Thinkstock/iStock/GettyImages/Jirsak

08.01.18
Banking & Berater

Fintech-Boom flacht ab

Die Konsolidierung hat offenbar den deutschen Fintech-Markt erreicht. Vielen Start-ups fällt es schwerer, Investorenkapital einzusammeln – und das trotz eines neuen Rekords bei den beschafften Finanzmitteln.

Der deutsche Fintech-Boom scheint vorerst ein Plateau gefunden zu haben.  2017 konnten die deutschen Finanz-Start-ups erneut eine Rekordsumme einsammeln – 716 Millionen Euro. Doch die Wachstumsrate ist deutlich zurückgegangen: 2017 wuchs nach einer Erhebung des Beratungshauses Barkow Consulting das Finanzierungsvolumen nur noch um 9 Prozent. 2015 waren es noch 135 Prozent, im Vorjahr immerhin noch 45 Prozent. 

 

„Das Finanzierungsumfeld für deutsche Fintechs wird schwieriger“

Peter Barkow

Keine harte Landung für Fintechs in Sicht

„Das Finanzierungsumfeld für deutsche Fintechs wird schwieriger“, zitiert das „Handelsblatt“ den Fintech-Experten Peter Barkow, der glaubt, dass sich in Deutschland ein Verdrängungswettbewerb eingestellt habe. Sein Beleg: Die zehn größten Fintechs hätten 44 Prozent der Investorengelder eingesammelt. Einen wesentlichen Anteil daran hatte das Kreditportal Kreditech mit einer Finanzierungsrunde von 110 Millionen Euro.

Doch das Feld der Fintechs wächst trotzdem auch noch in der Breite: Laut einer Comdirect-Studie aus dem Herbst des vergangenen Jahres gab es 2017 rund 700 Fintechs in Deutschland. Ein Jahr davor waren es noch 544. Barkow kommentiert den Rückgang der Wachstumsrate dennoch gelassen: „Noch gibt es keine Alarmsignale“, meint der Berater. Die Branche blicke „keiner harten Landung“ im Jahr 2018 entgegen.

Viele Fintechs zieht es in die Arme der Banken

Doch der Fintech-Markt dürfte sich auch in diesem Jahr weiter konsolidieren, indem die stärksten Player zusätzliche Mittel anziehen und viele erfolglose Fintechs ausscheiden müssen. HSBC-Deutschlandchefin Carola von Schmettow hat kürzlich prophezeit, dass „das große Fintech-Sterben“ kommen werde. Von Schmettow sagt voraus, dass nur einige große Fintechs sich auf lange Sicht am Markt behaupten werden können.

Manch andere dürften versuchen, über die engere Anbindung an Banken ihr Überleben zu sichern. Und ihre Annäherungsversuche werden erwidert: Zahlreiche Großbanken interessieren sich zunehmend für Fintechs und integrieren sie sogar teilweise in ihre Geschäftsprozesse. Finanzinstitute wie die Deutsche Bank oder die Commerzbank wollen so beispielsweise ihre Digitalisierung vorantreiben. Auch Oddo-BHF-Vorstand Markus Beumer kann sich eine Kooperation mit Fintechs vorstellen, wie er vor wenigen Wochen im FINANCE-Interview verriet.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

Die Banken umgarnen hierzulande die Fintechs. Welche Strategie welches Geldhaus dabei verfolgt, erfahren Sie auf der FINANCE-Themenseite zu Fintech-Strategien.