28.04.15
Banking & Berater

Commerzbank überrascht mit Kapitalerhöhung

Den Rückenwind einer überraschend starken Performance im ersten Quartal nutzt die Commerzbank, um ihr Eigenkapital um 10 Prozent aufzustocken. Dramatisch verändern wird der Deal die Bilanzstärke der Commerzbank nicht. Aber der unerwartete Schachzug zeigt, dass die Bank langsam wieder in Fahrt kommt.

Die Commerzbank will die überraschend starken Geschäftszahlen des ersten Quartals dafür nutzen, über eine Kapitalerhöhung von 10 Prozent ihre Bilanz mit rund 1,4 Milliarden Euro frischem Eigenkapital zu stärken. Die rund 114 Millionen neuen Aktien will die Commerzbank unter Mithilfe der Deutschen Bank als Joint Global Coordinator bei institutionellen Investoren platzieren. Der Bund wird nicht mitziehen. Damit sinkt die Beteiligung Berlins an der Commerzbank von 17,2 auf etwa 16 Prozent.

Die bilanziellen Auswirkungen der Eigenkapitalspritze sind jedoch überschaubar. Die Leverage-Ratio, die der Überschuss des ersten Quartals von 3,6 auf 3,7 Prozent gehievt hatte, soll nach Abschluss der Kapitalerhöhung 3,9 Prozent betragen. Die harte Kernkapitalquote nach Basel 3-Definition (CET 1), die im ersten Quartal von 9,3 auf 9,5 Prozent stieg, dürfte dann voraussichtlich knapp die 10-Prozent-Marke überwinden.

Damit gehört die Commerzbank im internationalen Vergleich immer noch zu den schwächer kapitalisierten Banken, vergrößert aber ihren Vorsprung vor der Deutschen Bank, die bei den Eigenkapitalkennzahlen ihrem Frankfurter Konkurrenten leicht hinterher hinkt.

„Mit einer CET 1-Kernkapitalquote dürfte die Commerzbank angemessen kapitalisiert sein“, kommentierte Analyst Philipp Häßler von der Equinet Bank die Kapitalerhöhung. Häßler sieht in den Buchungen des ersten Quartals auch Hinweise darauf, dass die Commerzbank für das Jahr 2015 erstmals seit langem wieder eine Dividende ausschütten könnte.

Commerzbank kann Gewinn mehr als verdoppeln

Das beste Argument, die Investoren vom Kauf der neuen Aktien zu überzeugen, hat Commerzbank-CFO Stephan Engels gestern kurz vor Mitternacht aus dem Ärmel gezogen: Die Eckdaten des ersten Quartals sind besser ausgefallen als vom Markt erwartet. Demnach konnte die Commerzbank ihren operativen Gewinn von 324 auf 685 Millionen Euro mehr als verdoppeln, und das trotz Wertberichtigungen auf ihr Engagement bei der österreichischen Bad Bank Heta.

Die Commerzbank hat rund 400 Millionen Euro in Papiere der früheren Hypo Alpe Adria investiert und dieses Investment im ersten Quartal wertberichtigen müssen. Zahlen dafür nannte Engels nicht, aber gemäß der Empfehlungen der europäischen Bankaufsicht dürfte der Wertansatz in etwa halbiert worden sein, also um rund 200 Millionen Euro. 

Dies konnte die Commerzbank durch ein wieder Tritt fassendes Kerngeschäft jedoch mehr als kompensieren: Die Erträge vor Risikovorsorge stiegen gegenüber dem Vorjahresquartal von 2,26 auf 2,78 Milliarden Euro, die Kosten legten nicht in gleichem Maße zu. Haupttreiber war das Zins- und Handelsergebnis, das um fast 500 Millionen Euro wuchs. So stieg das Konzernergebnis von 200 auf 366 Millionen Euro.

Interne Bad Bank schrumpft weiter

Für die Risikovorsorge musste die Commerzbank erneut weniger Geld zur Seite legen, und zwar nur noch 158 nach 238 Millionen Euro im Vorjahresquartal. In der hauseigenen Bad Bank fielen positive Bewertungsergebnisse an. Darüber hinaus gelang es der Commerzbank, ihr dort gebündeltes Portfolio an zum Teil notleidenden Immobilien- und Schiffskrediten gegenüber dem Jahresende 2014 um weitere 2 Milliarden Euro auf nunmehr 30,1 Milliarden Euro abzubauen. 

Details zu den Zahlen wird die Commerzbank erst in der kommenden Woche präsentieren. Dann wird auch sichtbar werden, welchen Anteil der wichtigste Ertragsbringer der Commerzbank, das starke Firmenkundengeschäft, an der guten Performance des ersten Quartals hatte.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de