Konjunktur, Zinsen und Anleihen belasten den Schuldscheinmarkt

Artikel anhören
Artikel zusammenfassen
Teilen auf LinkedIn
Teilen per Mail
URL kopieren
Drucken
Die Porsche SE hat erneut den Schuldscheinmarkt im großen Stil angezapft. Foto: piter2121 – stock.adobe.com
Die Porsche SE hat erneut den Schuldscheinmarkt im großen Stil angezapft. Foto: piter2121 – stock.adobe.com

Der Schuldscheinmarkt blickt auf ein ruhiges drittes Quartal 2026 zurück. Knapp 5,5 Milliarden Euro verteilt auf 19 Transaktionen wurden platziert. Dies entspricht einem Volumenrückgang von rund 20 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, in dem es 6,9 Milliarden Euro und 32 Deals zu verzeichnen gab.

Dies geht aus dem neuen Schuldschein-Update hervor, das das Datenanalysehaus LSEG exklusiv für FINANCE aufbereitet. Auf Neunmonatssicht liegt der Markt damit aber noch immer über dem Vorjahr: Laut LSEG summiert sich das Volumen von Januar bis September 2026 auf knapp 16 Milliarden Euro. 2025 waren es zu diesem Zeitpunkt mit 14,8 Milliarden Euro rund 8 Prozent weniger.

„Der Markt ist solide unterwegs. Etwas mehr Angebot wäre allerdings wünschenswert. Gerade mit Blick auf die hohe Liquidität auf der Nachfrageseite ginge definitiv noch mehr“, sagt Klaus Distler, Head of Corporate DCM & Credit Basket bei der Helaba. So seien die Transaktionen im bisherigen Jahresverlauf im Durchschnitt um das 2,2-Fache überzeichnet gewesen, was im langfristigen Vergleich einen überdurchschnittlich hohen Wert darstelle.

Schuldscheininvestoren werden selektiver

Gleichwohl seien die Investoren zuletzt tendenziell selektiver geworden: „Es wird noch genauer geprüft, um welche Branchen und Emittenten es sich handelt. Im Automotive Sektor schauen die Investoren zum Beispiel aktuell ganz genau auf Geschäftsmodell und Kreditqualität“, sagt Distler.

Deutlich attraktiver werden laut Christian Link, Head of Corporate Schuldschein Origination DACH bei der Commerzbank, derzeit hingegen die Sektoren Technologie, Ingenieurwesen, Versorgungswirtschaft sowie Einzelhandel gesehen. „Noch selten in der Emissionsaktivität vertreten, auf Investorenseite jedoch stark nachgefragt, sind außerdem Emissionen aus dem Verteidigungssektor“, so Link.

Bondmarkt bleibt für viele Emittenten attraktiver

Die insgesamt spürbare Zurückhaltung auf Emittentenseite im bisherigen Jahresverlauf führt der Commerzbanker auf drei Faktoren zurück: „Erstens die weiterhin schwache konjunkturelle Entwicklung im europäischen Wirtschaftsraum. Zweitens das gestiegene Zinsniveau und die damit verbundenen höheren Finanzierungskosten. Und drittens bleibt der Anleihemarkt für Emittenten mit einem externen Investmentgrade-Rating oftmals die attraktivere Finanzierungsalternative.“

Nach Einschätzung von Helaba-Banker Distler liegen die Schuldschein-Spreads bei vergleichbarem Investmentgrade-Rating derzeit circa 20 bis 30 Basispunkte höher. „Das ist aber nur eine grobe Hausnummer. Gerade gute Adressen sind hin und wieder bereit, einen kleinen Aufschlag zu zahlen, da für sie die höhere Flexibilität des Schuldscheins wertvoller ist.“

Für den größten Deal im zurückliegenden dritten Quartal zeichnete gemäß LSEG-Statistik abermals die Porsche Automobil Holding (Porsche SE) verantwortlich, die über zwei private Platzierungen insgesamt 1,06 Milliarden Euro einsammelte. Im dritten Quartal 2025 hatte das Unternehmen sogar 1,5 Milliarden Euro am Schuldscheinmarkt platziert.

Porsche SE vor Bilfinger und Merz

Es folgen der Industriedienstleister Bilfinger und der Pharmakonzern Merz, die im Juli 2026 Schuldscheine über jeweils 450 Millionen Euro begaben. „Neben deutschen Emittenten sind aber weiterhin auch ausländische Unternehmen aktiv, vor allem aus Italien, der Schweiz und Frankreich“, berichtet Distler.

Zudem gab es wie gewohnt auch einige Debütanten am Markt, darunter der deutsche Glasfaseranbieter Gelsen-Net, der im September ein Schuldscheindarlehen im mittleren zweistelligen Millionenbereich platzierte. Erstmals wurde darüber hinaus eine Schuldscheintransaktion eines koreanischen Unternehmens über dessen deutsche Tochtergesellschaft realisiert: Konkret hat der Energieversorger Hanwha Solutions aus Seoul mithilfe seiner Berliner Tochter Q Energy 145 Millionen Euro eingesammelt.

Schuldschein-Bookrunner: LBBW vor Helaba

Für das Gesamtjahr 2026 rechnet Klaus Distler von der Helaba mit einem Volumen zwischen 23 und 24 Milliarden Euro. Etwas vorsichtiger ist Commerzbanker Link, demzufolge die Emittenten ihren Blick bereits auf 2027 richten. „Stand heute erwarten wir, dass im vierten Quartal nicht mehr viele Transaktionen in den Markt gehen werden. Damit sollte das Gesamtvolumen für das Gesamtjahr 2026 bei 20 Milliarden Euro liegen.“

Bei den Bookrunnern liefern sich weiter zwei Landesbanken ein Kopf-an-Kopf-Rennen: Die LBBW führt das Ranking nach neun Monaten mit einem Marktanteil von 21,8 Prozent vor Helaba (18,9 Prozent) an. Es folgen Commerzbank und BayernLB, die es jeweils auf rund 10 Prozent bringen.

Info

Philipp Hafner ist Redakteur bei FINANCE. Er hat Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth sowie an der University of Amsterdam studiert. Vor FINANCE arbeitete Philipp Hafner mehr als sechs Jahre bei der Verlagsgruppe Knapp/Richardi, zunächst als Volontär, anschließend dann als Redakteur für die Fachzeitschrift „Immobilien & Finanzierung“.