Firmenkundenchef Günter Tallner wird die NordLB Ende 2021 verlassen.

NordLB

16.12.20
Banking & Berater

Firmenkundenchef Günter Tallner verlässt NordLB

Die NordLB braucht bald einen neuen Firmenkundenchef: Günter Tallner wird die Bank Ende nächsten Jahres verlassen. Davor muss er noch die Integration des Immobilienfinanzierers Deutsche Hypo stemmen.

Günter Tallner, Vorstand für das Firmenkundengeschäft und die Kapitalmarktbereiche der NordLB, wird die Bank Ende 2021 verlassen. Auf eigenen Wunsch hin wird er seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängern und sich „anderen Interessen zuwenden“, gaben die Norddeutschen am gestrigen Dienstag bekannt.

Der 58-Jährige heuerte im Februar 2017 als Firmenkundenchef bei der NordLB an. Im Februar dieses Jahres übernahm Tallner zusätzlich die Verantwortung für das Kapitalmarktgeschäft und das Geschäftsgebiet Sachsen-Anhalt. In dieser Funktion löste er Hinrich Holm ab, der die Landesbank nach zehn Jahren verließ. In sein Portfolio fielen auch Spezialfinanzierungen für verschiedene Branchen. Dazu zählen kriselnde Schiffs- und Flugzeugfinanzierungen sowie der Bereich Structured Finance, wo die NordLB vor allem das Geschäft mit den erneuerbaren Energien bündelt.

Tallner kam von der Commerzbank

Mit Tallner verlieren die Hannoveraner einen erfahrenen Top-Banker. Bevor er zur NordLB kam, war er Bereichsvorstand der Mittelstandsbank in der Commerzbank, wo er auch den Umbau des Firmenkundengeschäfts begleitete. Zuvor arbeitete er auch im Firmenkundengeschäft der Dresdner Bank.

„Günter Tallner hat den Firmenkundenbereich der NordLB in einer sehr herausfordernden Phase fit für die Zukunft gemacht“, kommentiert Vorstandvorsitzender Thomas Bürkle die Personalie. Er habe die Kapitalmarkteinheiten erfolgreich durch die Coronavirus-Pandemie gesteuert und die Digitalisierung in seinen Verantwortungsbereichen vorangetrieben, heißt es weiter. Über seine Nachfolge will der Aufsichtsrat „zu gegebener Zeit“ entscheiden.

Coronakrise erschwert Restrukturierung der NordLB

Dass die Bank sich nun auf die Suche nach einem neuen Firmenkundenchef machen muss, kommt ungelegen. Erst vor einem Jahr wurde die NordLB mit einer Kapitalspritze über insgesamt 3,6 Milliarden Euro gerettet. Zuvor war sie wegen hoher Schiffskredit-Risiken in Bedrängnis geraten.

Das Rettungspaket, das die Länder Niedersachsen und Sachsen-Anhalt sowie die Sparkassen-Finanzgruppe stellen, ist allerdings auch an Bedingungen geknüpft – Bedingungen, deren Einhaltung durch die Coronakrise erschwert wird. Die Bank will bis 2024 eine Eigenkapitalrendite von 7 Prozent und eine Kosten-Ertragsquote von unter 50 Prozent haben. Zudem muss sie kleiner und regionaler werden.

Genau diesen Aufgaben muss sich Tallner in seinem letzten Amtsjahr bei der Bank noch stellen. Das Firmenkundengeschäft gehört zu den wichtigsten Ergebnisbringern der NordLB, zugleich ist dort ein großer Teil des Eigenkapitals gebunden. Wegen der Coronakrise drohen nun Kreditausfällen. „Die Grundanspannung eines Firmenkundenvorstands ist in diesen Tagen durchaus vorhanden“, sagte Tallner im Sommer dem Handelsblatt.

NordLB fusioniert mit Deutscher Hypo

Teil dieser Rettungsaktion ist auch die Komplettintegration der selbstständigen Immobilienfinanzierungstochter Deutsche Hypo. Wie die Bank neben der heutigen Personalmeldung verkündete, gelang jetzt auch hier der Durchbruch. 

Die Fusion soll voraussichtlich im Juli 2021 erfolgen. Durch die Vollintegration in die NordLB würden sich deutliche Vorteile auf der Kostenseite, insbesondere durch die Zusammenführung der jeweiligen Stabs- und Zentralbereiche ergeben, sagte Reinhold Hilbers, niedersächsischer Finanzminister und Vorsitzender des NordLB-Aufsichtsrats sowie der Trägerversammlung. Die Finanzierung von Gewerbeimmobilien soll weiterhin eine zentrale Säule des Geschäftsmodells bleiben und wird als Marke Deutsche Hypo weitergeführt.

Die NordLB hat in den ersten neun Monaten 2020 ein Ergebnis nach Steuern von minus 74 Millionen Euro erzielt, im vergleichbaren Vorjahreszeitraum lag das Konzernergebnis bei 215 Millionen Euro. Zudem hat sie ihre Risikovorsorge im dritten Quartal noch einmal deutlich erhöht, um auf die realwirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie vorbereitet zu sein.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

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