Restrukturierungen haben ein Strukturproblem
Für die Restructuring Pulse Survey 2026 hat EY Workout-Banker führender europäischer Banken befragt. Sie zeichnen ein klares Bild: Während laut Survey in der Vergangenheit Umsatzrückgänge als Haupttreiber für Restrukturierungssituationen dominierten, rücken nun makroökonomische und geopolitische Faktoren in den Vordergrund. Die Konjunkturabschwächung (24 Prozent), geopolitische Unsicherheiten (20 Prozent) und steigende Energie- und Rohstoffkosten (17 Prozent) treiben heute außerdem die Restrukturierungsagenda.
Der Automotive-Sektor führt die Rangliste der Restrukturierungsaktivität mit 30 Prozent deutlich an – geprägt von Elektrifizierungsdruck, chinesischer Konkurrenz und hohen Fixkosten entlang der Lieferkette. Das verarbeitende Gewerbe (15 Prozent) folgt mit wachsendem Druck durch Standortnachteile gegenüber Asien und den USA. Energie und Versorgung sind zunehmend belastet (8 Prozent), da der Transformationsdruck der Energiewende auf Cashflows und Finanzierungsstrukturen drückt.
Banken werden laut Survey insgesamt selektiver und vorsichtiger. Bei 73 Prozent der neu verhandelten Covenants wurden die Bedingungen zugunsten der Kreditgeber verschärft. Die wichtigsten Faktoren, nach denen Workout-Banker ihre Unterstützung ausrichten, seien aktive Gesellschafterunterstützung und ein glaubwürdiger Businessplan mit realistischen, datenbasierten Annahmen. Die Finanzierung von Restrukturierungen bleibe zwar primär bankgeprägt (bestehende Kreditgeber: 31 Prozent), doch das Bild diversifiziere sich spürbar. Eigentümer sind zunehmend gefordert, eigenes Kapital einzubringen (28 Prozent). Daneben spielen neue Investoren und Private-Equity-Fonds eine wachsende Rolle.
Der Trend gehe klar weg vom klassischen operativen Turnaround hin zu strategischen Maßnahmen: Verkäufe von Assets, beschleunigte M&A-Prozesse und Kapitalzuführungen durch Gesellschafter gewinnen an Bedeutung. Unternehmen, die sich bisher mit operativen Anpassungen über Wasser gehalten haben, müssen nun fundamentalere Entscheidungen treffen.
Hellweg saniert sich auch in Österreich in Eigenverwaltung
Hellweg hat nun auch in Österreich einen Antrag auf ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung gestellt. Zum Sanierungsverwalter wurde Peter Shamiyeh (Shamiyeh Reiser Rechtsanwälte) bestellt. Zwei Wochen zuvor hat die Dortmunder Baumarktkette in Deutschland Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Laut der „Lebensmittelzeitung“ soll Hellweg seinen Warenkreditversicherer verloren haben. Das Unternehmen kämpft schon seit mehreren Jahren mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die unter anderem auf schwache Nachfrage, höhere Preise im Einkauf und steigende Mieten zurückgehen.
Früherer Metro-Geschäftsführer heuert bei EIP an

Der Retail- und Restrukturierungsexperte Martin Schumacher ist seit Juni bei der Restrukturierungsberatung Executive Interim Partners (EIP) tätig. Schumacher bringt über 25 Jahre internationale Führungserfahrung mit, unter anderem als Geschäftsführer bei Metro in Deutschland, Russland und der Ukraine. Dort leitete er Transformationsprojekte und trieb die digitale und Multichannel-Entwicklung voran. Seine Expertise in der Restrukturierung sammelte er bei Alix Partners in New York, wo er Mandate im Großhandel und Einzelhandel betreute. Zuletzt war er als Co-CEO bei The Container Store tätig, wo er die Sanierung des Unternehmens leitete.
Bei EIP soll Schumacher Handels- und Konsumgüterunternehmen bei der operativen Stabilisierung und Restrukturierung unterstützen. Seine umfassende Erfahrung in der Konzernführung und Restrukturierungsberatung soll den Ausbau der Partnerschaft vorantreiben.
Horváth verpflichtet Geschäftsführer von CMS Advisory
Tobias Fusten verstärkt seit Ende Juni das Team Performance Improvement, Restructuring & Transactions bei Horváth.

Fusten bringt mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Restrukturierungsberatung und im Turnaround-Management mit. Zuletzt war er als Geschäftsführer von CMS Advisory tätig und begleitete Unternehmen bei der Bewältigung von Krisensituationen. Sein Schwerpunkt lag auf der Entwicklung und Umsetzung komplexer Sanierungs- und Transformationskonzepte.
Bei Horváth soll er gemeinsam mit Patrick Heurich, der das Performance-Team leitet, den Ausbau der finanzwirtschaftlichen Restrukturierung sowie die Erstellung und Umsetzung von IDW-S6-Sanierungsgutachten vorantreiben. Zugleich soll Fusten als Ansprechpartner für Workout-Units, CROs und CFOs in Krisensituationen fungieren.
