GE Capital soll auch in Deutschland schrumpfen

Paul Sakuma/Picture Alliance/AP/dpa

29.04.15
Banking & Berater

GE Capital soll auch in Deutschland schrumpfen

Die Finanzsparte von GE soll schrumpfen. Auch die Deutschlandaktivitäten sind betroffen, ein Verkauf ist wahrscheinlich. Zufall oder nicht: Parallel denkt man beim Finanzarm von Siemens über den Ausbau der Forderungsfinanzierung nach, wie FINANCE erfahren hat.

Nun also doch: Der US-Industriegigant GE will sich auf seine Industrieaktivitäten fokussieren und seine Finanzsparte Capital loswerden. Die Tochter GE Capital soll innerhalb der nächsten zwei Jahre fast vollständig verkauft werden. Gerüchte über diesen Strategieschwenk gab es bereits länger, doch jetzt macht Konzernchef Jeff Immelt Ernst. In den USA laufen offenbar schon erste Verhandlungen: So will der Finanzkonzern Wells Fargo die Finanzsparte übernehmen. Außerdem wurde nach Informationen des Handelsblatts bereits ein gigantischer Immobiliendeal festgezurrt.

In Deutschland bietet die Finanzsparte des GE-Konzerns Leasing („GE Capital Leasing GmbH“) und Factoring („GE Capital Bank AG“) sowie strukturierte Finanzierungen und Absatzfinanzierungen an. Besonders im Bereich Factoring zählt GE Capital nach der vollständigen Übernahme der Mainzer Heller Bank im Jahre 2005 zu den ersten Adressen im Lande. „Das Neugeschäft läuft normal weiter, die Ansprechpartner bleiben die gleichen“, erklärt Joachim Secker, Deutschlandchef von GE Capital, gegenüber FINANCE.

Ein potentieller Käufer könnte beispielsweise durch die Übernahme der Factoringaktivitäten auf einen Schlag Nummer eins im deutschen Markt werden. Für viele Investoren ist das Geschäft derzeit attraktiv: Der Markt wächst derzeit dynamisch mit zweistelligen Raten. Für 2014 meldete der Deutsche Factoring-Verband ein Volumen von 190 Milliarden Euro – 46 Milliarden Euro, also etwa ein Viertel, entfallen allein auf GE Capital. 

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Siemens prüft Comeback in der Forderungsfinanzierung

Interessanterweise scheint sich beim GE-Konkurrenten Siemens gerade ein Sinneswandel zu vollziehen: Die Siemens-Finanzsparte SFS will sich offenbar wieder dem revolvierenden Forderungsfinanzierungsgeschäft zuwenden, wie FINANCE von zwei unabhängigen Quellen erfahren hat. Im Laufe des Jahres könnten diese Pläne konkreter werden, kommentieren wollten die Münchener das aber nicht.

In den vergangenen Jahren hat sich Siemens Financial Services zudem wieder stärker auf das Konzerngeschäft fokussiert und Kunden bei Finanzierungen begleitet. Aus dem Forderungsfinanzierungsgeschäft („ABS Light“) hatte sich Siemens vor einigen Jahren infolge der Finanzkrise verabschiedet. Dass es zwischen den Industriegiganten und erbitterten Konkurrenten Siemens und GE zu einem Deal im Finanzbereich kommen könnte, halten Experten indes für abwegig.

markus.dentz[at]finance-magazin.de