Jakob Eich/Frankfurt Business Media

18.09.18
Banking & Berater

Brexit zieht auch UBS nach Frankfurt

Die nächste Bank legt sich fest: Die UBS hat für die Zeit nach dem Brexit Frankfurt als neuen Angelpunkt für ihr EU-Geschäft gewählt.

Die Schweizer Großbank UBS hat sich entschieden, mit Blick auf den Brexit Frankfurt zum neuen Drehkreuz für ihr Geschäft in der Europäischen Union zu machen. Das sagte Bankchef Sergio Ermotti gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Entscheidung sei intern bereits vor einigen Wochen getroffen worden.

Die deutsche Finanzmetropole soll die europäische Basis des Geschäfts der Schweizer werden. Die Bank wolle aber nach wie vor auch weitere Standorte betreiben. Ermotti erwähnte explizit Büros in Madrid, Paris und Mailand.

Der Umzug verursacht bei der UBS neben Aufwand auch Kosten: Der Chef der Schweizer Bank rechnet mit Brexit-bedingten Kosten von mehr als 100 Millionen Schweizer Franken (etwa 89 Millionen Euro). Dabei stellt sich die UBS auf einen harten Brexit ein – wie offenbar auch einige Wettbewerber. Laut Ermotti gehen einige Vertreter des Finanzsystems davon aus, dass es zu keiner Einigung zwischen Großbritannien und der EU mehr kommen werde. „Was auch immer ab jetzt passieren wird, es wird das Unterfangen nicht weniger teuer machen“, sagte Ermotti gegenüber Bloomberg.

Brexit zieht über 20 Banken nach Frankfurt

Großbritannien wird die Europäische Union Ende März 2019 verlassen. Die Sorge wächst, dass bis dahin keine Einigung mehr über die Modalitäten des Ausstiegs zustande kommen wird. Viele Banken haben daher in den zurückliegenden Monaten bereits Arbeitsplätze aus London verlagert und andere Hauptstandorte für ihr EU-Geschäft gewählt oder zumindest ihre Dependancen in der EU gestärkt.

Im August sickerten bereits Pläne einer anderen Schweizer Bank durch: Die Credit Suisse stärkt demnach den Standort Frankfurt, aber auch andere Standorte wie Madrid und Luxemburg sind dort Teil der Lösung für den Fall eines harten Brexits.

Insgesamt hat Frankfurt nach einer Analyse der Finanzplatzinitiative Frankfurt Main Finance bereits mehr als 20 Banken locken können.

Das umfasst sowohl die Institute, die ihren EU-Sitz hierher verlegen, als auch Banken, die künftig einen größeren Teil ihres Geschäfts aus Frankfurt abwickeln wollen.

Banken hinken mit Umzugsplänen hinterher

Dass sich Banken möglichst schnell auf einen Umzugsplan festlegen, ist für CFOs überaus wichtig. Es zeichnet sich bereits ab, dass nicht alle Banken ihre Umzüge rechtzeitig zum Brexit im kommenden Frühjahr abgeschlossen haben werden. Dann müssten Unternehmen zumindest zeitweise um den vollen Zugang zu Finanzdienstleistungen fürchten.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

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