Die BayernLB will einen neuen Kurs einschlagen. Das Kapitalmarktgeschäft muss dafür Federn lassen.

BayernLB

19.12.19
Banking & Berater

BayernLB streicht Kapitalmarktgeschäft zusammen

Die BayernLB hat Details zu ihrer neuen Strategie bekanntgeben. Während das Kapitalmarktgeschäft rasiert wird, ist die Online-Bank DKB der neue Hoffnungsträger der Landesbank.

Die BayernLB will sich bis 2024 von einer Universalbank zu einer Spezialbank entwickeln. Die Eckpunkte der neuen Strategie hat die Landesbank am heutigen Donnerstag bekanntgegeben und sie betreffen wie bereits erwartet vor allem das Kapitalmarktgeschäft. Dieses soll „deutlich“ zurückgebaut werden. Neben einem kleineren Produktangebot bedeutet das auch den Wegfall von 400 Stellen, die „sozialverträglich“ abgebaut werden sollen.

Die Teile des Kapitalmarktgeschäfts, die nicht profitabel genug sind und dem Bedarf der Kunden nicht mehr entsprechen, sollen „sukzessive“ aufgegeben werden. Welche das genau sind, gibt die Bank nicht an. In dem Segment waren bislang neben Produkten zum Zins-, Währungs- und Rohstoffmanagement auch Geldhandelsprodukte, wie zum Beispiel Anlagen und Kredite in fremden Währungen, verortet.

BayernLB will sich auf fünf Sektoren fokussieren

Im Finanzierungsgeschäft ist ebenfalls eine Neuausrichtung geplant. Die BayernLB gibt an, „mit ihrer Strukturierungsexpertise in der Finanzierung (Structured Asset Finance) und mit ausgewählten Kapitalmarktprodukten insbesondere Unternehmen aus fünf innovativen Zukunftsbranchen“ zur Verfügung stehen zu wollen. Konkret sind das die Sektoren Energie, Mobilität, Technologie, Maschinen- und Anlagenbau sowie Bau und Grundstoffe.
 
Zudem will das Management um den neuen CEO Stephan Winkelmeier mit einer stärkeren Ausrichtung auf das Thema Nachhaltigkeit neue Geschäftspotentiale erschließen. Konkreteres zu diesen Plänen ist allerdings noch nicht bekannt. Ein Alleinstellungsmerkmal haben die Münchener mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit jedoch nicht, denn viele Kreditinstitute versuchen sich derzeit im Bereich Green Finance zu positionieren.
 
Dass es im Kapitalmarktgeschäft der BayernLB zu erheblichen Einschnitte kommen würde, war bereits erwartet worden: Im Frühjahr wurde bekannt, dass die Bank den auslaufenden Vertrag mit Kapitalmarktvorstand Ralf Woitschig nicht verlängern wollte. Woitschig ist inzwischen ausgeschieden, seit Mitte August leitet Firmenkundenvorstand Michael Bücker das neu zusammengeführte Ressort „Corporates & Markets“.

BayernLB erwartet Ertragsrückgang um ein Fünftel

Mit dem spitzeren Fokus der Bank wird auch ein Ertragsrückgang einhergehen. Die BayernLB rechnet damit, dass im Bereich Corporates & Markets bis 2024 ein Fünftel der Erträge verloren gehen werden. Gleichzeitig soll durch den Abbau von Geschäften erheblich Kapital freigesetzt und die Kosten gesenkt werden.

Die Gewinne in den beiden Segmenten Firmenkunden und Kapitalmarkt waren zuletzt rückläufig: Im Kapitalmarktsegment lag der Vorsteuergewinn der BayernLB im ersten Halbjahr bei 15 Millionen Euro, nach 21 Millionen Euro im gleichen Zeitraum im Vorjahr. Im Firmenkundengeschäft waren es 57 Millionen Euro, nach 181 Millionen Euro im Vorjahr, was laut BayernLB aber vor allem von einem geringeren positiven Risikovorsorgeergebnis im Vergleich zum Vorjahr geprägt war. Zins- und Provisionsüberschuss sowie die Erträge aus Kapitalmarktprodukten, die im jeweiligen Kundensegment ausgewiesen werden, seien stabil geblieben.

DKB als Profitabilitätstreiber

Um dem „dauerhaften Niedrigzinsumfeld und den weiteren massiven Herausforderungen im Bankensektor“ zu begegnen, stehen auch in den anderen Bereichen der Bank Veränderungen an. Die DKB haben die Münchener zum Hauptwachstumsmotor auserkoren. Die Online-Bank soll die Zahl ihrer Kunden von heute gut 4 Millionen in den kommenden fünf Jahren auf rund 8 Millionen verdoppeln. Dafür kündigt die BayernLB massive Investitionen in die IT und Infrastruktur an. Rund 400 Millionen Euro hat die Bank in den kommenden fünf Jahren für Zukunfts- und Wachstumsinvestitionen geplant.

Darüber hinaus will die Bank im Bereich der gewerblichen Immobilienfinanzierung expandieren. Auch im klassischen Landesbankgeschäft könnte es zu Veränderungen kommen. Die Bank sei „offen für Gespräche, innerhalb des Sektors im Rahmen einer Arbeitsteilung Produktkompetenzen stärker zu bündeln“, teilt sie mit. Neben den IT-Investitionen und Umstrukturierungen sind zudem Kosteneinsparungen geplant. Auch in der Kernbank sollen deshalb Arbeitsplätze wegfallen. Wie viele ist noch offen.

Das Ziel ist aber bereits klar: Die BayernLB will 2024 bei einer harten Kernkapitalquote (CET-1-Ratio) von mindestens 14 Prozent eine Eigenkapitalrendite (RoE) vor Steuern von rund 8 Prozent erwirtschaften. Die Kernkapitalquote liegt bereits auf diesem Niveau, der RoE allerdings nur bei rund 5 Prozent – und das laut BayernLB ist zudem noch „wesentlich begünstigt durch positive Sondereffekte“.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

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