Deutsche Bank und Blantyre bringen sich bei Varta in Stellung
Die Deutsche Bank könnte bei Varta einsteigen. Das Bundeskartellamt führt eine Anmeldung, nach der die Deutsche Bank und Blantyre jeweils den Erwerb einer Minderheitsbeteiligung von mehr als 25 Prozent am Batteriehersteller prüfen lassen. Zu den Hintergründen äußern sich Deutsche Bank, Blantyre und Varta nicht. In Finanzkreisen heißt es laut Reuters, die Anmeldung sei zunächst ein technischer Schritt. Gläubiger wollten sich Optionen sichern, falls die Restrukturierung nicht greift.
Varta verhandelt aufgrund des laufenden StaRUG-Verfahrens bereits seit einiger Zeit über Maßnahmen, die von frischem Kapital bis zu einem Debt Equity Swap reichen. Nach FINANCE-Informationen stehen sich dabei zwei Lager gegenüber. Ein Vorschlag soll von Michael Tojner und Porsche kommen und eine Eigenkapitalzufuhr sowie zusätzliche Verschuldung vorsehen. Ein zweiter Vorschlag soll von einer Adhoc Gruppe aus Debt Investoren stammen, darunter Blantyre und eine Deutsche–Bank–Einheit, und auf einen Debt Equity Swap hinauslaufen. Zudem soll Porsche in beiden Szenarien IP-Rechte erwerben.
Varta steht unter Druck. Das Unternehmen stellt die Knopfzellenproduktion in Nördlingen nach dem Verlust eines Ankerkunden ein. Rund 350 Jobs fallen weg. Infolgedessen muss Varta sein Sanierungskonzept überarbeiten.
Rödl expandiert mit Hofer Leitinger in Österreich
Rödl baut das Österreich-Geschäft aus und integriert die Steuerberatung Hofer Leitinger inklusive des gesamten Teams von mehr als 60 Mitarbeitenden. Der Schwerpunkt liegt auf der Steiermark, mit Präsenz in Graz sowie weiteren Standorten in Feldbach und Rosental. Angaben zu finanziellen Konditionen nennt Rödl nicht. Auch zur konkreten gesellschaftsrechtlichen Struktur der Integration macht das Unternehmen keine Angaben.
Mit dem Schritt erhofft sich Rödl die regionale Abdeckung zu stärken und die Kapazitäten in der Steuer– sowie betriebswirtschaftlichen Beratung zu erweitern. Hofer Leitinger bringt neben klassischer Steuerberatung auch arbeitsrechtliche Beratung, Lohn und Gehaltsabrechnung, Jahresabschlüsse und Rechnungswesen ein. Zudem verweist die Kanzlei auf Spezialisierungen in Sport und Medizin. Für Rödl ist die Integration Teil des Ausbaus lokaler Teams, um Mandanten in Österreich stärker aus einer Hand zu bedienen.
Techem verkauft Solutions-Einheit an Elevion
Techem hat einen Kaufvertrag zur Veräußerung von Techem Solutions an die Elevion Group unterzeichnet. Techem Solutions liefert integrierte Dekarbonisierungs– und Energielösungen für die Immobilienwirtschaft und betreibt nach Unternehmensangaben rund 2.600 dezentrale Energieerzeugungsanlagen, vor allem im Wärme Contracting in Deutschland. Zum Kaufpreis machen die Parteien keine Angaben.
Mit dem Verkauf schärft Techem den Fokus auf das Kerngeschäft rund um smarte Energiedatenlösungen für Gebäude. Elevion baut zugleich seine Deutschlandplattform im Contracting aus und ergänzt das eigene Angebot um Betriebserfahrung und Know–how im Management von Energiesystemen in der Immobilienwirtschaft. Beide Seiten kündigen zudem eine langfristige strategische Partnerschaft mit Techem an, um Investitionen in Digitalisierung, Innovation und Expansion zu beschleunigen. Die Kanzlei Weil beriet Elevion bei der Transaktion. A&O Shearman agierte aufseiten von Techem.
Weitere M&A-Deals
Yfood ist künftig komplett in der Hand von Nestlé. Der Konzern hält seit 2023 bereits 49 Prozent und kauft nun die restlichen Anteile der Gründer, vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen. Yfood vertreibt seine Produkte nach eigenen Angaben in 30 Ländern und setzte 2025 rund 150 Millionen Euro um. Für Nestlé ist der Schritt die logische Fortsetzung der Minderheitsbeteiligung. Der Konzern sichert sich damit die volle Kontrolle über Marke, Produktentwicklung und Internationalisierung. In Zukunft wolle Nestlé Yfoods Expansion über Europa hinaus vorantreiben.
