Die Ambitionen sind groß: The Makery will mit seinem Technology-First-Ansatz das Beratungsgeschäft von Grund auf neu denken. Das Ziel ist nichts weniger, als die Beratung der Zukunft aufzubauen und die klassischen Geschäfts- und Honorarmodelle der Branche hinter sich zu lassen. Der Hebel dafür soll der konsequente Einsatz von Künstlicher Intelligenz und digitaler Tools sein.
Hinter dem neuartigen Ansatz steht Franz Prinz zu Hohenlohe, ehemaliger Vorstand bei WTS und langjähriger Partner bei Arthur Andersen und KPMG. Mit ihm wollen die ehemaligen WTS-Partner Tobias Fuchs, Ernst-August Baldamus und Nathalie Polkowski, der ehemalige KPMG-Partner Olaf Thein, Peter Lindinger – der ebenfalls eine KPMG-Vergangenheit hat – sowie Marie Finez die Beratungsbranche aufmischen; letztere war zuvor bei der luxemburgischen WP-Gesellschaft Atwell tätig. Die Gründungspartner sind also allesamt erfahren, gut im Markt vernetzt und hochspezialisiert.
Mit Sabina Jeschke wurde zudem eine anerkannte Expertin für die Bereiche Automatisierung und KI als Senior Advisor gewonnen. Ein weiterer, auf die Umsatzsteuer spezialisierter Gründungspartner soll Anfang 2026 dazustoßen. In den kommenden drei Jahren soll das Partnerteam um weitere strategische Köpfe wachsen.
Neuanfang statt Ruhestand führt zu The Makery
Nachdem zu Hohenlohe WTS im Juni 2024 verlassen hatte, hätte der 59-Jährige sich auch zurücklehnen und zur Ruhe setzen können. „Doch ich habe relativ schnell gemerkt, dass ich noch etwas machen möchte“, sagt er im Gespräch mit FINANCE. Doch was, war die Frage.
Zurück zu einer Big-Four-Gesellschaft wollte er nicht. „Ich war insgesamt 23 Jahre bei Arthur Andersen und KPMG, das kannte ich schon.“ Und so reifte in ihm der Entschluss, eine Beratung aufzubauen, die vollständig seinen Vorstellungen entspricht. Eine Beratung, die nicht durch Regeln zur Unabhängigkeit, ihre Historie oder Kultur eingeschränkt ist, wie es oft bei Wirtschaftsprüfungsgesellschaften der Fall ist.
Bei einer WP-Gesellschaft behindere die Trennung von Beratung und Prüfung die unternehmerische Freiheit, außerdem sei die Kultur von Vorsicht geprägt. „Der größtmögliche Unfall in solch einem Unternehmen ist, dass in der Wirtschaftsprüfung ein Fehler passiert, der die Reputation beschädigen kann“, sagt zu Hohenlohe: „Das hemmt einfach. Das ist wie eine Schlacke, die auf einem liegt, und unter der man einfach nicht frei agieren kann.“
Bei WTS habe er diese Fesseln zwar nicht gehabt, aber auch hier sei der Ursprung des Unternehmens spürbar gewesen – WTS ist als Ausgliederung der Steuerabteilung von Siemens entstanden. Der Beratungsaspekt habe nicht so sehr im Vordergrund gestanden wie von ihm gewünscht.
Eine Beratung ohne strukturelle Fesseln
Er wollte stattdessen eine Beratung, die interdisziplinär arbeitet, bei der die Partner nah am Mandanten sind und nicht nur, wenn es darum geht, diese zu akquirieren, während Junior Consultants dann die eigentlich Projektarbeit übernehmen. „Chefarztbehandlung“, nennt zu Hohenlohe das: „Wenn es so etwas am Markt nicht gibt, und ich im Grunde dafür stehe – warum mache ich es nicht selbst?“, so seine Logik.
The Makery ist das Resultat dieser Überlegungen. Eine Beratungsgesellschaft, die ohne diese „Altlasten“ auskommen will und behauptet, ohne „strukturelle Fessel“ agieren zu können. „Während die etablierten Häuser ein klassisches Time-and-Material-Geschäftsmodell mit einem Leverage von 1 zu 10 haben“, das heißt, jeder Partner hat ein Team von zehn Mitarbeitern, „gehen wir einen anderen Weg“, sagt zu Hohenlohe.
The Makery setzt auf Technologie statt Junior Consultants
The Makery setzt voll auf Künstliche Intelligenz und digitale Werkzeuge. Die Partner kommen mit deutlich weniger Personal aus. „Ich schätze, dass sich bei uns das Leverage-Verhältnis bei 1 zu 4 oder 5 einpendeln wird“, so zu Hohenlohe. „Wir sind das Schnellboot inmitten der großen Tanker.“
Mit einer eigens von Gründungspartner Peter Lindinger entwickelten Software könnten schon jetzt mit der Unterstützung von KI vollständige Impairment-Tests und Investment-Bewertungen durchgeführt werden. Ebenso ließen sich damit vollständige Unternehmensplanungen oder IDW S1-Gutachten zur Unternehmensbewertung erstellen. „Wir können dank Künstlicher Intelligenz dieselbe Qualität wie die etablierten Häuser anbieten, aber zu einem deutlichen günstigeren Preis“, hebt der Gründungspartner hervor. Steuerberatung soll sich aufgrund der zahlreichen datenintensiven und regelbasierten Prozesse besonders gut für den Einsatz von KI eignen.
