M&A-Deals: Aldi Süd, Lufthansa Cargo, DHL

Artikel anhören
Artikel zusammenfassen
Teilen auf LinkedIn
Teilen per Mail
URL kopieren
Drucken
Aldi Süd auf Expansionskurs: Mit dem Einstieg bei Dali betritt der Discounter den philippinischen Markt. Foto: Markus Mainka - stock.adobe.com 
Aldi Süd auf Expansionskurs: Mit dem Einstieg bei Dali betritt der Discounter den philippinischen Markt. Foto: Markus Mainka - stock.adobe.com 

Aldi Süd steigt bei philippinischem Discounter ein

Aldi Süd expandiert auf die Philippinen. Der Discounter beteiligt sich dort an der Einzelhandelskette Dali Everyday Grocery, die mehr als 1.300 Filialen betreibt und nach eigenen Angaben täglich über 1 Million Kunden bedient. Für Aldi Süd, das bislang in elf Ländern mit eigenen Filialen vertreten ist, ist es der Einstieg in den philippinischen Markt. CFO Marcus Almeling begründet den Schritt auf „Linkedin“ mit dem Wachstumspotenzial des Landes und der Nähe zum eigenen Geschäftsmodell: Dali setze wie Aldi Süd auf ein fokussiertes Sortiment und konsequente Kostenkontrolle. Finanzielle Details zur Transaktion wurden nicht offengelegt.

Mit dem Investment setzt Aldi Süd auf ein Geschäftsmodell, das dem eigenen Hard-Discount-Ansatz ähnelt: fokussiertes Sortiment, schlanke Kostenstruktur, einheitliches Filialformat. Almeling betont, der Hard-Discount-Ansatz funktioniere nur dann, wenn Prozesse konsequent durchgehalten würden, von Sortimentsentscheidungen bis zur Kostenkontrolle. Dali soll nach Vollzug der Transaktion weiterhin eigenständig geführt werden. Das lokale Management trägt weiterhin die operative Verantwortung.

Der Deal reiht sich in die internationale Expansionsstrategie von Aldi Süd ein, die zunehmend auf Beteiligungen in Wachstumsmärkten außerhalb Europas setzt.

Lufthansa Cargo übernimmt Frachtabfertiger LUG

Lufthansa Cargo kauft LUG Aircargo Handling von der Dettmer Group. LUG Aircargo Handling ist ein Luftfrachtabfertiger mit rund 400 Mitarbeitenden. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt kartellrechtlicher und behördlicher Genehmigungen.

Mit dem Zukauf sichert sich Lufthansa Cargo zusätzliche Handling-Kapazitäten. LUG Aircargo Handling ergänzt dabei die bestehende Infrastruktur am Frankfurter Hub, die Lufthansa Cargo im Rahmen des Programms LCCevo derzeit für rund 600 Millionen Euro modernisiert. Der Zukauf ist Teil der Wachstumsstrategie der Frachttochter der Lufthansa Group. LUG Aircargo Handling soll nach Vollzug der Transaktion am Markt eigenständig bleiben, bestehende Kundenbeziehungen und Strukturen bleiben erhalten.

DHL kauft sich erstmals direkt in Uruguay ein

DHL schlägt in Südamerika zu. Das Tochterunternehmen DHL Global Forwarding übernimmt Aero Cargas, einen uruguayischen Logistik- und Frachtspezialisten, und betritt damit erstmals direkt den uruguayischen Markt. Aero Cargas verfügt über mehr als 58 Jahre Erfahrung im südamerikanischen Logistiksektor und war bereits seit 33 Jahren Partnerunternehmen von DHL. Durch die Übernahme wandelt DHL die langjährige Partnerschaft in eine vollständig eigenbetriebene Einheit um. Zudem baut DHL mit dem Deal die eigene Kompetenz in der Pharmalogistik, im Freihandelszonenbetrieb sowie in der industriellen Projektlogistik aus.

Aero Cargas wird in den PAC-Cluster von DHL Global Forwarding integriert, der Peru, Ecuador, Argentinien und Chile umfasst. Alle bisherigen Mitarbeiter wechseln zu DHL. Der Deal ist Teil eines Investitionsprogramms der DHL Group über 2 Milliarden Euro, von denen rund 10 Prozent nach Lateinamerika fließen sollen.

Weitere M&A-Deals

Die Porsche-Holding beteiligt sich an dem US-Raumfahrtunternehmen Stoke Space. Im Rahmen einer Series-E-Runde, die insgesamt rund 1 Milliarde US-Dollar einbrachte, investiert die Stuttgarter Beteiligungsgesellschaft einen Betrag im niedrigen zweistelligen Millionen-US-Dollar-Bereich. Die Runde wurde von Point72 Ventures und Spark Capital angeführt. Für die Porsche-Holding ist es nach dem Einstieg bei Isar Aerospace das zweite Investment in ein Raumfahrtunternehmen. Stoke Space entwickelt eine zweistufige Trägerrakete mit vollständiger Wiederverwendbarkeit beider Stufen. Der Erststart der Nova-Rakete ist für Anfang 2027 geplant.

