Die norwegische Investmentbank Pareto will das Büro in Frankfurt zu ihrer dritten Basis ausbauen, verspricht Deutschlandchef Lutz Weiler.

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03.09.19
Banking & Berater

Nach schwarzem Jahr: Pareto-Equinet will Neustart

Ausgerechnet im Jahr des Verkaufs an Pareto hat Equinet einen Millionenverlust eingefahren. Jetzt kämpft das Corporate-Finance-Haus um den schnellen Turnaround – mit tiefen Einschnitten, aber auch mit neuen Produkten.

Schon im August 2017 hatte der damalige Equinet-Vorstand Götz Gollan davor gewarnt, dass die Einführung von Mifid 2 verheerende Folgen für kleine Research-Häuser haben könnte. Tatsächlich wurde auch das Corporate-Finance-Haus Equinet, dem Gollan ein dreiviertel Jahr später den Rücken kehrte, von der neuen Marktregulierung schwer getroffen. Gleichzeitig brachen Equinet auch noch M&A- und Emissionsmandate weg, und die Übernahme durch die norwegische Investmentbank Pareto zog sich mehr als ein halbes Jahr länger hin als erwartet. Die Folge war ein rabenschwarzes Jahr.

Aus Unterlagen, die FINANCE vorliegen, geht hervor, dass der Provisionsertrag von Equinet 2018 um fast die Hälfte von 18,9 auf 10,3 Millionen Euro absackte. Im Jahresabschluss tat sich ein Fehlbetrag von 7,5 Millionen Euro auf, der die Eigenkapitaldecke von 13,3 auf nur noch 5,8 Millionen Euro abschmelzen ließ – nicht mehr weit entfernt vom aufsichtsrechtlichen Minimum. 

Equinet-Übernahme durch Pareto vollzogen

Inzwischen ist die Übernahme Equinets durch Pareto vollzogen, und Deutschlandchef Lutz Weiler erklärt im FINANCE-Gespräch, dass die notwendig gewordene Restrukturierung auch die Ertragslage wieder stabilisiert habe. Aber das hatte seinen Preis: „Wir mussten hart gegensteuern und im Bereich Equity Sales und Trading unsere Aktivitäten mit Pareto zusammenführen“, berichtet Weiler.

Insgesamt 22 Mitarbeiter wurden entlassen, vor allem aus den Bereichen Research, Equity Sales und Trading. Nun arbeiten noch 45 Mitarbeiter für Pareto in Deutschland. „Das waren tiefe Einschnitte“, räumt Weiler ein – und kündigt an: „Wir werden uns auf die Aktivitäten konzentrieren, mit denen wir in Zukunft verstärkt Geld verdienen können.“

Lutz Weiler setzt auf Nordic Bonds

Für den Turnaround setzt er auf das Geschäft mit Nordic Bonds. „Dorthin verlagert sich langsam aber sicher das Geschäft, das früher mit der Emission von Mittelstandsanleihen gemacht wurde“, glaubt der erfahrene Banker. Dort war Equinet zwar nicht Marktführer, brachte aber über viele Jahre hinweg jeweils mehrere Mini-Bond-Emittenten an den Markt.

Das Nordic-Bond-Geschäft ist zwar noch nicht so weit, die entstandene Lücke wieder ganz zu schließen, aber Weiler glaubt, einen positiven Trend zu erkennen: Sechs deutsche Unternehmen habe das Frankfurter Team in den vergangenen zwölf Monaten an den skandinavischen Bondmarkt begleitet. Darunter waren die Industrieholding Hörmann, der Fußballklub Hertha BSC und die an der Frankfurter Börse notierte skandinavische Kreditplattform Ferratum.

„Die Investorenlandschaft im Norden ist verlockend, und die rechtlichen Unterschiede zu Deutschland sind marginal“, wirbt Weiler um weitere Kunden. Doch obwohl es im Norden Strukturen gebe, mit deren Hilfe sich Anleihen erheblich schneller und einfacher platzieren ließen, werde es „noch eine Weile dauern“, dieses neue Finanzierungsinstrument in Deutschland zu verankern. „Aber wir haben einen langen Atem und werden dieses Produkt sowie den Namen Pareto in Deutschland bekannt machen.“

„Wir haben einen langen Atem und werden den Namen Pareto in Deutschland bekannt machen.“

Lutz Weiler, Deutschlandchef, Pareto

Teufelskreis im Aktiengeschäft

Nichtsdestotrotz bleiben M&A, Equity Capital Markets, Research und Trading kritische Bereiche. Weiler beschreibt die Lage so: „Die großen Banken üben einen enormen Preisdruck am Markt für Aktien-Research aus. Kleinere Häuser wie wir müssen sich dem beugen und den Rückzug antreten.“ In der Folge schrumpfen auch die Erträge im Aktienhandel – ein Teufelskreis.

Trotzdem will Weiler an diesen Geschäftssäulen festhalten. Der Grund ist strategischer Natur: „Pareto will Frankfurt zur dritten großen Basis nach Oslo und Stockholm aufbauen. Für unsere mittelständischen Kunden ändert sich also nichts. Vom Standort Frankfurt aus bieten wir die komplette Palette des Corporate-Finance-Geschäfts an.“  

Ob er mit dieser Aufstellung schon für 2019 den ersten Gewinn an die neue Mutter in Oslo berichten wird, kann der erfahrene Banker noch nicht sagen – „aber wenn es noch Verluste geben sollte, dann viel geringere als im Jahr 2018."

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de