CFOs investieren trotz Abschwung in Digitalisierung

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Google plant bei Kronstorf in Oberösterreich ein neues Rechenzentrum und schafft so Kapazität für die Digitalisierung in Unternehmen. Foto: Rendering von Google Austria
Google plant bei Kronstorf in Oberösterreich ein neues Rechenzentrum und schafft so Kapazität für die Digitalisierung in Unternehmen. Foto: Rendering von Google Austria

Wettbewerb ist der beherrschende Faktor, der in den Augen von Finanzverantwortlichen derzeit das Los ihrer Unternehmen bestimmt. 70 Prozent beschreiben die Konkurrenz auf den internationalen Märkten im CFO-Panel vom Frühjahr 2026 als „starken Einfluss“. Das sind deutlich mehr als noch im Herbst. Auch andere Faktoren, darunter gestörte Lieferketten und galoppierende Energiekosten, gehören zu den Top-5-Faktoren, die den Betrieben Schwierigkeiten bereiten.

Die Folge: Unternehmen schrauben ihre Investitionen zurück. Ein Viertel der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gibt an, dass sie selektiv vorgehen und nur nötige oder strategische Investitionen weiterlaufen lassen. Ebenfalls fast ein Viertel meldet, sie hätten Investitionen ausgesetzt, bis sich das Umfeld bessert. Sie verschieben ihre Pläne also in eine weniger krisenhafte Zukunft.

Bei alldem gibt es eine Ausnahme: Investitionen in Digitalisierung und Automatisierung haben enorm an Priorität gewonnen. 72 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer halten sie für bedeutend, noch vor einem halben Jahr galt das nur für 49 Prozent – der Wandel durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI) schlägt sich also in der Bereitschaft nieder, Finanzmittel bereitzustellen.

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Auch im Arbeitsalltag steht die Digitalisierung weit oben auf der Agenda der CFOs – sowohl in der Finanzabteilung als auch mit Bezug auf das Geschäftsmodell. Beide Punkte legten um mehr als 10 Prozentpunkte zu verglichen mit dem CFO-Panel vom Herbst 2025, gewannen also deutlich an Gewicht. Für den Horváth-Partner Achim Wenning steht dahinter das Bestreben, schnell neue Produkte und Services voranzubringen und die Kosten zu verringern. Gerade in der Finanzabteilung gehe es auch darum, schneller bessere Entscheidungsunterstützung für das Management anbieten zu können und widerstandsfähiger aufgestellt zu sein.

Beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz steckt die große Mehrheit der Betriebe derzeit noch in Testprojekten und punktuellen, einzelnen Anwendungen. Im Finanzbereich sieht das ganz ähnlich aus: 60 Prozent der Finanzverantwortlichen haben derzeit Tests oder einzelne Anwendungsfälle am Laufen.

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Einen auffälligen Unterschied hält die Umfrage dennoch parat: 29 Prozent der CFOs geben an, dass ihr Unternehmen regelmäßig in mehreren Arbeitsbereichen KI einsetzt, im Finanzbereich ist das nur bei jedem Zehnten der Fall. Umgekehrt verzichten nur 8 Prozent der Betriebe bislang auf den Einsatz von KI, bei den Finanzabteilungen ist das fast ein Drittel.

Fokus bei KI liegt auf Wertschöpfung

Für Horváth-Berater Wenning zeigt das, dass die Betriebe neue Technologien zuerst dort einsetzen, wo sie ihnen in der operativen Wertschöpfung am meisten helfen können, das heißt in der Erstellung ihrer bestehenden Produkte, in der Bereitstellung ihrer Services und in der Innovation. Administrative Aufgaben stünden dahinter zurück.

Das Aufkommen von KI in den betrieblichen Abläufen zählt für etliche Finanzverantwortliche inzwischen auch zu den wesentlichen Faktoren, die ihre Unternehmen beeinflussen. Weit vorne liegt jedoch der schärfere Wettbewerb. Dieser hat für CFOs vielfältige Gründe. Diese verdichten sich in einer Handvoll von Bereichen, darunter Bürokratie und Regulierung in Deutschland und der Europäischen Union, die die Teilnehmer in der Umfrage als überbordend wahrnehmen: „Wir müssen in der EU darauf achten, nicht zu übertreiben!“, schreibt einer: „Bürokratisierung und Überregulieren fressen Zeit für das eigentliche Geschäft.“

Beitrag zum Ergebnis fehlt

Ein zweiter Finanzverantwortlicher moniert: „Wir investieren heute erhebliche Ressourcen in Datensammlung, Nachweisführung und formale Strukturen, ohne dass daraus ein erkennbarer Beitrag zur operativen Leistungsfähigkeit oder zum Unternehmensergebnis entsteht.“ In der Umfrage konkret genannt sind als aufwendige Vorgaben die Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) und andere ESG-Regularien, das CO2-Grenzausgleichssystem (CBAM) sowie die Regeln zur globalen Mindestbesteuerung und zur Sicherung von Netz- und Informationssystemen (NIS2).

Für Horváth-Partner Wenning sind Regulatorik und Bürokratie zwei der wichtigen Standortnachteile, die Unternehmen in Deutschland in ihrem Geschäft bremsen; er zählt auch hohe Preise und Inflation, etwa wegen der Kosten für Energie, sowie Fachkräftemangel und überkommene Strukturen hinzu. In der Umfrage nennen CFOs unter anderem die mangelnde Finanzierung des Gesundheitssystems und die schlechte Schulausbildung. Jede Menge Problemfelder also, mit denen sich die Unternehmen konfrontiert sehen.

Info

Raphael Arnold ist Redakteur bei FINANCE. Er studierte in Gießen und Alexandria (Ägypten) Geschichte, Geografie und Arabisch. Schon vor und während des Studiums schrieb er für verschiedene Tageszeitungen. Bei den Nürnberger Nachrichten absolvierte er ein Volontariat und arbeitete im Anschluss in deren Wirtschaftsredaktion. Danach war er über 13 Jahre für den US-Investment News Service OTR Global als Researcher und Projektmanager tätig. Beim Juve Verlag verantwortete er bis Oktober 2024 knapp acht Jahre lang die Österreich-Publikationen.