Die britische HSBC übernimmt die Deutschlandtochter der HSBC komplett. Dafür kauft sie der LBBW die restlichen Anteile ab.

HSBC Deutschland

26.05.20
Banking & Berater

LBBW steigt bei der HSBC aus

Die britische HSBC kauft den Minderheitsaktionär LBBW aus der Deutschlandtochter HSBC Trinkaus & Burkhardt heraus. Das Ziel: mehr Handlungsfreiheit.

Die britische Großbank HSBC stockt ihre Anteile an der Deutschlandtochter HSBC Trinkaus & Burkhardt auf 99,3 Prozent auf, indem sie der LBBW deren Anteil von 18,7 Prozent abkauft, wie beide Banken am gestrigen Abend mitteilten. Die restlichen Aktionäre, die 0,7 Prozent halten, sollen nun per Squeeze-out hinausgedrängt werden.

Den Kaufpreis gaben die beiden Banken nicht bekannt. An der Börse ist HSBC Trinkaus & Burkhardt aktuell 1,4 Milliarden Euro wert. Demnach könnte der Wert des LBBW-Pakets bei rund 260 Millionen Euro liegen.

HSBC kann nun durchregieren

Die Komplettübernahme begründet die HSBC gegenüber FINANCE so: „Mit der Aufstockung der Beteiligung ist HSBC Trinkaus & Burkhardt jetzt endlich ein vollständiges Mitglied im HSBC-Konzern. Das heißt für uns, dass die am Ende sehr komplexen Abstimmungsprozesse einfacher werden und wir effizienter agieren können“, sagte ein Unternehmenssprecher. Die bisherige Struktur habe es nicht zugelassen, dass die deutsche HSBC völlig frei agieren konnte. Zudem sei die Investition von HSBC ein klares Bekenntnis zu Deutschland und Europa. „Sie zeigt die Bedeutung, die Deutschland als Kernland für die Umsetzung der HSBC-Strategie für Europa hat.“

Mit der Übernahme endet eine lange gemeinsame Geschichte von LBBW und HSBC Trinkaus & Burkhardt: Der LBBW-Anteil stammt aus dem Jahr 1991, als sich eines der Vorgängerinstitute der LBBW an der Düsseldorfer Bank beteiligte. Seitdem gab es immer mal wieder Gespräche darüber, den Anteilsbesitz neu zu ordnen. Auf entsprechende Nachfragen – auch von FINANCE – reagierte die HSBC aber stets schmallippig. „Die Debatte um den Kauf der LBBW-Anteile lief schon länger“, bestätigt nun der Banksprecher. „Jetzt haben sich die Interessen stärker angeglichen.“

Während der volle Zugriff die HSBC Deutschland agiler machen könnte, erhält die LBBW einen nicht unerheblichen Cash-Zufluss zu einem Zeitpunkt, an dem Liquidität Trumpf ist. Die LBBW argumentiert denn auch, dass es sich bei dem jetzt abgestoßenen Aktienpaket um „eine reine Finanzbeteiligung ohne geschäftsstrategische Bedeutung“ gehandelt habe.

„Die Debatte um den Kauf der LBBW-Anteile lief schon länger. Jetzt haben sich die Interessen angeglichen.“ 

Statement der HSBC Deutschland

HSBC steckt mitten im Umbau

Während bei der Beteiligungsstruktur in Deutschland nun mehr Transparenz herrscht, hat das Coronavirus die Unwägbarkeiten beim Mutterkonzern in London verstärkt. Dort stehen tiefe Einschnitte bevor: Der neue HSBC-Chef Noel Quinn hatte im Februar angekündigt, weltweit 35.000 Stellen zu streichen. Wie die „Financial Times” berichtet, will die Bank ihren Sparkurs wegen Corona jetzt aber noch weiter verschärfen.

Auch die HSBC Deutschland signalisierte bei der Vorlage der Geschäftszahlen für 2019 einen Umbau des Geschäfts. 2019 konnte die Bank ihre operativen Erträge gegenüber dem Vorjahr noch um 7 Prozent auf 787 Millionen Euro steigern. Sowohl beim Zins- (plus 6 Prozent) als auch beim Provisionsüberschuss (plus 5 Prozent) ging es nach oben. Wegen Wertberichtigungen ging der Vorsteuergewinn aber von 171 auf 145 Millionen Euro zurück.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

 

 

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