ACO übernimmt Enregis. ACO entwickelt und vertreibt Systemlösungen für das Wassermanagement in Gebäuden und im öffentlichen Raum. ACO erhofft sich durch die Übernahme, von Enregis Expertise im Regenwassermanagement zu profitieren. Angaben zum Kaufpreis und zur konkreten Beteiligungsstruktur machen die Parteien nicht. Enregis bleibt als eigenständiges Unternehmen am Markt aktiv. Die M&A-Beratung Emporion unterstützte ACO im Buy-Side-M&A-Prozess.
Deals in Verhandlung
Der Deal rund um Klöckner geht in die nächste Runde. Der Käufer, Worthington Steel, hat nach eigenen Angaben entschieden, den Aktionären von Klöckner ein öffentliches Delisting-Erwerbsangebot vorzulegen. Geboten werden sollen 11 Euro je Aktie. Das Angebot soll keine Vollzugsbedingungen enthalten. Klöckner hat angekündigt, dass Vorstand und Aufsichtsrat den Inhalt der noch zu veröffentlichenden Angebotsunterlage prüfen und anschließend eine begründete Stellungnahme abgeben werden.
Maison Pommery öffnet die Tür für Henkell Freixenet. Das Champagnerhaus aus Reims ist nach eigenen Angaben für zwei Monate in exklusive Verhandlungen mit Henkell International über ein strategisches Zusammenschlussvorhaben eingetreten. Ziel ist ein Mehrheitseinstieg von Henkell International bei Maison Pommery & Associés. Henkell Freixenet bestätigte Sondierungsgespräche, nannte aber keine Details gegenüber dem „Handelsblatt“. Wie „Les Échos“ berichtet, lasten weiter mehr als 750 Millionen Euro Schulden auf Maison Pommery, trotz eines laut vorläufigen Zahlen gestiegenen Jahresüberschusses. Die geplanten Gespräche haben auch Governance-Folgen. Maison Pommery verschiebt die Hauptversammlung zum Jahresabschluss 2025 auf einen Termin nach dem 30. Juni.
Uniper zieht großes Interesse auf sich. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, prüfen strategische Käufer und Finanzinvestoren verschiedene Optionen für den staatlichen Ausstieg, darunter Konsortien mit einem Ankeraktionär. Als „aussichtsreichsten Kandidaten“ für diese Rolle nennt ein Berater laut dem Bericht den norwegischen Gaskonzern Equinor, entweder als direkter Investor oder als Anker bei einem möglichen Börsengang. Auch Taqa, RWE, Vattenfall sowie Finanzinvestoren und Pensionsfonds wie Brookfield, CPPIB und die EP Group werden als Interessenten genannt, teils bestätigt, teils als Prüfungen beschrieben.
Der Prozess läuft als Dual Track, also Börsengang parallel zu einem Direktverkauf. Bis Mitte Juni sollen Interessenbekundungen für eine Komplettübernahme angemeldet werden. Aus Regierungskreisen heißt es laut Bericht, dass bis September Gespräche vertieft werden und bis November konkrete Angebote folgen könnten. Den Verkauf organisieren JP Morgan und UBS. Zudem kündigte der Uniper-Betriebsrat Widerstand gegen einen Verkauf an einen strategischen Investor an und sprach sich für einen Börsengang aus.
M&A-Berater
Ein neuer Player betritt den Beratungsmarkt: Mit Twinlake startet eine neue Management- und Technologieberatung, die Private-Equity-Fonds, Corporate-M&A-Abteilungen und mittelständische Portfoliounternehmen bei Transformations– und M&A-Vorhaben begleitet. Das Unternehmen ist seit Mai am Start, wie Twinlake jetzt mitteilt. Twinlake plant, operative Erfahrung in Business und Technologie mit einem Fokus auf „pragmatische Umsetzung, nachhaltige Veränderung und messbare Ergebnisse“ zu verbinden. Das Beratungsangebot konzentriert sich dabei vor allem auf drei Kerngebiete: Transformation und Change, M&A-Services sowie Value Creation. Das Gründerteam besteht aus insgesamt vier Partnern, die selbst schon Erfahrung in internationalen Technologie-, Transformations- und M&A-Projekten über verschiedene Industrien und Kontinente hinweg sammeln konnten.
Info
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Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.