Buhler Versatile kauft Anteile von Atlas
Der kanadische Hersteller von Landmaschinen Buhler Versatile hat Mitte Juni die Vermögenswerte des Baumaschinenherstellers Atlas Gruppe abgeschlossen. Diese umfasst die Atlas GmbH, Atlas Spare Parts, Atlas Group Services, Atlas Kompakt sowie Anteile an Atlas Cranes UK. Die Transaktion, die unter anderem die Genehmigung nach dem Außenwirtschaftsgesetz erfordert, soll den Geschäftsbetrieb und einen Großteil der Beschäftigten sichern. Buhler Versatile, Teil der global agierenden Asko Group, erweitert durch diesen strategischen Schritt die Präsenz in Europa.
RSM Ebner Stolz hat Buhler Versatile bei der Übernahme beraten. Die Atlas Gruppe befindet sich in Eigenverwaltung und wird durch die Sanierungsexperten Malte Köster und Hans-Joachim Berner (Kösterberner) unterstützt. Hendrik Gittermann (Reimer) fungiert als Sachwalter. Die Kanzleien Taylor Wessing und Mishcon de Reya sowie RSM UK unterstützten bei den rechtlichen Aspekten in Deutschland und Großbritannien.
US-Investor übernimmt insolventen PVC-Hersteller Vynova
Der insolvente PVC-Hersteller Vynova in Wilhelmshaven wurde erfolgreich vom US-Investor Westlake Vinnolit übernommen. Die Transaktion erforderte unter anderem eine Neuverhandlung wesentlicher Verträge aufgrund der speziellen Standortbedingungen und konzernrechtlichen Verflechtungen. Das Chemieunternehmen Vynova Wilhelmshaven musste im Dezember einen Insolvenzantrag stellen. Gründe dafür waren laut Insolvenzverwalter vor allem die schwache Konjunktur und die hohen Energiepreise. Görg beriet den Insolvenzverwalter Christian Kaufmann (Pluta) bei dem Verkauf. SZA Schilling, Zutt & Anschütz haben Westlake Vinnolit bei der Distressed-M&A-Transaktion beraten.
Polstermöbelfirma Himolla saniert sich unter Schutzschirm
Der Polstermöbelhersteller Himolla hat ein Schutzschirmverfahren eingeleitet, um eigenen Angaben zufolge seine Wettbewerbsfähigkeit angesichts rückläufiger Märkte zu stärken. Trotz stabiler Marktanteile konnten bisherige Restrukturierungsmaßnahmen die Umsatzeinbußen nicht kompensieren. Alle Aufträge werden weiterhin umgesetzt. Tillmann Peeters (Falkensteg) unterstützt als Sanierungsgeschäftsführer, während Thomas Reissmann (DMR Legal) insolvenzrechtlich berät. Tochterunternehmen in Osteuropa sind nicht betroffen. Der Sofahersteller erwirtschaftete mit rund 2.000 Beschäftigten in Europa zuletzt einen Jahresumsatz von rund 190 Millionen Euro. Himolla gehört seit Juli 2025 mehrheitlich der Conzima-Gruppe des Unternehmers Manfred Ziegler. Die Conzima-Gruppe beschreibt sich selbst als Spezialist für Unternehmen mit Ertrags-, Struktur- und Existenzproblemen.
Chinesischer Investor übernimmt Perlon
Die Zukunft der Perlon-Gruppe, einem führenden Hersteller synthetischer Filamente, ist gesichert. Nach intensiven Verhandlungen im Eigenverwaltungsverfahren wurde die Gruppe erfolgreich restrukturiert. Wuxi Yinda Nylon aus China setzte sich im globalen Investorenprozess durch, der von Falkensteg gesteuert wurde. Die operative Stabilität während des Verfahrens war entscheidend. Rund 450 der knapp 510 Arbeitsplätze in Deutschland bleiben erhalten. Die Transaktion wurde von dem Sachwalter Max Liebig (Liebig) begleitet. Wuxi Yinda Nylon wurde von der Kanzlei Taylor Wessing beraten, Markus Mairgünther und Christian Plail (beide SGP Schneider Geiwitz) haben als Generalhandlungsbevollmächtigte das Management beraten.
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Esra Laubach ist Redakteurin bei FINANCE und widmet sich schwerpunktmäßig den Themen Transformation, Restrukturierung und Recht. Sie ist Sprach- und Kommunikationswissenschaftlerin. Vor FINANCE war sie rund fünf Jahre als Legal-Journalistin für den Juve Verlag in Köln tätig, wo sie auch ihr journalistisches Volontariat absolvierte. Esra Laubach arbeitete während ihres Studiums multimedial u.a. für das ARD-Morgenmagazin, mehrere Zeitungen und moderierte beim Hochschulradio Kölncampus.