Das wirke sich auch auf das Honorarmodell aus. Weg von den Billable Hours hin zu einer Mischform aus Pauschale und abgerechneten Stunden. „Wir sagen unseren Mandanten: Für die Technologie zahlst du eine Pauschale, den Rest machen wir Time & Material – aber wir sind dafür sehr viel effizienter“, erklärt zu Hohenlohe. Die bisherigen Kunden hätten das akzeptiert. Mehr noch: „Die Mandanten werden künftig häufiger fragen: Welche Technologie setzt ihr ein? Warum schickt ihr so viele Juniors – kann das nicht auch ein Tool?“, ist er überzeugt.
The Makery spezialisiert sich auf komplexe Beratungen
Die künftigen und schon vorhandenen Mandanten seien Dax-Unternehmen, Private-Equity-Fonds und Family Offices, die man bei Steuern, Recht, Bewertung und in der Transformation unterstützen wolle.
Im Visier hat The Makery das „High-End-Segment“: Dort, wo es um komplexe Restrukturierungen, anspruchsvolle Strukturierungen und hochspezialisierte Steuerthemen geht. „Dafür sind die Big Four und großen, internationalen Beratungshäuser nicht richtig aufgestellt“, gibt sich zu Hohenlohe selbstbewusst. Das eigentliche Geschäft würden diese Häuser mit anderen Projekten wie SAP-Beratung machen. The Makery will also die Nische besetzen.
Mit The Makery will zu Hohenlohe zwar keine Abschlussprüfung anbieten, um sich die Unabhängigkeit zu bewahren, dennoch existiert auch eine Wirtschaftsprüfungs-GmbH, deren Anteile die Luxemburger Einheit von The Makery hält. Dieses Konstrukt ist einerseits notwendig, um das Fremdbesitzverbot zu umgehen, andererseits wird The Makery auch einige Vorbehaltsaufgaben von Wirtschaftsprüfern anbieten, wie etwa gewisse Bewertungen von Unternehmens- oder Vermögenswerten bei Due-Dilligence-Prüfungen.
Plan B für Fremdbesitzverbot
Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft könnte aber auch noch in einem anderen Fall nützlich werden. Sollte es doch, wie im Gesetzesentwurf des Bundesfinanzministeriums vorgesehen, zu einer Verschärfung des Fremdbesitzverbots in der Steuerberatung kommen, könnte The Makery Steuerberatungsdienstleistungen über diese Gesellschaft anbieten – denn The Makery hat einen Finanzinvestor an Bord. Wirtschaftsprüfer dürfen auch Steuerberatung betreiben.
Welcher Investor hinter der Beratung steht, will zu Hohenlohe noch nicht bekannt geben. „Ich habe mir schon recht früh Gedanken gemacht, wie ich einen Investor ins Boot hole, denn wir wollen sehr schnell wachsen“, sagt zu Hohenlohe. Das gehe mit einem Investor am besten. Und es habe natürlich auch geholfen, seine hochkarätigen Gründungspartner an Bord zu holen. „Die wären sonst teileweise bei ihren alten Arbeitgebern geblieben“, sagt der Berater.
Unverständnis über Fremdbesitzverbot
Dass es Vorbehalte gegen Fremdbesitz in Steuerberatungen gibt, kann zu Hohenlohe nicht nachvollziehen und hält die Gegenargumente für realitätsfern, dass Unabhängigkeit und Qualität aufgrund des Renditedrucks des Investors in Gefahr seien. Renditeerwartungen gebe es auch jetzt schon in jeder großen Partnerschaft, ob mit externem Kapital oder ohne, so zu Hohenlohe.
„Ein guter Berater will auch gut bezahlt werden und wird daher auch nur in einer profitablen Kanzlei tätig werden. Die Vorstellung, dass Freiberufler altruistische ‚Samariter‘ sind, ist weltfremd.“ Und weiter: „Unser Investor interessiert sich doch nicht, mit wem ich welchen Umsatz mache, der interessiert sich für die Gesamtrentabilität.“ Und wenn die stimme, sei alles gut. Darüber hinaus würden Mandatsinhalte nicht offengelegt, der Investor habe keinen Einblick in die Mandantenbeziehungen.
Ein Blick ins Ausland zeige: „Kein anderes Land ist so restriktiv wie wir bei der Unabhängigkeit der Steuerberatung“, sagt zu Hohenlohe. In den Niederlanden etwa sei Steuerberatung völlig frei. „Wenn wir uns verschließen, wird die Transformation eben in anderen Ländern stattfinden – zum Nachteil des Standorts Deutschland“, warnt er. Eine moderne Steuerberatungsbranche brauche externe Investitionen in Technologie und Plattformen, sonst drohe sie in Teilen abgehängt zu werden.
Ob die Politik das Fremdbesitzverbot weiter zementiert oder die Branche perspektivisch für externes Kapital öffnet, bleibt zunächst offen. Der Kurs von The Makery dagegen ist klar. In fünf Jahren will man 200 bis 250 Mitarbeiter beschäftigen, der Umsatz soll bis dahin 40 bis 60 Millionen Euro erreichen. Dann wird sich zeigen, ob das Schnellboot zwischen den Tankern dauerhaft seinen Platz gefunden hat und dem Wellengang trotzen wird.
Falk Sinß ist Redakteur bei FINANCE. Er hat Soziologie, Politologie und Neuere und Mittlere Geschichte in Frankfurt am Main sowie in Mainz Journalismus studiert, wo er auch einen Lehrauftrag inne hatte. Vor seiner Zeit bei FINANCE war Falk Sinß drei Jahre Redakteur der Zeitschrift Versicherungswirtschaft und zehn Jahre für verschiedene Medien des Universum Verlags tätig.
