Der US-Investor Cerberus, der 5 Prozent an der Commerzbank hält, will künftig Plätze im Aufsichtsrat haben.

Commerzbank

10.06.20
Banking & Berater

Cerberus droht Commerzbank mit Revolte

Der US-Investor Cerberus übt mächtig Druck auf die Commerzbank aus. Der zweitgrößte Aktionär fordert einen Kurswechsel und Plätze im Aufsichtsrat. Andernfalls drohe dem Bankhaus eine Aktionärsrevolte.

Der Finanzinvestor Cerberus fordert lauthals einen Strategiewechsel bei der Commerzbank. In einem Brief an den Aufsichtsrat der Bank, der den Nachrichtenagenturen Bloomberg und Reuters vorliegt, kritisiert der zweitgrößte Investor die bisherigen Turnaround-Maßnahmen und verlangt zwei Sitzplätze im Aufsichtsrat. Wen der Investor einsetzen will, nannte er in dem Brief nicht.

Der US-Hedgefonds gibt dem Bankhaus bis diesen Freitag Zeit, um auf die Forderungen zu reagieren. Laut einer mit der Angelegenheit vertrauten Person sollen die Forderungen wahrscheinlich auf der heutigen Tagung des Commerzbank-Aufsichtsrats besprochen werden. Ein Commerzbank-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab.

Cerberus kritisiert Commerzbank scharf

In dem fünfseitigen Brief vom 9. Juni heißt es konkret, dass sich das Management bisher auf ein unrentables Umsatzwachstum konzentrieren würde und nicht entschlossen sei, die Kosten zu senken. Weiter sei Cerberus „alarmiert über die Weigerung des Managements und der Aufsichtsräte, den Ernst der Lage anzuerkennen, und das erbärmliche Versäumnis, geeignete Abhilfemaßnahmen zu ergreifen“, zitiert Bloomberg. Laut dem Investor habe das deutsche Geldhaus „keine wesentlichen operativen, technologischen oder Managementinitiativen umgesetzt“.

„Die prekäre Situation der Commerzbank erfordert jetzt schnelles und entschlossenes Handeln”, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters aus dem Brief. Es sei an der Zeit, neue Ideen und Energie einzubringen, damit das Institut in eine bessere Zukunft gehen könne.

Wenn sich die Bank weigern sollte, den Forderungen nach Plätzen im Aufsichtsrat einzuwilligen, sei laut Cerberus sogar eine „Aktionärsrevolte“ möglich, wie Bloomberg schreibt. Demnach ziehe es der Investor zwar vor, konstruktiv mit der Bank zusammenzuarbeiten, warnte jedoch, dass andere Investoren „die Bemühungen um wesentliche Änderungen“ in den Aufsichts- und Verwaltungsräten sowie in der Unternehmensstrategie in hohem Maße unterstützen würden.

Cerberus geht bei der Commerzbank aggressiv vor

Mit dem Brief zeigt sich deutlich die Frustration des Investors, denn er pocht schon länger auf Veränderungen bei der Bank. Nachdem Cerberus im Sommer 2017 mit einem Anteil von 5 Prozent bei der Bank eingestiegen war, hat die Commerzbank-Aktie über 60 Prozent verloren. Bisherige Turnaround-Bemühungen brachten noch keinen Durchbruch. Der Investor kritisiert auch, dass Vorschläge von Investoren ignoriert worden seien.

Anfang 2019 unterstützte Cerberus auch eine Fusion zwischen der Commerzbank und der Deutschen Bank. An der Deutschen Bank ist Cerberus mit 3 Prozent beteiligt. Doch die Fusion scheiterte, und beide Banken versuchen nun durch einen Umbau, die Krise hinter sich zu lassen.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de