Unicredit steigt beim Frankfurter Fintech VC Trade ein und sichert sich eine Option auf weiteren Anteilsausbau. Die 2016 gegründete Plattform betreibt einen digitalen Marktplatz für Konsortialkredite und Schuldscheindarlehen. Mit dem Deal will Unicredit die internationale Expansion von VC Trade vorantreiben und zugleich die eigene digitale Infrastruktur im deutschen Unternehmenskundengeschäft stärken, das die Mailänder Bank parallel auch durch die laufenden Übernahmeverhandlungen mit der Commerzbank ausbaut. 

Die Trip.com Group erwirbt eine Mehrheitsbeteiligung am Frankfurter Kreuzfahrtspezialisten E-Hoi. Das 2003 gegründete Unternehmen vertreibt Hochsee- und Flusskreuzfahrten in acht europäischen Märkten und soll innerhalb der Trip.com Group eigenständig weitergeführt werden. Gründer Detlev Schäferjohann bleibt als Gesellschafter und CEO an Bord. Mit dem Zukauf baut die in Singapur ansässige Reiseplattform ihre Präsenz im europäischen Kreuzfahrtmarkt aus. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. Die Kanzlei Linklaters beriet die Trip.com Group, während CMS auf der Verkäuferseite agierte.

Blick in den M&A-Markt

Henkel-Chef Carsten Knobel stellt weitere Übernahmen in Aussicht. Wie er der „Rheinischen Post“ sagte, hat der Konzern in den vergangenen Monaten bereits Unternehmenskäufe im Wert von rund 5 Milliarden Euro vereinbart oder abgeschlossen. Weitere Zukäufe seien geplant, sofern strategischer Fit, Verfügbarkeit und finanzielle Attraktivität stimmen: „Wenn das gegeben ist, greifen wir auch zu.“ Im Fokus stehen die Sparten Adhesive Technologies und Consumer Brands. Konkrete Übernahmeziele oder einen Zeitplan nannte Knobel nicht.

Nach TKMS und TK Accelis steht der nächste Spin-off-Kandidat bei Thyssenkrupp fest: die Stahlsparte Steel Europe. Wie Finanzvorstand Axel Hamann der „Börsen-Zeitung“ sagte, stellt sich die Sparte Ende September auf einem Kapitalmarkttag erstmals Investoren vor. Einen konkreten Zeitplan für die Verselbständigung nannte Hamann nicht, betonte aber: „Beim Stahl haben wir in dieser Hinsicht bereits große Fortschritte gemacht.“ Bis 2030 soll der Umbau des Konzerns zur Finanzholding abgeschlossen sein.

Der europäische Markt für digitale Infrastruktur hat im ersten Halbjahr 2026 deutlich angezogen. Laut dem Digital Infra Investment Review von TMT Finance und Datasite wurden 112 M&A-Transaktionen mit einem Gesamtwert von 39 Milliarden US-Dollar verzeichnet, ein Plus von 42 Prozent beim Volumen gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das Vereinigte Königreich dominiert dabei als stärkster Einzelmarkt Europas mit 30 Deals im Wert von rund 30,2 Milliarden US-Dollar über alle Sektoren hinweg.

Wachstumsmotor bleibt das Rechenzentrumsgeschäft. Mit 56 abgeschlossenen Deals und einem Gesamtwert von 22,7 Milliarden US-Dollar hat sich das Volumen gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 nahezu verdoppelt. Treiber sind die steigende Nachfrage nach Rechenkapazitäten für KI– und Hyperscale-Workloads sowie der Zugang zu gesicherter Stromversorgung. 

Der Blick auf die Pipeline lässt weitere Aktivität erwarten. 73 Transaktionen mit einem potenziellen Gesamtwert von 78 Milliarden US-Dollar befinden sich im Markt, davon entfallen allein auf Glasfaser 24 potenzielle Deals mit 39 Milliarden US-Dollar. Auch Debt-Finanzierungen zogen an: 57 abgeschlossene Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von 62,4 Milliarden US-Dollar wurden im ersten Halbjahr 2026 verzeichnet, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum.

M&A-Berater-News

Christian Schmid wechselt als Managing Director zu DC Advisory und verstärkt dort das globale Infrastrukturteam mit Fokus auf die DACH-Region. Zuletzt beriet er bei Centrus Advisors, davor war er Co-Head of Infrastructure bei Slate Asset Management. Schmid bringt mehr als 20 Jahre Erfahrung in Infrastrukturberatung und -investitionen mit. Sein Schwerpunkt liegt auf der Energiewende, Versorgung und digitaler Infrastruktur.

Info

Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.