Nächstes grünes Debüt für 50 Hertz

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Zu Beginn des Jahres hat sich Eurogrid, die Muttergesellschaft von 50Hertz, mit einer neuen grünen Revolving Credit Facility (RCF) ein Volumen von bis zu 5,25 Milliarden Euro gesichert. Foto: Achim Wagner - stock.adobe.com
Zu Beginn des Jahres hat sich Eurogrid, die Muttergesellschaft von 50Hertz, mit einer neuen grünen Revolving Credit Facility (RCF) ein Volumen von bis zu 5,25 Milliarden Euro gesichert. Foto: Achim Wagner - stock.adobe.com

Dass die Energiewende viel Geld kostet, ist bekannt. Deshalb ist für den Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz beziehungsweise dessen Holdinggesellschaft Eurogrid die richtige Finanzierungsstrategie elementar. Die Berliner setzten dabei klar auf die Farbe Grün. Eurogrid hat zu Beginn des Jahres eine neue grüne Revolving Credit Facility (RCF) mit einem Volumen von bis zu 5,25 Milliarden Euro abgeschlossen.

Die Fazilität ersetzt die bisherigen Kreditlinien des Unternehmens mit einem Gesamtvolumen von 3,75 Milliarden Euro. Es sei die erste grüne RCF eines europäischen Kreditnehmers in dieser Größenordnung, teilte das Haus nicht ohne Stolz mit.

An der Transaktion haben sich 16 Banken beteiligt. Als koordinierende Institute fungierten ABN Amro, Commerzbank, Crédit Agricole CIB und ING. Greenberg Traurig beriet Eurogrid rechtlich. Die Laufzeit beträgt fünf Jahre mit zwei einjährigen Verlängerungsoptionen.

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Framework als Grundlage

Eurogrid hat ein Faible für grüne Premieren. Bereits im Oktober 2025 hatte das Haus die erste deutsche Anleihe nach EU Green Bond Standard platziert. Dafür wurde im Herbst ein Green Finance Framework aufgesetzt. Dieses Rahmenwerk war von Beginn an nicht nur für Anleihen konzipiert, sondern ausdrücklich auch für andere Finanzierungsinstrumente wie Kredite, Commercial Paper oder Schuldscheindarlehen.

„Mit dem Green Financing Framework hatten wir die perfekte Basis geschaffen für die grüne RCF. Mit der gewählten Struktur, die sich an unsere grünen Anleihen anlehnt, konnten wir die RCF ohne erheblichen Mehraufwand grün strukturieren und so nicht nur zu unserer ESG-Strategie passend gestalten, sondern die Finanzierung sowohl für uns als auch für unsere Banken attraktiver gestalten“, sagt Treasurerin Eileen Hügle.

Hügle wollte bei der Transaktion möglichst große Flexibilität bewahren, etwa für den Fall, dass ein Commercial-Paper-Programm ohne grünes Label refinanziert werden muss. „Wir haben einen Mechanismus eingebaut, damit wir auch für nicht-grüne Zwecke ziehen können. Das würde lediglich eine Deklassifizierung der RCF als non-green zur Folge haben“, erklärt Hügle. Der grüne Status bleibe demnach erhalten, solange die Fazilität ausschließlich für Taxonomie-konforme Zwecke genutzt werde.

In der Praxis wenden einzelne Banken das Konzept bereits an. „Intern klassifizieren einige Banken Eurogrid bereits als Green-Pure-Play-Unternehmen. Sie benötigen das grüne Label für konkrete Finanzierungen somit nicht, da sie uns insgesamt als grünen Emittenten oder Kreditnehmer klassifizieren. Das ist jedoch nicht bei allen so.“

Pure Play bei Amprion

Das Pure-Play-Modell scheint auf Interesse zu stoßen. Der Dortmunder Übertragungsnetzbetreiber Amprion hat im Juli bei der Aufstockung seiner Revolving Credit Facility auf dieses neue Konzept gesetzt. Um den Status „Green Pure Play“ beanspruchen zu können, muss das Haus mehr als 90 Prozent seiner Umsätze in Einklang mit der EU-Taxonomie erwirtschaften. Diese Zahl ermittelt das Unternehmen jährlich im Rahmen der Nachhaltigkeitsberichterstattung.

Green Pure Play als nächster Schritt

Im Vertrag haben die Parteien die Möglichkeit einer Umstellung auf eine sogenannte Green-Pure-Play-Finanzierung vorgesehen. Dieses Konzept richtet sich an Unternehmen, deren Kerngeschäft vollständig aus EU-Taxonomie-konformer Wirtschaftstätigkeit besteht. „Wir sind damit einen Schritt in unserer grünen Finanzierungsstrategie vorangegangen, auch wenn die Veröffentlichung des Rahmenwerks für Green Pure Play nach LMA-Standard zu dem Zeitpunkt noch ausstand“, so Hügle.

Damit ist Amprion einen Schritt weitergegangen: Ein Nachweis darüber, wie das Haus die Mittel für seine Projekte einsetzt, ist im Rahmen der Kreditvereinbarung nicht mehr erforderlich. Auch diese Transaktion musste noch ohne den einheitlichen Standard der LMA auskommen.

Eine „Practice Note“ für die Bewertung von Pure-Play-Unternehmen hat die Market Association nun am 21. Juli veröffentlicht. Ob sich daraus eine Standardisierung an dem Markt entwickelt, bleibt abzuwarten.

Klar ist schon jetzt: Das Label wird nur Unternehmen aus ausgewählten Branchen mit besonders nachhaltigem Geschäftsmodell überhaupt zur Verfügung stehen. Auch Eurogrid ist aktuell noch in der Prüfung des veröffentlichten Konzepts, um eine mögliche Umstellung der RCF entsprechend zu bewerten.

Antonia Kögler ist Redakteurin bei FINANCE und Chefin vom Dienst bei DerTreasurer. Sie hat einen Magisterabschluss in Amerikanistik, Publizistik und Politik und absolvierte während ihres Studiums Auslandssemester in Madrid und Washington DC. Sie befasst sich schwerpunktmäßig mit Finanzierungsthemen und verfolgt alle Entwicklungen rund um Green Finance und Nachhaltigkeit in der Finanzabteilung.