Jetzt ist es offiziell: Hauck & Aufhäuser kauft das Bankhaus Lampe.

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06.03.20
Banking & Berater

Hauck & Aufhäuser kauft Bankhaus Lampe

Das Rennen um das Bankhaus Lampe ist endlich entschieden: Die Privatbank Hauck & Aufhäuser, hinter der der chinesische Mischkonzern Fosun steht, erhält den Zuschlag. Was ist die Logik des Deals, und wo liegen seine Tücken?

Fusion am deutschen Bankenmarkt: Das Bielefelder Bankhaus Lampe gehört künftig zum Frankfurter Wettbewerber Hauck & Aufhäuser. Mit dem Verkauf trennt sich die Oetker-Gruppe von ihrer hauseigenen Bank und übergibt sie in chinesische Hände, denn hinter dem Frankfurter Käufer steht seit 2016 Fosun. Der chinesische Mischkonzern ist unter anderem auch Mehrheitseigner von Tom Tailor. Die Oetker-Gruppe wurde bei der Transaktion von der Kanzlei Hengeler Mueller beraten. Hauck & Aufhäuser holte sich Unterstützung von der Kanzlei Mayer Brown. Das Bankhaus Lampe ließ sich von Latham & Watkins beraten.

Einen Kaufpreis nennt Hauck & Aufhäuser nicht. Marktbeobachter gehen aber davon aus, dass der Kaufpreis bei 200 bis 300 Millionen Euro liegen dürfte. Gemeinsam bringen die beiden Häuser 1.400 Mitarbeiter, ein verwaltetes Vermögen von rund 35 Milliarden Euro und ein administriertes Vermögen von 135 Milliarden Euro auf die Waage. Die Bilanzsumme der fusionierten Bank beliefe sich auf 10 Milliarden Euro.

Auch dies ist noch kein besonders hoher Wert. Nichtsdestotrotz dürften sich für das fusionierte Haus – dessen neuer Name eine Kombination der beiden alten werden soll – gewisse Größenvorteile ergeben, die im sich konsolidierenden deutschen Privatbankenmarkt immer wichtiger werden.

Lampe und Hauck & Aufhäuser wollen sich ergänzen

Im Rahmen des Deals will Hauck & Aufhäuser alle Mitarbeiter, Tochtergesellschaften, Kunden und Standorte von Lampe erwerben. Die Frankfurter gehen davon aus, dass die Post-Merger-Integration aufgrund der „kulturellen Ähnlichkeit“ der beiden Häuser leichtfallen sollte. Als künftige Kerngeschäftsfelder nennt Hauck & Aufhäuser Private Banking, Asset Management, Asset Servicing sowie das Investmentbanking.

Hauck & Aufhäuser versucht die Übernahme als „perfect fit“ zu erklären: Beide Bankhäuser seien in hohem Maße komplementär und verfügten über Niederlassungsnetze und Produkte, die sich sehr gut ergänzten. Zu den Geschäftsfeldern, die durch den M&A-Deal gestärkt werden sollen, zählt ein Sprecher von Hauck & Aufhäuser etwa die Begleitung von Börsengängen sowie das Equity Research für kleine und mittelständische Unternehmen.

CEO Bentlage nennt drei Argumente für den Lampe-Kauf

„Es sind vor allem drei Argumente, die für den Deal mit Lampe sprechen: Zunächst gewinnen wir durch die Transaktion an Größe und Skalierung“, begründet Hauck & Aufhäuser-Chef Michael Bentlage gegenüber FINANCE den M&A-Deal. Dadurch fielen Grundkosten wie beispielsweise jene für die Erfüllung von Regulierungsauflagen künftig nur noch einmal an und nicht mehr für beide Banken separat. Auch die Investitionen ließen sich auf eine größere Basis verteilen: „Wir haben in den vergangenen drei Jahren 3 bis 4 Prozent unserer Bruttoerträge in die Digitalisierung investiert und wollen so auch weiterfahren“, so der CEO. Dies sei nur mit einer gewissen Größe und einem profitablen Geschäftsmodell möglich.

Der zweite Punkt: Durch die Übernahme gewinnt Hauck & Aufhäuser an Reichweite. „Während das Bankhaus Lampe stark im Rheinland, in Westfalen, Hamburg und Berlin vertreten ist, deckt Hauck & Aufhäuser vor allem die süddeutschen Gebiete um Frankfurt und München ab“, so Bentlage. Dies sind just jene Regionen, in denen sich Lampe in der Vergangenheit schwer tat, Fuß zu fassen.

