Der globale HSBC-Chef hat einen radikalen Umbau angekündigt. Mit welchen Karten geht die deutsche Niederlassung dabei ins Rennen?

HSBC Deutschland

19.02.20
Banking & Berater

HSBC Deutschland vor unsicheren Zeiten

Die HSBC Deutschland hat für 2019 ordentliche Zahlen präsentiert, doch die Konzernmutter kündigt parallel einen radikalen Umbau an. Was bedeutet das für Deutschland?

Eigentlich sind die gestern präsentierten vorläufigen Zahlen der HSBC Deutschland zum Geschäftsjahr 2019 ganz ordentlich: In einem herausfordernden Marktumfeld konnte die Bank ihre operativen Erträge nach eigener Aussage gegenüber dem Vorjahr um 7 Prozent auf 786,8 Millionen Euro steigern und sowohl beim Zins- (plus 6 Prozent) als auch beim Provisionsüberschuss (plus 5 Prozent) zulegen. Letzterer machte sogar 57,6 Prozent am Gesamtergebnis aus – im deutschen Bankensektor ein Top-Wert.

Das Provisionswachstum kam in erster Linie aus dem Kapitalmarktgeschäft (Global Banking & Markets). Insgesamt stieg der Provisionsüberschuss gegenüber dem Vorjahr um 7,4 Prozent auf 302,8 Millionen Euro. Finanzchef Andreas Kamp zufolge kam das Wachstum vor allem aus der Wertpapierverwahrung und dem Handel mit festverzinslichen Wertpapieren (Fixed Income). Speziell letzteres habe sich nach einem schwachen Jahr 2018 wieder erholt. 

Risikovorsorge der HSBC steigt deutlich

Und obwohl sich die Risikovorsorge der HSBC Deutschland gegenüber dem Vorjahr um über 50 Millionen Euro erhöht hat, blieben die operativen Erträge nach Risikovorsorge mit 741,7 Millionen Euro ziemlich genau auf Vorjahresniveau. Die Wertberichtigungen entfielen beinahe komplett auf das Firmenkundengeschäft (Commercial Banking). 

Finanzchef Kamp sprach in einer Telefonkonferenz mit Journalisten von „Bremsspuren im verarbeitenden Gewerbe und in der Exportindustrie“, die die HSBC zu spüren bekomme. Doch noch scheinen Problemfälle im Kreditportfolio der HSBC nur vereinzelt aufzutreten: 40 Millionen Euro entfielen auf Einzelwertberichtigungen bei „wenigen großen Engagements“, so Kamp, der seit dem vergangenem Jahr als Bereichsvorstand fungiert.

HSBC wächst operativ im Firmenkundengeschäft

Das Firmenkundengeschäft der HSBC lieferte gemischte Ergebnisse. Glänzen konnte der Zinsüberschuss, der im Commercial Banking um 13,5 Prozent auf 128,6 Millionen Euro stieg. Strafzinsen trugen zur Verbesserung der Lage bei. Weil diese stärker als im Vorjahr an Firmenkunden weitergereicht wurden, konnten die Düsseldorfer ihre Verluste im Euro-Einlagengeschäft im Firmenkundenbereich um rund 10 Prozent senken. Damit scheint die HSBC Deutschland Strafzinsen aber noch nicht so konsequent an Firmenkunden weiterzureichen wie beispielsweise die Commerzbank, deren Zinsüberschuss 2019 dadurch sogar um 100 Millionen Euro gestützt wurde.

Der Provisionsüberschuss im Firmenkundengeschäft lag mit 53 Millionen exakt auf Vorjahresniveau, das Firmenkundenkreditbuch wuchs im Vorjahresvergleich um 1 Prozent. Damit ist die HSBC nach der ING schon die zweite große Auslandsbank, die im deutschen Firmenkundengeschäft 2019 stark auf die Kreditbremse getreten ist. Die Niederländer weiteten ihr Kreditbuch 2019 überhaupt nicht aus.  

HSBC achtet stärker auf Kundenprofitabilität

Die gesammelten Eckdaten deuten darauf hin, dass die HSBC im Firmenkundengeschäft nicht mehr so stark wächst wie noch in den Jahren 2014 bis 2018, als sie in Deutschland eine stark kreditgetriebene Mittelstandsoffensive fuhr.

