Der börsennotierte Lieferdienst Delivery Hero steht vor der Zerschlagung. Der US-Wettbewerber Uber hat für das Berliner Unternehmen ein Übernahmeangebot vorgelegt, das Vorstand und Aufsichtsrat unterstützen. Als Teil der Übernahme soll ein ansehnlicher Teil des Geschäfts von Delivery Hero an das New Yorker Investmenthaus SSW Partners gehen. Freigaben von Kartell- und sonstigen Behörden stehen aus.
Das Barangebot von Delivery Hero sieht 41,50 Euro pro Aktie von Delivery Hero vor. Damit liegt es mehr als 3,30 Euro über dem Schlusskurs vom 15. Juli. Nach Angaben von Delivery Hero entspricht das einem Eigenkapitalwert von rund 13 Milliarden Euro. Seit den ersten Gerüchten um eine mögliche Übernahme ist der Kurs deutlich gestiegen; er lag noch Anfang April bei weit unter 20 Euro. Vom Hoch über 125 Euro zu Zeiten der Corona-Pandemie ist er jedoch weit entfernt.
Großaktionär muss Teile an Delivery Hero abgeben
Das Ziel seines freiwilligen Übernahmeangebots hat Uber mit Veröffentlichung des Angebots bereits erreicht. Der US-Liefer- und Fahrdienstanbieter hält bereits 24,99 Prozent der Aktien an Delivery Hero, weitere 11,84 Prozent hat er sich nach eigenen Angaben über Derivate gesichert. Zudem hat er mit der Prosus-Tochter MIH Food Delivery Holdings, einer weiteren Delivery-Hero-Aktionärin, vereinbart, deren Anteil von 16,8 Prozent des Grundkapitals zu übernehmen. In Summe kontrolliert Uber also bereits mehr als 53 Prozent – deutlich mehr als die offiziell geplanten 50 Prozent plus 1 Aktie.
Als Teil des Deals hat Uber zugesichert, den Standort von Delivery Hero in Berlin bis 2029 zu erhalten und die Belegschaft beizubehalten. Ein Beherrschungs- oder Gewinnabführungsvertrag sei für die kommenden drei Jahre nicht vorgesehen.
Uber kündigte außerdem an, bis 2031 rund 2 Milliarden Euro in Deutschland zu investieren. Geplant seien unter anderem ein Ausbau der Belegschaft, Angebote im Bereich autonomes Fahren und Partnerschaften mit der deutschen Automobilindustrie.
Foodora, Glovo & Co. kommen auf den Markt
An das Beteiligungshaus SSW Partners sollen die Aktivitäten von Delivery Hero in 14 Märkten gehen, in denen Uber als Konkurrent auftritt. Dieser Deal steht unter dem Vorbehalt, dass das Übernahmeangebot erfolgreich ist. Als Kaufpreis sind 1,4 Milliarden Euro vorgesehen.
Zu diesen Märkten gehören unter anderem die Foodora-Aktivitäten in Österreich, Glovo in Polen und Spanien, Efood in Griechenland, Yemeksepeti in der Türkei und Pedidosya in Chile und Ecuador. Ziel ist es, die Geschäftsaktivitäten in diesen Ländern weiterzuverkaufen.
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Neben Uber und Prosus nennt Delivery Hero auf seiner Webseite selbst drei weitere Aktionäre mit größeren Anteilen: Naspers, Aspex und Conifer. Prosus muss bis August seinen Anteil an Delivery Hero auf unter 10 Prozent senken. Das war eine Auflage der EU aus der Übernahme des niederländischen Wettbewerbers Just Eat Takeaway.
Für Delivery Hero ist JP Morgan als Finanzberater tätig, die Kanzlei Sullivan & Cromwell ist als Rechtsberater mandatiert; daneben berät Clifford Chance die Zielgesellschaft kartell- und aufsichtsrechtlich. Der Aufsichtsrat von Delivery Hero hat die Kanzlei Morrison Foerster beauftragt.
Raphael Arnold ist Redakteur bei FINANCE. Er studierte in Gießen und Alexandria (Ägypten) Geschichte, Geografie und Arabisch. Schon vor und während des Studiums schrieb er für verschiedene Tageszeitungen. Bei den Nürnberger Nachrichten absolvierte er ein Volontariat und arbeitete im Anschluss in deren Wirtschaftsredaktion. Danach war er über 13 Jahre für den US-Investment News Service OTR Global als Researcher und Projektmanager tätig. Beim Juve Verlag verantwortete er bis Oktober 2024 knapp acht Jahre lang die Österreich-Publikationen.
