erwerb beraten.

DHL shoppt in den USA: Der Logistikkonzern plant, sein Gesundheitsgeschäft durch die Übernahme des US-Unternehmens SDS RX auszubauen. Die US-Firma beliefert Apotheken für Pflegeeinrichtungen, spezial- und radiopharmazeutische Apotheken sowie Gesundheitsnetzwerke. Mit über 200 Standorten in den USA soll SDS RX das bestehende DHL-Transportnetzwerk strategisch ergänzen und die Position von DHL im Bereich integrierter, zeitkritischer Lösungen im Medizin- und Gesundheitswesen stärken.

Blick in den M&A-Markt

Der deutsche M&A-Markt im Jahr 2025 ist von einer Mischung aus Herausforderungen und Chancen geprägt. Politische und geopolitische Unsicherheiten, wie Handelskonflikte und die anhaltenden Auswirkungen der Zollstreitigkeiten zwischen den USA und Europa, haben die Dynamik der Transaktionen verlangsamt. Vieler dieser Herausforderungen dürften sich auch 2026 wiederfinden, wie die Ergebnisse des aktuellen European M&A-Outlook 2026 der Kanzlei CMS verdeutlichen.

Die Aussichten werden durch Bewertungsdifferenzen, Ängste vor einer Rezession und qualitativ minderwertigen Deal-Pipelines gedämpft, was eine vorsichtige Haltung bei den Investoren hervorruft. Doch es gibt auch einen Lichtblick: Der industrielle Sektor Deutschlands, die Bemühungen um Digitalisierung sowie strategische Investitionen in Bereichen wie Gesundheitswesen, Energie und E-Mobilität bieten nach wie vor attraktive M&A-Möglichkeiten.

Außerdem, so zeigt der Deal-Outlook, gibt es ein hohes Interesse von Private-Equity-Fonds und internationalen Investoren, insbesondere aus den USA, an deutschen Unternehmen. Das liegt vor allem an den niedrigen Bewertungen im Vergleich zum US-Markt.

Die Notwendigkeit von Umstrukturierungen, vielfach als Reaktion auf regulatorische Veränderungen und wirtschaftliche Verschiebungen, wird voraussichtlich zu weiteren Deals führen. Viele Investoren dürften sich dabei auf Turnaround-Chancen konzentrieren. Zudem bieten laufende Privatisierungs- und Nachfolgeprozesse eine kontinuierliche Quelle für Deals.

M&A-Berater-News

Die US-Investmentbank Houlihan Lokey hat Martin Rezaie als Managing Director in der Financial Sponsors Group zurückgeholt. Er wird von Frankfurt aus gemeinsam mit Christian Keller die Beratung von Finanzinvestoren in der DACH-Region leiten. Rezaie war zuvor Partner bei der Tech-M&A-Beratung GP Bullhound und verantwortete dort das DACH-Geschäft. Rezaie bringt Erfahrung aus über 50 Transaktionen mit, darunter Deals wie der Verkauf von Slashwhy an Maxburg und die Finanzierung von Sdui durch Bain Capital.

Deals in Verhandlung

Die italienische Holding MFE hat sich 75,61 Prozent der Anteile an ProSiebenSat.1 gesichert und wird damit Mehrheitsaktionärin. Die Annahmefrist des Übernahmeangebots endete am 1. September, die Abwicklung ist für kommenden Dienstag, den 16. September geplant. Der tschechische ProSieben.Sat.1-Aktionär und Nebenbuhler im Übernahmegerangel um das deutsche Medienhaus, PPF, hat nunmehr seine rund 15,68 Prozent der Aktien in das MFE-Angebot eingebracht. ProSiebenSat.1 fokussiert sich weiterhin auf die digitale Transformation und den Ausbau der Streaming-Plattform Joyn.

M&A-Gerüchteküche

Rheinmetall plant den Einstieg in den Marinebereich und soll nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters die Übernahme der Lürssen-Militärwerften prüfen. Eine Entscheidung soll in zwei bis drei Wochen fallen. Gespräche mit Naval Vessels Lürssen sollen bereits laufen, während der Bremer Schiffsbauer seine Belegschaft über mögliche Konsolidierungen informiert haben soll. Lürssen ist seit 2021 in eine Marinesparte und eine Jachtsparte aufgeteilt.

Siemens Healthineers erwägt offenbar, seinen Diagnostikbereich zu verkaufen, um das Geschäft zu straffen. So geht es aus einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg hervor. Der Bereich, der sich auf die Testung von Blut- und Gewebeproben spezialisiert, könnte über 6 Milliarden Euro wert sein. Gespräche mit Private-Equity-Firmen wie Blackstone, CVC, KKR und Montagu sollen bereits geführt worden sein.

Info

Melanie Ehmann ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen am M&A- und Private-Equity-Markt. Sie hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Melanie Ehmann sechs Jahre in der Redaktion des Platow Verlags, zunächst als Volontärin, später als Wirtschaftsjournalistin im Platow Brief und den Sonderpublikationen.

Themen