Im Sommer 2016 hatte die Bank angekündigt, vom Säen zum Ernten überzugehen, was sich wenig später auch in der Kreditvergabe niederzuschlagen begann. Bankchefin Carola von Schmettow betonte gestern, dass die Bank zwar weiterhin neue Firmenkunden brauche. Diese müssten jedoch eine gewisse Profitabilitätsschwelle erreichen. „Wenn ein Firmenkunde nur Kredit will, ist er bei uns vielleicht nicht richtig aufgehoben.“

Die HSBC will vor allem an das Auslandsgeschäft der deutschen Firmenkunden. Firmenkundenvorstand Nicolo Salsanos Faustformel dazu lautete im Mai 2019: „Für jeden Euro Ertrag im Firmenkunden im Inland kommt mehr als 1 Euro im Ausland hinzu.“ Doch auch hier scheint das Wachstumstempo etwas an Fahrt zu verlieren. Zwar stiegen die weltweiten Erlöse mit deutschen Firmenkunden der HSBC zufolge wie in den Vorjahren auch dieses Jahr wieder um über 10 Prozent. Das lag offenbar vor allem am Commercial Banking, denn im Corporate & Investmentbanken waren es 2019 dagegen nur noch 2 Prozent Wachstum, wie die Bank auf Nachfrage mitteilte. Absolute Zahlen berichtet die Bank nur für die Inlandserträge, nicht aber für die mit deutschen Kunden im Ausland verbuchten Erlöse. 

Radikalkur der HSBC-Gruppe

Überschattet wurde die solide Geschäftsentwicklung der HSBC Deutschland allerdings von weitreichenden Ankündigungen der in London ansässigen und in Asien stark verwurzelten Konzernmutter. Diese gab parallel zu den deutschen Zahlen bekannt, 7,3 Milliarden Dollar Firmenwert (Goodwill) abschreiben zu müssen. Die Abschreibung trifft mit 4 Milliarden Dollar in erster Linie das weltweite Global Banking & Markets, mit 2,5 Milliarden aber auch das Commercial Banking in Europa.

Die Konsequenzen, die der Interim-Konzernchef Noel Quinn daraus zieht, sind heftig, und sie  dürften in Düsseldorf Besorgnis auslösen: Im Europageschäft will Quinn die risikogewichteten Aktiva (RWA) bis Ende 2022 um 35 Prozent abbauen, in den USA sogar um 45 Prozent. Die Bank will sich nach eigener Aussage auf das Investmentbanking in Großbritannien, auf Mid-Market-Kunden in den USA und internationale Firmenkunden konzentrieren, die von London aus betreut werden. Das Handelsgeschäft und der Research sollen schrumpfen. Das Geschäft mit strukturierten Produkten soll nach Asien verlagert werden, wo die Bank bereits die Hälfte ihres Umsatzes erwirtschaftet.

Für den Umbau veranschlagt die HSBC bis 2022 rund 6 Milliarden Dollar Restrukturierungskosten sowie weitere 1,2 Milliarden Dollar, die in Folge des Abstoßens nicht genannter Vermögenswerte die Bilanz belasten werden. Quinn will bis zu 35.000 Stellen streichen.

Wie geht es weiter mit der HSBC Deutschland?

Welche Folgen der Strategieschwenk und das neue Restrukturierungspaket für die deutsche Einheit haben könnten, wollte die HSBC auf Nachfrage hin nicht konkret kommentieren. Nur so viel: Man konzentriere sich auf das eigene Effizienzprogramm, das 2019 angelaufen sei und Prozesse sowie Strukturen verbessern soll. 

Dafür seien 2019 bereits 25,6 Millionen Euro an Restrukturierungskosten angefallen, was dazu führte, dass der Vorsteuergewinn der HSBC Deutschland 2019 um 15 Prozent auf 144,8 gesunken ist. Die um Restrukturierungskosten bereinigte Eigenkapitalrendite der HSBC Deutschland lag 2019 bei 6,8 Prozent. Das ist weniger als die HSBC auf Gruppenebene erzielte (8,4 Prozent). 

Viel Hoffnung auf Besserung weckt die Prognose der Deutschland-Tochter der britischen Großbank nicht: „2020 dürfte die schwierige Lage der Exportwirtschaft das Ergebnis abermals belasten. Neben voraussichtlich erneut hohen Einzelwertberichtigungen werden sich zudem Kosten für das Effizienzprogramm bemerkbar machen.“ Mit einem großen Gewinnsprung sei nicht zu rechnen.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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