Last but not least sei die Übernahme auch aus Produktsicht sinnvoll: „Wir bearbeiten zwar beide ähnliche Bereiche, aber bieten innerhalb dieser Bereiche unterschiedliche Produkte und Services an.“ Hauck & Aufhäuser sei bei Anlagethemen zum Beispiel nicht so stark im Bereich Alternatives vertreten, das Bankhaus Lampe hingegen schon.

Überlappungen im Equity Research?

Doch es gibt auch Bereiche, in denen es zu stärkeren Überlappungen kommen dürfte. Dies gilt insbesondere für die kapitalmarktnahen Geschäftsfelder, in denen Hauck & Aufhäuser in den vergangenen Jahren stark aufgeholt hat. Zumindest in gewissem Umfang erscheint dort auch ein Arbeitsplatzabbau denkbar.

Beispiel Equity Research: Dort ist die Ertragslage branchenweit seit der Einführung von Mifid 2 desaströs. Trotzdem hat Hauck & Aufhäuser immer noch 120 Unternehmen in der Coverage, Lampe sogar 180. Darunter dürften viele Unternehmen sein, die beide Häuser covern. Eine Straffung drängt sich förmlich auf.

Viele andere kleine Banken haben ihre Research-Teams in Deutschland bereits deutlich verkleinert, zum Beispiel der Hauck-Wettbewerber Pareto. Die anhaltende Flaute bei mittelständischen Börsengängen und Anleiheemissionen drückt die Rentabilität der Kapitalmarkt-Desks vieler Banken in Deutschland noch zusätzlich.

Gegenwind im Zins- und Provisionsgeschäft

Die strukturelle Schwäche des Kapitalmarktgeschäfts in Deutschland wirkt sich vor allem deshalb so stark aus, weil die Zinserträge speziell der kleineren Privatbanken immer weiter zurückgehen. Im Gegensatz zu den großen Banken haben die meisten von ihnen wenig Spielraum, um dem Margenrückgang durch eine Ausweitung ihrer Kreditbücher zu begegnen. Wachsende Provisionserträge wären prädestiniert, um die Rückgänge im Zinsgeschäft aufzufangen.

Aber dies gelingt nur wenigen, sehr schlagkräftigen Anbietern. Wettbewerber der beiden Fusionspartner suchen ihr Heil darin, mit Hilfe ihrer neuen Eigentümer bestimmte Nischen zu dominieren. So positioniert sich Equinet seit der Übernahme durch Pareto als Spezialist für sogenannte „Nordic Bonds“, deren Käufer vor allem in Skandinavien sitzen. Die BHF-Bank setzt in Form von so genannten „European Private Placements“ – ein im Kern französisches Produkt – auf das Netzwerk ihres französischen Eigentümers Oddo.

Was für den Deal spricht

Ein Ausweg aus dieser Misere wäre ein Ausbau des Asset Managements – dieses Geschäftsfeld wächst noch. „Sowohl das Bankhaus Lampe als auch Hauck & Aufhäuser sind jedoch zu klein, um dort eine kritische Betriebsgröße aufzubauen. Daher macht ein Zusammenschluss der beiden Unternehmen schon Sinn“, findet Jobst von Steinsdorff, Bankenrechtler bei der Kanzlei Dentons.

Doch es gibt auch eine Falltür beim Thema Kundenansprache: Viele Kundenbeziehungen von Lampe kamen und kommen über die Oetker-Familie zustande. Es wäre überraschend, wenn deren Engagement, befreundete Adressen an die Lampe Bank zu vermitteln, im Zuge der Trennung nicht nachließe. In Summe ist es schwierig zu erkennen, wie eine Fusion beiden Häuser in nennenswertem Ausmaß neue Geschäftsmöglichkeiten erschließen sollte.

So rücken mögliche Synergien in den Blick, die deutlich über die beiden Kapitalmarkt-Desks hinausreichen. „Vor allem mit Blick auf die Produkte und die Infrastruktur könnte es große Überlappungen geben“, schätzt Steinsdorff. „Wahrscheinlich ergeben sich für beide Banken zumindest Synergien im Vertrieb und bei bestimmten Anlageklassen.“ Hinzu kommt: Nicht nur Hauck, sondern auch Lampe hat zuletzt stark in die eigene Infrastruktur investiert. Ergänzen sich die Stärken der beiden auf Systemseite, könnte sich daraus für das neue Institut ein echter Vorteil entwickeln. Schließlich sind im Wettstreit unter den Banken eine moderne IT und eine schlanke Organisation schärfere Waffen denn je. 

olivia.harder[at]finance-magazin.de