Das neue Führungsteam der Deutschen Handelsbank: Jens Munk und Frank Schlaberg (v.l.n.r.) zusammen mit CFO Michael Eberhardt

Deutsche Handelsbank

10.10.19
Banking & Berater

Deutsche Handelsbank holt Tech-Banker Jens Munk

Der bekannte Tech-Investmentbanker Jens Munk heuert gemeinsam mit Frank Schlaberg als Co-CEO bei der Deutschen Handelsbank an. Dafür gibt er ein spannendes Projekt auf, bleibt seiner Mission, Venture Debt in Deutschland zu etablieren, aber treu.

Die Deutsche Handelsbank hat eine neue Doppelspitze: Wie das auf die Finanzierung von jungen Wachstumsunternehmen spezialisierte Bankhaus mitteilte, haben Jens Munk und Frank Schlaberg bereits im August den bisherigen CEO Daniel Kreis abgelöst. Kreis führt ab sofort den Beirat, den die Bank dafür neu geschaffen hat. Dieser fungiert wie ein Beratergremium und soll perspektivisch um weitere Köpfe ergänzt werden.

Jens Munk verlässt US-Investmentbank Oppenheimer

Jens Munk kommt von der US-amerikanischen Tech-Investmentbank Oppenheimer. Für diese baute er in den vergangenen rund eineinhalb Jahren das Deutschlandgeschäft auf. Sein Nachfolger dort wird nach FINANCE-Informationen Lars Dürschlag, den die Amerikaner von der Investmentbank Bryan Garnier abgeworben haben, wie aus seinem Profil bei dem Karrierenetzwerk Linkedin hervorgeht.

Munks Co-Chef Frank Schlaberg war bis Ende vergangenen Jahres zweiter Vorstand des Bankhaus Neelmeyer. Zuvor arbeitete er für die Hypovereinsbank. Neelmeyer kehrte er jedoch den Rücken, nachdem das Bankhaus mit der Oldenburgischen Landesbank zusammengelegt wurde. Bei der Deutschen Handelsbank ist er als Marktvorstand nun vor allem für das Kreditgeschäft verantwortlich. Jens Munk mit seinem Investmentbanking- und M&A-Hintergrund soll in erster Linie für Deals sorgen und junge Tech-Unternehmen als Kunden für die Bank gewinnen. CFO der Handelsbank bleibt Michael Eberhardt. 

Deutsche Handelsbank möchte VC-Investoren bedienen

Die Deutsche Handelsbank positioniert sich als Finanzierer der zukünftigen Marktführer der Technologiebranche. „Wir machen Venture Debt“, bringt es Munk im Gespräch mit FINANCE auf den Punkt. Bisher habe die Bank dazu vor allem zwei Produkte: eine Kreditlinie und einen klassischen Unternehmenskredit. Darüber kann die Deutsche Handelsbank pro Transaktion 500.000 bis 8 Millionen Euro Fremdkapital zur Verfügung stellen. Munk: „Kreditnehmer sind in der Regel junge Technologieunternehmen, die gerade eine Serie-B-Finanzierungsrunde machen.“

Die Deutsche Handelsbank bekommt für ihre Finanzspritzen nicht – wie bei Venture Capital üblich – im Gegenzug Unternehmensanteile, sondern ergänzt die typische Wagniskapitalfinanzierung um zusätzliches Fremdkapital. „Die Gesellschafter können durch unser Debt die Zeit bis zur nächsten Finanzierungsrunde hinauszögern“, erklärt Munk die Wirkungsweise des Finanzierungsinstruments. Der Vorteil für die bestehenden Gesellschafter: Sie verlieren dadurch weniger Anteile und können darauf setzen, dass das Unternehmen mit Hilfe des Venture Debts weiter wächst und die Anteile bei der folgenden Finanzierungsrunde dann mehr wert sind. 

Jens Munk hat neben den jungen Technologie-Start-ups auch noch einen zweiten Kundenkreis im Blick: Venture-Capital- und Growth-Investoren. Für diese hat die Deutsche Handelsbank seit neuestem ebenfalls zwei Tools im Werkzeugkasten: „Wir finanzieren den Partnern deren persönliche Beteiligung an den Fonds, und wir bieten den Investoren einen Überbrückungskredit an für die Zeit, bis sie das Geld aus den geleisteten Kapitalzusagen ihrer Geldgeber erhalten.“ Beide Produkte seien marktreif, aber noch nicht öffentlich gemacht. Neben der Finanzierung wickelt die Handelsbank auch den Zahlungsverkehr für ihre Kunden ab. Hier will die Bank wachsen: „Wir wollen das Zahlungsverkehrsvolumen um 75 Prozent auf 70 Milliarden Euro pro Jahr steigern“, meint Munk. 

Deutsche Handelsbank will Kreditbuch ausweiten

Munk hält die Deutsche Handelsbank für „eine kleine Spezialbank mit großem Potential“. Das gesamte Kreditvolumen der Bank lag nach eigener Aussage nach dem ersten Halbjahr bei gut 300 Millionen Euro. In diesem Jahr habe die Bank 75 Millionen Euro Neugeschäft gemacht, davon 50 Millionen Euro mit digitalen Wachstumsunternehmen.

Die übrigen 25 Millionen stammten aus dem im November vergangenen Jahres eingeführten KMU-Kredit. Das Kreditbuch will Munk „weiter stark ausbauen“. Konkrete Zahlen nannte er hierzu jedoch nicht. Die Deutsche Handelsbank soll so ein „Full-Service-Dienstleister für Wachstumsunternehmen“ werden. Der Wettbewerb in Deutschland ist Munk zufolge überschaubar. Anbieter mit einem ähnlichen Produktangebot, wie die Silicon Valley Bank, würden größere Kunden bedienen. Doch auch die US-Bank hat große Pläne für Deutschland formuliert.