Standard Chartered in London: Das EU-Passporting soll künftig über Frankfurt laufen.

Facundo Arrizabalaga/dpa/Picture Alliance

03.05.17
Banking & Berater

Brexit: Standard Chartered bestimmt Frankfurt als Euro-Zentrale

Die Würfel sind gefallen: Standard Chartered hat Frankfurt als Euro-Hub auserkoren, hat FINANCE aus Finanzkreisen erfahren. Die genauen Folgen für das Frankfurter Team sind aber noch unklar.

Standard Chartered hat Frankfurt als neue Euro-Zentrale definiert. Damit reagiert die britische Bank auf die Brexit-Pläne der britischen Regierung. Für Frankfurt bedeutet das konkret, dass die bereits bestehende Niederlassung eine Banklizenz beantragen und eine eigene rechtliche Einheit werden wird, wie FINANCE aus Finanzkreisen erfahren hat. Über Frankfurt sollen dann via EU-Passporting die übrigen Länder der Euro-Zone versorgt werden, in denen Standard Chartered aktiv ist.

In der Abwägung des Standard-Chartered-Managements haben FINANCE-Informationen zufolge vor allem die Nähe zu den Regulatoren und zur deutschen Realwirtschaft für Frankfurt gesprochen. Zudem ist die Mainmetropole mit rund 100 Mitarbeitern schon jetzt der größte Standort auf dem Kontinent und für das Euro-Clearing zuständig. Die Alternative der Standard-Chartered-Führung soll bis zuletzt Dublin gewesen sein.

Wie viel zusätzliches Personal Standard Chartered nach Frankfurt beordern wird, hängt nach FINANCE-Informationen jedoch sehr vom Ergebnis der Brexit-Verhandlungen ab. „Sollten die Regelungen restriktiv ausfallen, dann müssten auch Produktspezialisten in größerem Stil in Frankfurt installiert werden“, sagte eine mit der Sache vertraute Person gegenüber FINANCE. Dabei gehe es beispielsweise um die Beratung in Fragen der Zins-, Währungs- und Rohstoffsicherung.

Standard Chartered will in Deutschland weiter wachsen

Standard Chartered zählt zu den zahlreichen Auslandsbanken in Frankfurt und hat in Deutschland weiter Wachstumspläne, wie Deutschlandchef Heinz Hilger vor kurzem der FINANCE-Schwesterpublikation DerTreasurer verriet. Besonders in ihre „Footprint-Märkte“ in Asien und Afrika will Standard Chartered, die ihre Wurzeln in den ehemaligen britischen Kolonien Indien und Südafrika hat, ihre deutschen Kunden begleiten. Allerdings konzentriert sich die Bank dabei auf die absoluten Top-Konzerne aus Dax und MDax sowie die großen Familienunternehmen. Der kleinere Mittelstand zählt nicht zur Zielklientel.

Im vergangenen Jahr ist die Bank eine Kooperation mit der BayernLB eingegangen: Konkret geht es dabei um die Abwicklung von Akkreditiven, Risikoübernahmen und Garantien im Außenhandel – und dort vor allem um den Handel mit Asien. Suchen deutsche Unternehmen in diesen Ländern nach einem Akkreditivgeber, spricht die BayernLB präferiert Standard Chartered an, und umgekehrt.

Mit dem Schritt der Standard Chartered, Deutschland als Euro-Hub zu definieren, deutet sich an, dass der Standort Frankfurt doch bessere Karten hat, als zwischenzeitlich vermutet. Möglicherweise geht davon auch ein Signal für andere Banken aus, die derzeit ebenfalls Umzugspläne prüfen.

markus.dentz[at]finance-magazin.de

Mehr zum Thema finden Sie auf unseren Themenseiten Brexit und Firmenkundengeschäft.