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02.08.18
Banking & Berater

Brexit: Credit Suisse stärkt Standort Frankfurt

Die Brexit-Pläne der Credit Suisse sickern durch: Ein Teil der Investmentbanking-Aktivitäten soll nun offenbar nach Frankfurt verlagert werden.

Die Schweizer Großbank Credit Suisse hat im Zuge der Vorbereitung auf den Brexit offenbar Frankfurt als einen Standort für ihre Investmentbanking- und Kapitalmarktsparte ausgewählt. Das berichtet die „Financial Times“. Dazu sollen laut FT etwa 50 Arbeitsplätze nach Frankfurt verlagert werden. Demnach hat die Schweizer Bank derzeit 5.500 Mitarbeiter in London. Aus dem Markt ist zu hören, dass die Gesamtzahl der Credit-Suisse-Banker, die als Teil des Brexit-Plans von Großbritannien in die EU umziehen werden, bei rund 250 liegen wird.
 
Im Zuge der Entscheidung hat die Bank bereits rund 200 Millionen Dollar an Vermögenswerten zu ihrer deutschen Tochter umgeschichtet, berichtet die „Financial Times“. Die Zeitung nimmt dabei Bezug auf den kürzlich veröffentlichten Quartalsbericht der Bank.

Credit Suisse baut mehrere Standorte in der EU aus

Auf Nachfrage betont die Credit Suisse, dass sie daran arbeite, den Zugang zu ihren europäischen Kunden zu bewahren und dafür im Falle eines harten Brexits die bestehende Infrastruktur nutzen wolle. Die Diskussionen würden noch andauern, doch die Lösung umfasse „mehrere Standorte, darunter Madrid, Frankfurt und Luxemburg“, teilte ein Sprecher der Bank mit. London werde aber auch nach dem Brexit ein relevanter Standort bleiben.

Erst vor wenigen Tagen war berichtet worden, dass die Credit Suisse etwa 50 Händler-Jobs von London nach Madrid verlagern will. Die Bank soll zudem kürzlich eine Brokerage-Lizenz in Paris erhalten haben.

Brexit lockt 24 Banken nach Frankfurt

Der Standort Frankfurt lockt auch andere Banken im Zuge des kommenden Brexits. Nachdem bereits vier große japanische Investmentbanken Frankfurt als ihren neuen EU-Sitz gewählt hatten, haben kürzlich auch zwei chinesische Banken entschieden, in die Main-Metropole zu ziehen.

Insgesamt hat Frankfurt nach Zählung der Finanzplatzinitiative Frankfurt Main Finance bislang 24 Banken angelockt. Das umfasst Banken, die ihren EU-Sitz hierher verlegen, ebenso wie Institute, die nur einen Teil ihres Geschäfts aus Frankfurt abwickeln wollen. Dazu zählen mit Citibank, JP Morgan, Goldman Sachs, Morgan Stanley, Silicon Valley Bank und Oppenheim auch sechs US-amerikanische Banken sowie zwei britische Häuser (Lloyds und Standard Chartered) sowie die Schweizer UBS.

Vor wenigen Tagen gab zudem die Deutsche Bank bekannt, ihr neues Euro-Clearing-Geschäft in Frankfurt abwickeln zu wollen. Davon dürfte auch die Deutsche Börse profitieren: Über deren Tochter Eurex sollen die Clearing-Geschäfte künftig getätigt werden.

LSE aktiviert Notfallpläne für Brexit

Für die britische Konkurrenz der Deutschen Börse wird die Lage dagegen komplexer: Die Londoner Börse LSE hat ihre Notfallpläne aktiviert, um sich vor einem harten Brexit zu schützen, gab der neue Unternehmenschef David Schwimmer heute bekannt.

Dieser Plan sieht vor, neue Tochtergesellschaften in der EU zu gründen und zusätzliche Lizenzen zu beantragen, berichtet die F.A.Z. Schwimmer warnte vor den negativen Folgen, die ein harter Ausstieg Großbritanniens aus der EU für die London Stock Exchange haben könnte.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

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